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Zahlungsbilanzdefizit – je nach Land verschiedene Gründe

Sollen Anleger ein Land mit Zahlungsbilanzdefizit meiden? Antwort: Es kommt ganz auf die Gründe an.

Zahlungsbilanzdefizit: Gründe und Standortwettbewerb

Zunächst: Wenn vom Zahlungsbilanzdefizit die Rede ist, dann ist häufig ein Defizit in der Leistungsbilanz gemeint. Die ist mit Im- und Exporten von Waren und Dienstleistungen neben der Kapitalbilanz wichtigster Teil der Zahlungsbilanz.

In der Kapitalbilanz können etwa Finanztransaktionen durch Investorengelder zeigen, ob sich Anleger in einem Land vermehrt engagieren oder Kapital abziehen. Der Grund können schlechte Renditen oder mangelndes Vertrauen in die Ertragskraft der Exportindustrie des Landes sein.

Naheliegendes Beispiel ist Griechenland. Mit vergleichsweise hohen Löhnen ist es international kaum wettbewerbsfähig. Als tragende Säule kann Athen derzeit vorwiegend den Dienstleistungssektor, sprich Tourismus, halten.

Ob etwa eine abgewertete Drachme statt des Euro den Export beflügeln würde, ist nur die eine Seite eines Alternativszenarios. Immerhin muss das Land enorme Kosten für Energie- und Rohstoffimporte stemmen. Bei einer schwächeren Währung wäre der Einkauf umso teurer und das Zahlungsbilanzdefizit umso größer.

Hohe Energieimporte drücken die Bilanz

Dies zeigt sich beispielsweise in Japan, wo sich letztes Jahr ein erhöhtes Zahlungsbilanzdefizit gezeigt hat. Und das trotz einer hocheffizienten Exportindustrie und eines schwächeren Yen. Durch die um 17% verbilligte Währung musste für Energie auf Dollarbasis mehr bezahlt werden. Zudem hat seit Abschaltung von Atomkraftwerken der Import von Öl und Gas deutlich zugenommen.

Doch Japan ist nicht Griechenland. Seit Mitte 2014 legten die Exporte kräftig zu, und das erste Atomkraftwerk geht wieder ans Netz. Anleger weltweit zeigten sich zuversichtlich und deckten sich massenhaft mit japanischen Aktien ein. Aktuell hält der Aufwärtstrend an den Börsen an.

Auch US-Unternehmen bleiben attraktiv. Zudem wird seit Ankündigung des Endes der expansiven Geldpolitik global vermehrt auch in US-Bonds umgeschichtet. Das Geld wandert von Schwellenländern wie Indien ab, was deren Währungen unter Druck setzt und Energieimporte verteuert. Damit entstehen Zahlungsbilanzdefizite mit all ihren Folgen.

Klassisches Schuldenland USA

Die wiederum produzieren die USA selbst seit Langem. Der Unterschied zu anderen Staaten: Solange der Dollar als Leitwährung gilt, können die USA auch im Schuldenstatus ihre Dominanz halten.

Im Verhältnis zu China etwa, das enorme Überschüsse verzeichnet, besteht eine enge wirtschaftliche Abhängigkeit. Seit geraumer Zeit jedoch verringert sich das Zahlungsbilanzdefizit. Hauptgrund: Öl und Gas werden zunehmend im eigenen Land gefördert. Die USA importieren immer weniger Energie.

Starke Währung, mehr Import

Insgesamt ist einer der wesentlichen Gründe für Zahlungsbilanzdefizite ein zu hoher Import verglichen mit den Exporten. Die Gründe hierfür wiederum können entweder eine nicht wettbewerbsfähige Industrie sein oder eine zu starke Währung. In dem Fall ist der Einkauf in anderen Ländern billiger. Hinzu kommen unter Umständen hohe Kapitalerträge durch ausländische Anleger.

3. Dezember 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.