So funktioniert Börse!

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Die Aktienmärkte haben nicht die Kraft, ein neues Jahreshoch zu erreichen. Der DAX lag heute lange Zeit gut im Rennen, aber dann reichte schon etwas Gegenwind von den US-Börsen, um den deutschen Leitindex nach unten zu drücken. Die Bullen müssen erst wieder Luft holen. Schwächer notiert seit Monatsbeginn auch der Goldpreis. Aktuell kostet eine Unze Gold rund 100 USD weniger als noch vor 4 Wochen. Überraschend kommt das jedoch nicht. Die Sommermonate gelten traditionell als schwache Goldphase. Im Herbst und Winter glänzt das Edelmetall dann wieder.
Die Politiker und Notenbanker in der Schweiz dürften froh sein, wenn Gold für ein paar Monate kein neues Allzeithoch erreicht und das Jahr 2010 zu Ende ist. Der Grund: Die Schweiz feiert in diesem Jahr eine Art Jubiläum. Vor 10 Jahren wurde beschlossen, die Goldreserven zu einem großen Teil aufzulösen.
In den 90er-Jahren gehörte die Schweiz zu den größten Goldbesitzern der Welt. Die Notenbank hortete knapp 2.600 Tonnen Gold. Damit war die Schweiz hinter den USA und Deutschland das Land mit den drittgrößten Goldreserven. Beim Goldbesitz pro Kopf lag die Schweiz sogar ganz einsam an der Spitze.
Kein Wunder, dass dieser Goldschatz Begehrlichkeiten auslöste. Durch den Verkauf konnten viele, viele Wahlkampfgeschenke verteilt werden, ohne die Wähler vorher mit Steuererhöhungen belasten zu müssen.
Der Goldpreis war schon damals immer für eine Achterbahnfahrt gut. Erst erreichte er ein Allzeithoch von gut 800 USD, dann stürzte der Preis auf unter 300 USD je Unze ab. Rückblickend war das Timing der Schweizer beim Goldverkauf eine Katastrophe.
Doch der Reihe nach. Mitte der 90er-Jahre kam Druck auf, das „unproduktive“ Gold, das nicht einmal Zinsen oder Dividenden abwirft, zu verkaufen. Im Jahr 1997 wurde dann offiziell eine Expertenrunde eingesetzt, die eine Reform der Währungsordnung erarbeiten sollte.
Im Jahr 1999 gab die Notenbank grünes Licht für einen Goldverkauf. Im Jahr 2000 schuf dann der Gesetzgeber die rechtliche Grundlage für den Verkauf. Zwischen 2000 und 2005 verkaufte die Notenbank 1.300 Tonnen Gold. Der Verkaufserlös lag bei gut 21 Mrd. Franken. Heute würde der Goldverkauf rund 70 Mrd. Franken bringen. Die Schweizer Notenbank hat fast den Tiefpunkt beim Verkauf erwischt.
Niemand wusste vor 10 Jahren, dass der Goldpreis anschließend fast nur noch steigt und von unter 300 auf fast 1.300 USD klettert. Man darf daher nicht kritisieren, dass die Notenbank, die von den Politikern beeinflusst wurde, nicht den Rekordpreis beim Verkauf erzielt hat.
Auf der anderen Seite stellt sich aber die Frage, wie sinnvoll es ist, die Goldreserven zu verkaufen, wenn der Goldpreis gerade von 800 auf 300 USD gefallen ist. Der Goldpreis wird seit Jahrtausenden gemessen, daher weiß man, dass es Schwankungen gibt. Wer verkauft freiwillig, wenn der Goldpreis direkt vorher um über 50% eingebrochen ist?
Es war absehbar, dass der Goldpreis einige Jahre später wieder Richtung 500 oder 800 USD steigen würde. Mit etwas Geduld hätte die Notenbank den Verkaufserlös zumindest verdoppeln können. Aber der Druck der Politiker, möglichst schnell auf Bundes- und auf Kantons-Ebene Geschenke zu verteilen, war offensichtlich größer.
Heute gehört die Schweiz noch immer zu den größten Goldbesitzern der Welt, aber die Reserven sind mit gut 1.000 Tonnen nicht mehr so üppig. Im laufenden Jahr wurden dagegen die Devisenreserven massiv aufgestockt (wie im Schlussgong bereits berichtet).
Einige Schweizer Notenbanken könnten heute etwas ruhiger schlafen, wenn das viele Papiergeld in den Tresoren mit etwas mehr Gold abgesichert wäre. Papiergeld ist schlicht und einfach ein Zahlungsversprechen eines Landes. Gold bleibt dagegen Gold.
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Kommentare zum Artikel
ich lese Ihren Schlussgong nun seit etwa zwei Wochen und möchte Ihnen gerne sagen, dass mir dieser sehr gefällt. Sie haben klare Formulierungen und logisch gut nachvollziehbare Argumente. Darüber hinaus gelingt es Ihnen, die Dinge von einem neutralen Standpunkt aus zu beobachten, so dass auch Ihre Kritik stets fair bleibt. Machen Sie bitte weiter so!
Herzliche Grüße aus Berlin
Dr. Michael Sperling
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