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Programmierer von Goldman Sachs stiehlt Firmengeheimnisse

07.07.2009 13:04 Uhr von Tino Hahn


Als das Flugzeug mit Serge Aleinikow in New Jersey landete, standen Beamte der amerikanischen Bundespolizei FBI bereits bereit, um den ehemaligen Programmierer des US-Finanzdienstleisters Goldman Sachs festzunehmen: Ihm wird vorgeworfen, Geschäftsgeheimnisse seines ehemaligen Arbeitgebers gestohlen zu haben und diesen Wettbewerbsvorteil bei seinem neuen Arbeitgeber nutzen zu wollen. Der Software-Experte hatte noch versucht, seine Spuren zu verschleiern, doch die Ermittler kamen ihm dennoch auf die Schliche:

Der Diebstahl, der einem ehemaligen Mitarbeiter des amerikanischen Finanzdienstleisters Goldman Sachs vorgeworfen wird, könnte das Unternehmen in seinen Grundfesten erschüttern:

 
Sergej Aleinikow, ehemals als Programmierer bei Goldman Sachs beschäftigt, soll Bestandteile einer Software kopiert haben, die das Wall-Street-Unternehmen für den automatisierten Aktienhandel nutzt. Diese Software soll laut eines FBI-Berichts „einen Gewinn von vielen Millionen Dollar jährlich“ sichern. Die Algorithmen, die dieser Software zugrunde liegen, gehören zu den bestgehüteten Geheimnissen der Investmentbanker von Goldman Sachs. Aleinikow war bis zum 5. Juni 2009 als Programmierer bei Goldman Sachs tätig gewesen und wollte den Finanzkonzern auf eigenen Wunsch verlassen, um bei einem anderen Unternehmen anzuheuern. 

 

Zwischen dem 1. und 5. Juni soll er die betreffenden Daten kopiert und laut eines Berichts der „Financial Times“ auf einen Server in Deutschland kopiert haben. Dazu hatte er ein eigens konzipiertes Script genutzt, mit dem er den Software-Code gesammelt, komprimiert und anschließend auf den Server übertragen hatte. Die Spuren dieser Aktionen wollte Aleinikow verschleiern, doch bei Goldman Sachs werden Kopien der Nutzerprotokolle getrennt aufbewahrt. Dadurch kamen die FBI-Ermittler Aleinikow auf die Schliche.

 

 

Algo-Trading: Software sollte bei anderem Unternehmen genutzt werden

Da die Trading-Software von Goldman Sachs außerdem besonders schnell sei, soll das Unternehmen dadurch einen Wettbewerbsvorteil besitzen – einen Wettbewerbsvorteil, den Aleinikow scheinbar auch bei seinem neuen Arbeitgeber nutzen wollte: Der verhaftete Software-Spezialist war im Begriff, zu einer Firma zu wechseln, deren Kernkompetenz bei automatisierten Transaktionen und Warengeschäften liegt. Dort hatte Aleinikow ein Gehalt ausgehandelt, das rund dreimal so hoch war wie seine Bezüge bei Goldman Sachs.

 
Die Software, die Goldman Sachs für das sogenannte „Algo-Trading“ einsetzt, kann innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheiden, welche Aktien gekauft bzw. verkauft werden und ist einer der Hauptgründe dafür, warum sich das Institut von der weltweiten Wirtschaftskrise schneller als andere angeschlagene Bankenhäuser erholt. Beim Algo-Trading herrscht ein harter Wettbewerb, der zu einem ständigen Buhlen um die besten Programmierer und hohen Investitionen in leistungsfähige Hardware führt.

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Auch die Ausgaben für Sicherheit verschlingen Unsummen, um solche Fälle wie den oben geschilderten zu verhindern – denn neben der millionenschweren Verluste, die bei einem erfolgreichen Diebstahl drohen, schwebt auch ein Imageverlust wie ein Damoklesschwert über den Unternehmen. Für Goldman Sachs ist der Diebstahl von integralen Firmengeheimnissen eine peinliche Angelegenheit, die sich jedoch laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters nicht auf die Quartalsergebnisse des Finanzdienstleisters auswirken sollen.
 
Wie die Financial Times berichtet, wurde Aleinikow am gestrigen Montag gegen eine Kaution von 750.000 Dollar wieder freigelassen. Am 3. August 2009 soll die erste Anhörung in diesem Fall stattfinden.

>> Lesen Sie mehr zum Thema "Finanzkrise"

 
 

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