von Jan Aalto

Zertifikatemarkt: Emittenten reduzieren Handelbarkeit - Fallen drohen

Sparmaßnahmen der Emittenten gehen weiter.

Meldet ein Zertifikate-Anbieter Konkurs an, werden Sie nur aus der Konkursmasse bedient.

Wer in Deutschland Zertifikate kauft, hat fast sicher zumindest kein Emittentenrisiko. 

Diese Annahme galt bis vor kurzem trotz der Lehman-Pleite in den USA als sicher. 

Nur: Inzwischen wird es auch bei den Banken innerhalb des Euroraums und auch in Deutschland schwieriger. Grund sind unter anderem die Anforderungen an die Banken, was die Sicherheit der Bilanz betrifft.

Das Eigenkapital der Banken soll steigen, um wie bislang Kredite erteilen zu können. Das bedeutet aber für die Finanzhäuser, dass sie weiter Kosten abbauen müssen. Dies betrifft nach Medienberichten auch die Zertifikate-Abteilungen der Geldinstitute.

Wir bestätigen diese Vermutung, denn die Zertifikate-Abteilung von Banken ist oft nicht so effizient, wie sie sein könnte.

Bank reduziert Titelanzahl und Handelszeiten

Die Macquarie Bank aus Australien, die das Geschäft von Sal. Oppenheimt seit 2010 weiterführt, reagierte bereits auf den schwächer werdenden Zertifikate-Markt. Die Bank möchte vor allem professionelle Investoren als Kunden gewinnen, das heißt: institutionelle Investoren wie Fonds, Versicherungen und Family Offices.

Das Privatkundengeschäft ist demnach zu teuer. Die Bank hat daher am Markt eingegriffen und eigene Titel wieder aus dem Geschäft genommen.

Zudem reduzierte das Haus die Handelszeiten, auch wenn nach den Beteuerungen von Macquarie weiter Kurse gestellt werden.

Achtung: weitere Emittenten wollen dem Bericht zufolge massiv Kosten einsparen. Dies wird auch nötig, meinen wir:

  • Die Credit Default Swaps, quasi Versicherungsprämien für die Zertifikate, sind in den vergangenen Monaten stark angestiegen. 
  • Ab CDS in Höhe von 150 Punkten, also 1,5% der zu versichernden Summe, gelten die Emittenten und deren Papiere als riskant.
  • In Deutschland haben die WestLB mit 376 Punkten, die HypoVereinsbank mit 357,2 Punkten sowie die LBBW mit 267,3 Zählern die höchsten Werte.
  • Direkt dahinter folgen die Bayern LB mit 257,1, die Commerzbank mit gar 264,1 sowie die Deutsche Bank (180,8) und DZ Bank (151,3).
  • Je teurer ein Haus Zertifikate "produziert", desto schlechter für die Emittentensicherheit und damit Ihr mögliches Engagement.

GeVestor meint: die Zahlen steigen seit einiger Zeit an. Vor allem die CDS halten wir für besorgniserregend. Ein weit verbreiteter Irrtum:

Die Banken seien mit den gesetzlichen Einlagensicherungen gegen einen Zahlungsausfall versichert, womit Kunden sicher sind. Die Einlagensicherungen aber beziehen sich nur auf die Geldeinlagen auf Konten.

Zertifikate sind normale Schuldverschreibungen. Kann eine Bank nicht mehr zahlen, müssten Sie als Investor aus der Konkursmasse bedient werden.

Der Fall Lehman zeigte, wie schwierig es in solchen Fällen ist, überhaupt noch halbwegs angemessen aus der Sache zu gehen.

Konzentrieren Sie sich bei Zertifikate-Engagements auf die sichereren Branchenführer (siehe oben) und prüfen Sie, ob vereinzelt ETF - börsengehandelte Fonds in Betracht kommen. Diese stellen Sondervermögen unabhängig von Konkursen dar. 

 
 
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