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Zertifikate mit der Extra-Portion Schub – Wave Calls

Seit der Finanzkrise 2008 genießen Zertifikate – vorsichtig ausgedrückt – nicht mehr den allerbesten Ruf. Der Name Lehman Brothers wird in diesem Zusammenhang wohl noch lange in schlechter Erinnerung bleiben.

Aber: Zertifikat ist nicht gleich Zertifikat. Denn wohl kaum ein anderes Finanzprodukt kann in so unterschiedlicher Form daherkommen wie dieses.

Die kränkelnden Zertifikate, die die US-Investmentbank vor einigen Jahren zu Hauf in Umlauf brachte, basierten auf den debilen Hypotheken des damals aufgeblasenen nordamerikanischen Immobilienmarktes. Aufgrund von hohen Verkaufsprovisionen drückten auch deutsche Geldinstitute diese Papiere ihren Kunden aufs Auge.

Und so zahlten am Ende deutsche Privatanleger einen beträchtlichen Teil der Zeche und Lehman Brothers verschwand auf Nimmerwiedersehen von der Bühne des großen Geldes.

Wave-Call Zertifikate bieten große Chancen

Wave-Calls gehören zu den so genannten Hebelzertifikaten, die auch Turbo-, Knock-out-Zertifikate oder Mini-Futures genannt werden. Mit Hebelzertifikaten können Anleger auf steigende oder fallende Kurse von Aktien oder ganzen Indices setzen. Im Gegensatz zu Wave-Puts setzen Investoren mit Wave-Calls auf steigende Notierungen.

Da das Investment in ein Hebelzertifikat in Verbindung mit einem Wertpapierdarlehen realisiert werden kann, können Anleger mit einem relativ geringen Einsatz sehr hohe Gewinne erzielen. Wie die Bezeichnung auch verrät, tut der Hebel ein Übriges.

Ein Beispiel: Angenommen der DAX steht bei 10.000 Punkten. Hier würde ein entsprechendes Wave-Call-Zertifikat mit einem Finanzierungslevel (Strike) von 9.000 Punkten in diesem Fall 1.000 € kosten. Dabei ist jedoch auch noch das Bezugsverhältnis wichtig. Beim DAX beträgt dies normalerweise 1:100 (0,01). Die Kosten der Bank in Form eines Aufgelds sollen sich in diesem Beispiel auf 10 € belaufen.

Somit gilt folgende Formel:

Formel  

Den Preis eines Hebelprodukts berechnen

$$\bo\text"Preis des Hebelprodukts"=((\text"Basispreis" +\text"Aufgeld")- \text"Finanzierungslevel")*\text"Bezugsverhältnis"$$
Ergebnis berechnen

also ((10.000 + 10) – 9.000) × 0,01 € = 10,10 €

Wenn der DAX nun auf 10.500 Punkte steigt, würde der Wert auf 15 € klettern:

also ((10.500 + 10) – 9.000) × 0,01 € = 15,10 €. Der Gewinn liegt also bei knapp 50 %.

Wenn der DAX aber unter das Finanzierungslevel – zur Erinnerung: 9.000 Punkte – fällt, wird das Zertifikat ungültig. Damit sind das eingesetzte Kapital (sowie das Aufgeld) unwiederbringlich verloren.

Vorsicht: Großen Chancen stehen erhebliche Risiken gegenüber

Wie das Beispiel zeigt, besteht bei einem Wave-Call-Zertifikat durchaus die Gefahr des Totalverlusts. Daher sind solche Finanzprodukte für Privatanleger, insbesondere für wenig erfahrene Investoren, kaum geeignet.

In erster Linie werden Wave-Calls etwa von Fondsgesellschaften zum Absichern größerer Positionen eines Aktienfonds verwendet. Da sie in einem solchen Fall nur einen sehr geringen Anteil am Fondsvolumen ausmachen und dabei die Schwankungsanfälligkeit des Gesamtvermögens senken, können sie sich hierbei als sehr sinnvoll erweisen.

Dagegen tragen Privatanleger, die naturgemäß über bescheidenere Möglichkeiten verfügen, bei Wave-Call Hebelzertifikaten das volle Risiko.

9. Mai 2015

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.