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Zahlungsbilanzdefizit – Geldabfluss mit Folgen

Hohe Zinsen, attraktive Anleiherenditen – Anleger werden diese vor allem in Ländern mit einem Zahlungsbilanzdefizit finden. Für Zahlungsbilanzdefizite gibt es verschiedene Gründe. Doch die Folgen sind mehr oder weniger gleich.

Zahlungsbilanzdefizit und die Folgen

Zunächst: Ein Zahlungsbilanzdefizit entsteht, wenn ein Land im Außenhandel mehr importiert als exportiert. Damit fließen mehr Werte und Geldforderungen ab als eingehen. Dass der Begriff Zahlungsbilanz häufig synonym für Leistungsbilanz verwendet wird, ist insofern nicht störend als die Leistungsbilanz Teil der Zahlungsbilanz ist.

Allerdings kommt bei der Zahlungsbilanz die Betrachtung der Kapitalbilanz hinzu. Sie ist zum einen der buchhalterische Gegenposten zur Leistungsbilanz mit Waren und Dienstleistungen. Zum anderen zeigt sie auch, ob heimische Anleger ihr Geld mehr im Ausland anlegen – wie die Deutschen – oder umgekehrt.

Einige Länder weisen anhaltende Zahlungsbilanzdefizite auf, andere nur vorübergehend. Der klassische Auslöser für ein Defizit ist ein Zusammenspiel von mangelnder Produktivität und starker Währung. Die eigenen Waren sind fürs Ausland zu teuer, also wird weniger verkauft als eingekauft.

Devisennachfrage und Geldmengenreduktion

Da aber Importe mit Fremdwährungen bezahlt werden müssen, steigt der Bedarf an Devisen. Und weil die gegen Inlandswährung bei der Zentralbank getauscht werden, liegt das Geld letztlich dort und fehlt im Wirtschaftskreislauf. Damit reduziert sich die Geldmenge im Inland.

Höhere Zinsen

Wenn somit das Geld knapp wird, werden verstärkt Kredite benötigt. Durch die höhere Nachfrage steigen die Kreditzinsen der Banken. Ein höheres Zinsniveau schlägt sich auch in Geldanlagen und Anleihen nieder.

Mehr Arbeitslose

Dies freut zwar einige Anleger, doch wenn der Zustand anhält, führt eine geringere Produktivität der eigenen Industrie durch eine rückläufige Auslandsnachfrage zum Verlust von Arbeitsplätzen. Die Inflation lässt nach und droht durch eine Deflation abgelöst zu werden.

Sinkende Preise

Bei steigender Arbeitslosigkeit, stagnierenden Löhnen und weniger Geld im Umlauf leidet nach dem Exportgeschäft nun auch der Binnenkonsum. Senken die Unternehmen dann die Preise, arbeiten sie weniger rentabel und werden in der Abwärtsspirale auch für Aktionäre zunehmend uninteressant.

Schwächere Währung

Parallel dazu verliert die eigene Währung an Wert. Und zwar nicht nur wegen einer gezielten Abwertung durch die Notenbank, um Exporte günstiger zu machen. Der Effekt tritt zwangsläufig dadurch ein, dass mit dem oben erwähnten Währungstausch ein Überhang an eigenen Devisen entsteht.

Diese Abwertung wiederum kann zu einem Anstieg der Exporte führen. Allerdings sollte dies kein vorübergehender Trend sein. Entscheidend ist, dass die Rahmenbedingungen für eine hohe Produktivität stimmen oder Reformen erfolgreich umgesetzt wurden.

Verschuldung beim Handelspartner

Handelt es sich um anhaltende Defizite wie etwa im Falle Griechenlands, so entsteht eine nachhaltige Schwächung und Abhängigkeit von Handelspartnern mit Zahlungsbilanzüberschüssen. Die werden nämlich zu Gläubigern. Das Defizitland verschuldet sich in der Höhe der Differenz zwischen Import und Export.

Attraktive Renditen für Investoren

Gerne wird dabei von einem Ungleichgewicht gesprochen. Doch erstens sind Gleichgewichte eher die Ausnahme. Zweitens können Defizitländer mit attraktiven Anleihen und solidem Entwicklungspotenzial Investorengelder anziehen, die für genügend Liquidität sorgen, auch um die Anleihen bedienen zu können.

Das Risiko: Wenn sich der Wind dreht und jetzt die USA ihre expansive Geldpolitik zurückfahren, schichten Investoren weltweit in US-Papiere um in der Erwartung, dass die Zinsen und der Dollar zulegen.

Den zuvor begehrten Schwellenländern wie etwa Indien fehlt nun das Geld, das sie unter anderem zum Bedienen ihrer in Dollar gehandelten Anleihen benötigen. Kommt eine hohe Abhängigkeit von verteuerten Energieimporten auf Dollarbasis hinzu, dürfte das Zahlungsbilanzdefizit steigen. Auch China verzeichnet seit geraumer Zeit hohe Kapitalabflüsse.

10. September 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.