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Zahlungsbilanz: Deutschland als größter Kapitalexporteur

Das Verhalten deutscher Anleger läuft im Gleichschritt mit der Zahlungsbilanz Deutschlands. Und die ist von anhaltenden Überschüssen geprägt. Der Export in andere Länder betrifft nicht nur Waren und Dienstleistungen, sondern auch deutsches Kapital. Die Zahlungsbilanz umfasst nämlich die Leistungs- und die Kapitalbilanz.

Zahlungsbilanz – 2013 mit Rekordüberschuss

Exportüberschüsse sind seit 1951 ein Markenzeichen Deutschlands. Abgesehen von den Jahren nach der Wiedervereinigung gab es durchgehend Zahlungsbilanzüberschüsse. 2013 erwies sich Deutschland mit seiner Zahlungsbilanz als größter Kapitalexporteur der Welt – der Trend hält an.

Zum einen müssen importierende Länder deutsche Waren und Dienstleistungen über Schulden finanzieren. Gleichzeitig fließt deutsches Kapital etwa in Form von Rettungskrediten oder staatlichen Hilfen in kriselnde Euroländer wie beispielsweise Griechenland. Und nicht zuletzt geht deutsches Geld über die Grenzen in Anlagen wie Sachwerte und Finanzprodukte.

Zahlungsbilanz: Zwischenspiel von Leistungs- und Kapitalbilanz

Die Überschüsse gehen vor allem auf den Warenhandel zurück. Und damit investiert Deutschland einen Großteil seiner Gelder im Ausland. Nur so kann die Differenz zwischen Importen und Exporten finanziert werden.

Durch den Leistungsbilanzüberschuss wird ein Zahlungsüberschuss erzielt, der in der Kapitalbilanz als Kapitalexport auftaucht. Hierin zeigt sich der Zusammenhang zwischen Leistungs- und Kapitalbilanz.

Der Leistungsbilanzüberschuss – vorwiegend Waren und Dienstleistungen – belief sich 2013 auf stolze 201 Mrd. €. Nach rund 187 Mrd. € 2012 und 161 Mrd. € im Jahr zuvor ein Rekordwert. Damit war der Überschuss sogar höher als der Chinas. Auch im Handel mit China selbst wurde seit 1990 erstmals ein leichtes Plus erzielt.

Entsprechend hoch ist der Geldexport auf der Kapitalbilanzseite. Über 245 Mrd. € flossen netto ins Ausland. Hierbei kommen neben den Krediten allerdings noch Direktinvestitionen in Sachanlagen sowie Anlagen in über Wertpapiere ins Spiel.

Netto-Kapitalexport deutscher Anleger

Bei Wertpapierinvestitionen und Finanzderivaten betrug der Netto-Kapitalexport mehr als 179 Mrd. €. Der Trend hielt auch 2014 an. Ausschlaggebend ist vor allem die weltweite Suche nach möglichst hoher Rendite. Dabei zeigt sich Ungleichgewicht zwischen dem Verhalten ausländischer Anleger, die in Deutschland investieren und deutschen Anlegern, die im Ausland investieren.

Ausländische Anleger zogen sich gerade aus deutschen Schuldverschreibungen zurück. Das Geld floss aus deutschen Anleihen etwa in Geldmarktpapiere. Zudem verringerte sich das Engagement in deutsche Aktien.

Deutsche Anleger hingegen investieren umso mehr in ausländische Papiere. Beliebt sind vor allem Investmentzertifikate und Schuldverschreibungen.

Zahlungsbilanz: Überschuss mit Folgen

Deutsche Anleger nehmen also mehr Zinsen und Dividenden aus dem Ausland ein. Doch unterm Strich hat eine Zahlungsbilanz mit Überschüssen Folgen. Wenn bezogen auf 2013 ein Leistungsbilanzüberschuss von rund 201 Mrd. € auf einen Nettokapitalexport von über 245 Mrd. € trifft, so wird das Geld, das im Ausland ist, nicht in Deutschland konsumiert und investiert.

Gerade wegen des Investitionsstaus in Deutschland haben die anhaltenden Zahlungsbilanz-Überschüsse volkswirtschaftlich auch negative Seiten. Gleichzeitig jedoch trägt deutsches Kapital in den Partnerländern zu Produktivität und Einkommen bei, was der Exportnation Deutschland letztlich wiederum zugute kommt.

1. November 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.