MenüMenü

Investment-Chance Startup? Was ist drin für Privatanleger?

"Bahnbrechende" Unternehmensgründungen im Technologiebereich bestimmen wieder Schlagzeilen. Gevestor untersucht, wie die Gewinnchancen stehen."

Boom oder Rezession? Egal . . .

Diese 3 Top-Aktien bieten 2016
Mega-Potenzial (sogar bei schwacher Wirtschaft)

Hier klicken und Studie abrufen ➜



Willkommen in einer wahrhaft biblischen Welt: Hier geht es um gottgleich weltverändernde Ideen, himmlische Wachstumsraten, geldgebende Engel und paradiesische Renditen. Wenn nach der Schöpfung (vulgo: Gründung) auch die Evolution kommt. Andernfalls ist die Konkurs-Hölle – mit teuflisch tiefem Fall und fegefeuerartiger Geldverbrennung gleich nebenan.

Startups – was steckt hinter der Gründerwelle?

Startups sind hoch gefeiert – und doch ein wenig wie alter Wein in neuen Schläuchen. Schon Joseph Schumpeter beschrieb das Phänomen der "Schöpferischen Zerstörung": Mit einer innovativen Geschäftsidee krempelt ein Unternehmer bestehende Strukturen von Angebot und Nachfrage komplett um. Neue Märkte entstehen, neue Geschäftsmodelle entziehen etablierten Anbietern die Existenzgrundlage. Heute nennt man das Disruption.

Im 19. Jahrhundert rankten sich die innovativen Ideen – die zerstörerischen Schöpfungen – rund um Anwendungen des damals neuen elektrischen Stroms und brachten Industriegiganten wie General Electric oder Siemens hervor. Heute geht es Computertechnologie und Internet. Und Erfolgsgeschichten wie die von Apple, Google oder Paypal heizen die Fantasien der Investoren an.

Ideen, wie man Technologien und Internet nutzen kann, sprudeln reichlich. Fraglich ist nur, welche letztlich beim Kunden zündet. Wer das vorhersehen will, spielt Russisch Roulette mit vierfachem Hebel, sagt Professor Günther Faltin: Man spielt mit einem Revolver, hat aber statt einer tödlichen Kugel gleich vier in der Trommel. Mit anderen Worten, das Engagement bei Neugründungen ist extrem riskant. Faltin weiß das nicht nur, weil er sich als Wissenschaftler mit Entrepreneurship befasst. Er ist selbst Gründer und investiert als Business Angel. So nennt die Startup-Szene Investoren, die das Frühstadium einer Gründung nicht nur finanziell, sondern auch mit Know-how unterstützen.

GeVestor Interview Prof Faltin

Zum nachlesen hier klicken


Fakt ist: eine wirkliche Gründungswelle gibt es nicht in Deutschland. Die Zahl der Unternehmensgründungen ist rückläufig. Sie sinkt etwa in dem Maß, in dem die Zahl der abhängig Beschäftigten zunimmt.


Unternehmensgründungen – Deutschlands Ruf ist besser als die Realität

Tatsächlich ist Deutschland beim Gründungsgeschehen ein Scheinriese. Das Image der leistungsorientierten und erfindungsreichen Volkswirtschaft mit innovativen Unternehmern rührt zu großen Teilen aus der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts. Macher vom Schlage eines Robert Bosch oder Werner von Siemens, die aus Garagenfirmen Weltkonzerne formten, fehlen derzeit. Im weltweiten Vergleich des Global Entrepreneurship Monitors belegt Deutschland einen der hinteren Plätze.


Selbst wer als Investor hohe Risiken finanzieren – und daraus überdurchschnitllichen Gewinn ziehen – will, findet also vergleichsweise wenig Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass die wirklich lohnenden Investments mit marktverändernden Neuheiten verbunden sind. Denen widmen sich aber gerade mal 15,9 Prozent der Neugründungen.


Aussichtsreiche Startups – Wie findet man die Nadel im Heuhaufen

Wer also in Neugründungen mit Potenzial investieren will, findet unter 25 Unternehmen gerade einmal 4 mögliche Kandidaten. Wirkliche Startups macht man darunter an 3 Kritieren fest. Sie

... sind jünger als 10 Jahre.

... sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell (hoch) innovativ.

... haben (streben) ein signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum (an).

Am augenscheinlichsten ist dabei das Mitarbeiterwachstum. Startup-Gründer stellen pro Jahr 8 bis 10 Mitarbeiter ein. Aussagekräftiger ist aber das Umsatzwachstum. Es erlaubt Rückschlüsse darauf, wie gut eine Idee im Markt ankommt: Sind Menschen bereit, dafür Geld auszugeben – Geld, aus dem Investoren perspektivisch Gewinn ziehen könnten.

Profis bewerten das Potenzial einer Gründung unter anderem am CAGR (Compound Annual Growth Rate), einer Wachstumsrate über die Zeit seit Unternehmensstart. Liegt diese über 50 Prozent, gibt es Chancen, ein erfolgversprechendes Startup gefunden zu haben.

Startups – Die Einstiegschancen

Anlagemöglichkeiten ergeben sich immer dann, wenn die Gründer Geld brauchen. Üblicherweise gehen Startups über mehrere Finanzierungsrunden. Und in jeder müssen sie die Investoren von Neuem überzeugen.


Dabei wächst der Finanzbedarf in der Regel mit jeder Entwicklungsphase. Jede zweite Neugründung kam 2014 entweder mit eigenen Mitteln aus oder brauchte maximal 5.000 Euro Starthilfe. In späteren Phasen steigt der Finanzbedarf proportional zum Wachstum: das heißt, äußerst rasant. Dann wird über 100-tausende und nicht selten Millionensummen verhandelt, die im Austausch gegen Anteile an der neuen Firma fließen.

Mittler zwischen Investoren und innovativen Gründern sind häufig Wagniskapitalgeber. Und auch hier hat sich eine eigene Startup-Kultur durchgesetzt. Neben den klassischen Beteiligungsgesellschaften sind Unternehmen entstanden, die hoffnungsvolle Marktneulinge nicht nur finanziell und strategisch unter ihre Fittiche nehmen. Sie coachen die Jüngstunternehmer zugleich, und manche verstehen sich als Gründungspartner. Dieser "fürsorgliche" Ansatz hat den neuen Kapitalsammelstellen auch den Beinamen "Inkubatoren" eingetragen – angelehnt an den Brutkasten für Frühgeborene auf Entbindungsstationen im Krankenhaus.

Philipp Hartmann, Mitbegründer von Rheingau Founders, mag diesen Begriff nicht besonders. Er lässt die Ideengeber für ein neues Geschäft in keinem guten Licht stehen. Hartmann und seinen beiden Partnern bei Rheingau Founders geht es um ein Verhältnis auf Augenhöhe mit den Gründern. Nur so könne man ein Geschäftsmodell zu einem nachhaltigen Erfolg führen.

GeVestor Interview Hartmann

Zum nachlesen hier klicken


Das Konzept von Rheingau Founders geht auf. Zu den bekanntesten Namen im Beteiligungsportfolio der Gründungsprofis zählt Lieferando.de, ein Online-Bestelldienst, der über 10.000 Liefer-Services mit bargeldloser Bezahlung via Internet verknüpft. Das Finanzierungsvolumen betrug mehr als 20 Millionen Euro. Geld, das über Investoren – so genannte Business Angels – eingeworben wurde. Mittlerweile gehört Lieferando.de zur Takeaway.com-Gruppe, einem der drei größten Online-Marktplätze in Europas Foodbranche.

Startups – Scheitern gehört dazu

Erfolgsgeschichten wie die von Lieferando sind die strahlende Spitze des Eisbergs. Auch bei Rheingau Founders ist einkalkuliert, dass 70 bis 80 Prozent der Projekte scheitern. Dann ist das investierte Geld verloren.

Bei Startups heißt das aber nicht, dass die unternehmerische Motivation verloren geht. Ein Drittel aller deutschen Startup-Gründer hat zuvor schon mal ein Projekt einstellen müssen.


Unter den Gründern von Wachstumsunternehmen entwickelt sich eine Kultur, in der Scheitern nicht als Versagen, sondern als Lernerfahrung begriffen wird. Investoren müssen jedoch bedenken, dass sie zu denen zählen, die das Lehrgeld zahlen.

Die Gefahr des Scheiterns ist umso größer, je intensiver der Wettbewerb ist. Versanddienste und Online-Shops gelten dafür als ein Beispiel. Hoffnungsträger sind dagegen Startups in anderen Branchen.

Fintechs – Die Revolutionäre des Finanzdienstleistungssektors?

Besonders heiß diskutiert werden hier die Neugründungen im Banken- und Versicherungsbereich. Kein anderer Startup-Sektor zog 2015 so viel Kapital an wie der Fintech-Bereich: ca. 300 Millionen Euro. Experten sind sich auch einig, dass keine andere Branche so großen Nachholbedarf hat wie die Finanzindustrie.


Entsprechend hoch sind die vermuteten Ineffizienzen, die Startup-Gründer erfinderisch machen. Das Investitionsvolumen in Fintechs stieg 2015 um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch Rheingau Founders sind in dem Bereich aktiv: Mit simplesurance, einem Angebot, das den Abschluss einer Versicherung durch einfachen Mausklick in den Checkout-Prozess bei Online-Händlern integriert.

Hier scheint der Nutzwert für den Verbraucher schnell erkennbar. Bei Angeboten zum bargeldlosen Zahlungsverkehr via Handy ist das nicht der Fall. Hier gab es aber besonders viele neue Angebote. Und auch besonders viele, die scheiterten.

Schöner Scheitern: Diese Anbieter mussten in Deutschland aufgeben

Paybox

Yapital

SQWallet

Paymey

Simplay

Kunden als "Killerapplikation"

Grund für das Scheitern: Die neuen Bezahlverfahren waren den meisten Kunden viel zu kompliziert. Teils weil sie ihre Handies mit neuen SIM-Karten ausstatten mussten, teils weil die Dienste neue Kreditkarten erforderten oder weil der Regsitrierungsprozess zu umständlich war. Dabei klingt "Bezahlen mit dem Handy" extrem einfach.

Dass es funktioniert, beweisen Apple mit Apple Pay und Google mit Android Pay. Die Giganten der digitalen Wirtschaft liefern ihre Applikationen denn auch schon mit den jeweiligen Handies aus. Der Kunde muss nicht groß wählen, der Service steht mit Inbetriebnahme des Mobiltelefons bereit.

Das nennt die Startup-Szene "Usability" – Nutzbarkeit. Und da schafft Kundenbindung. Einfachheit gilt als Schlüssel zu positiver Kundenerfahrung – und ist deshalb das alles entscheidende Kriterium für den Erfolg der meisten digitalen Angebote. Gerade im Finanzbereich, der für viele Verbraucher eher mit Last als mit Lust gleichgesetzt wird.

Fehlt die "Customer Experience" – die Kundenzufriedenheit, scheitern die Anbieter schnell und gnadenlos. Und mit ihnen die Geldgeber. Beim Mobile Payment-Service Yapital musste die Otto-Gruppe die Verluste verbuchen. Bei Paymey war es eine große Zahl privater Anleger, denn das Startup hatte sich über die so genannte Crowd, also eine Gemeinschaft vergleichsweise anonymer Nutzer einer Internetplattform finanziert.

Crowd Financing: Geldgeschäfte mit Schwarmintelligenz

Beim Crowd Financing werden einer breiten Masse von Internetnutzern über spezielle Plattformen Projekte mit Finanzierungsbedarf vorgestellt. Wer an ein Projekt glaubt, kann spenden, ein Beteiligungsdarlehen geben oder erwirbt eine stille Beteiligung. Auch Kredite von Privatpersonen an Privatpersonen werden mittlerweise über das Internet vermittelt.

Formen des Crowd Financing

Crowd Funding: Über spezielle Plattformen werden potenziellen Geldgebern einzelne Projekte vorgestellt. Überzeugt die Idee, spenden die Angesprochenen – teils auch kleine Beträge. Kommt auf diese Weise genügend Geld zusammen, wird das Projekt realisiert. Gegenleistung für die "Investoren" ist dann meist eine Sachleistung oder ein symbolisches Dankeschön. Crowd Funding ist damit eine neue Form des Spendens.

Crowd Investing: Auch hier kommen Kapitalsuchende und mögliche Kapitalgeber über eine Internetplattform zusammen. Wer hier investiert, wird am Erfolg einer Unternehmung beteiligt. So wurde der Kinofilm "Stromberg" über Crowd Investing finanziert. Die Investoren verbuchten dabei eine Rendite von 17 Prozent. Allerdings ist ein Erfolg der Projekt nicht sicher. Und anders als beim klassischen Anteilserwerb über eine Bank erfolgt nur eine begrenzte Prüfung der Geschäftskonzepte. Ob ein Risiko tragbar ist, entscheidet der Investor für sich allein.

Social Banking: Das Prinzip folgt der Idee, dass Menschen keine Bank brauchen, um miteinander Geldgeschäfts zu machen: Wer Geld hat, gibt einem anderen ein Darlehen Zu festen Konditionen und unter Berücksichtigung der individuellen Situation eines Kreditnehmers. Diese Situation wird nicht vom Vermittler beurteilt. Der Kreditsuchende offenbart Zweck seiner Geldnachfrage und seine persönlichen Umstände direkt dem möglichen Geldgeber. Hohe Transparenz und Nähe über das Internet kennzeichnen das Social Banking. Die Kosten einer bankmäßigen Verarbeitung werden umgangen.

Crowd Rating: Das Rating ist keine Finanzierung über die Masse, aber eine Nagelprobe für die Kapitaleinwerbung. Denn hierbei werden Konzepte und Produktideen einer größere Masse von Interessenten vorgestellt. Diese geben dann ein Urteil (Rating) zu Plausibilität und Erfolgsaussichten ab. So bekommen Projektentwickler Feedback zu ihrem Markt, zu Finanzierungschancen und Erfolgsaussichten.

Die größten deutschen Crowd-Pleiten im Überblick

Vielfalt und Kleinteiligkeit der Crowd Financing-Strukturen haben sich zuletzt als Hürde erwiesen, die Dominanz etablierter Banken bei der Vermittlung von Finanzierungen zu brechen. Denn Crowd-Finanzierer sind Marktplätze, die wie Börsen funktionieren. Zumal die gehandelten Objekte – Beteiligungen oder Zahlungsansprüche – ähnlich sind. Das erhöht den Aufwand, Sparer in einem eher kapitalmarktabgeneigten Land wie Deutschland von neuen Wegen zu überzeugen. So wurde 2015 zwar allgemein als Boomjahr der Fintechs angesehen. Gleichzeitig mussten in diesem Jahr aber überdurchschnittlich viele Crowd-Finanzierer aufgeben. Sie hatten das Interesse der Crowd überschätzt.

Regeln für Rebellen: Fintechs treffen auf Finanzaufsicht

Das Anlegerinteresse auf Finanzierungsplattform scheint geringer zu sein, als von den meisten Fintech-Gründern erwartet. Aber es ist da. Darauf setzt Dr. Guido Sandler, Mitbegründer der Bergfürst AG. Hier können Interessenten Startup- und Immobilienbeteiligungen erwerben und so Zugang zum Markt für Wagniskapital, so genanntes Venture Capital, erwerben. Diese Anlageklasse war bislang nur professionellen Anlegern vorbehalten.

Über diese Abgrenzung wacht die Bundesanstalt für Finanzdienstelistungsaufsicht (BaFin). Und sie knüpft ihren Segen an bestimmte Voraussetzungen. Nicht zuletzt, weil Bergfürst Leistungen wie eine Bank angeboten hatte, hatten Sandler und seine Mitstreiter deswegen auch eine Banklizenz beantragt. Und bekommen. Problem nur, das junge Unternehmen bezeichnete sein Angebot teilweise auch selbst als "Börse light". Das rief neben der Bank- auch die Börsenaufsicht auf den Plan. Die hielt neben der Bank auch eine Börsenlizenz für nötig. Diesen Aufwand, so Sandler, hätte Bergfürst nicht stemmen können.

In der Konsequenz stellte Bergfürst das Geschäftskonzept um und gab auch die Banklizenz zurück. Nach wie vor funktioniert das Unternehmen aber als Vermittler zwischen Anlegern und Kapitalsuchenden. Nach wie gilt das Ziel, Vorteile von Banken mit schlanken Online-Strukturen zu verbinden – nur eben auf anderen Wegen als Banken (oder Börsen).

Regulierung lehnt Sandler deswegen nicht ab. Allerdings erwartet er von den Finanzaufsehern mehr Service. Es gehe nicht um unregulierte Bereiche, sondern um zügige Klärung, was gehe und was eben nicht. Da hätten Aufsichtsbehörden in der Schweiz, Großbritannien oder auch den Niederlanden Geschwindigkeit und Anforderungen von Startups deutlich besser erkannt und angenommen. In Deutschland gebe es dagegen noch Verbesserungspotenzial. Zumal man die Szene rund um technologiegeprägte Wachstumsunternehmen längst nicht mehr mit der Situation rund um den Neuen Markt vergleichen könne.

GeVestor Interview Dr Guido Sandler

Zum nachlesen hier klicken

Robo-Advisory: Anlegen mit künstlicher Intelligenz

Ob Mobile Payment oder Crowd Financing – die Intelligenz der Masse schützte zuletzt auch nicht vor Verlusten. So liegt die Suche nach Alternativen bei der Anlagestrategie nahe. Die Lösung liegt weniger im Wie der Entscheidung, sondern im Wer, befand vor einigen Jahren der Harvard-Absolvent Jonathan Stein. Basierend auf dem Markowitz-Modell zur Portfoliostrukturierung entwickelte er mit seiner Firma Betterment Algorithmen, die Anlagebedürfnisse und Risikoneigung von Sparern erfassen. Damit können Computer in Sekundenbruchteilen die perfekte Depotzusammenstellung für jeden Anleger errechnen.

Robo-Advisory heißt das Prinzip: Computer ersetzen den Bankberater. Das ist objektiver und kostengünstiger. Und ein breites Tummelfeld für Startups. Geldanlage soll einfach sein, schnell gehen und Spaß machen, sagt zum Beispiel Dr. Oliver Vins. Der ehemalige McKinsey-Mann hat mit einem früheren Banker von J.P. Morgan vaamo gegründet. Das Versprechen: In wenigen Klicks hat man sein Geld bedarfsgerecht angelegt.

Und nicht nur die Frankfurter erwarten eine steigende Nachfrage. Mittlerweile bieten auch Direktbanken Robo-Advice an, und selbst große Geschäftsbanken wollen auf den Zug aufspringen. Die Grenzen zwischen alter und neuer Bankenwelt verschwimmen. Erst recht, weil hinter jedem Startup mit der Technik für Robo-Advisory eine Abwicklungs- bzw. Depotbank stecken muss. Allianzen sind unumgänglich.

Robert Henker, Gründer und Vorstand von Cashboard, hält das nicht für einen Nachteil. Cashboard gilt als Nummer 1 der deutsche Robo-Advisor. Nicht zuletzt, weil das Unternehmen nach eigenen Angaben eigentlich schon schwarze Zahlen schreiben könnte. Tatsächlich ist ein Gewinn aber erst 2018 geplant. Bis dahin will das Unternehmen die Startup-Dynamik nutzen, um weiter zu wachsen.

GeVestor Interview Robert Henker

Zum nachlesen hier klicken

Vertrauen – eine Währung wird neu verteilt

Diese Dynamik resultiert auch bei Fintechs aus dem gezielten Aufdecken und Ausnutzen von Ineffizienzen in bestehenden Märkten. Die zeigen sich im Finanzsektor am ehesten im Privatkundensektor. Dort geht es immer um Kreditvergabe, Versicherungen oder Geldanlage – Domänen, die etablierte Finanzinstitute verteidigen, seit im 11. Jahrhundert die ersten Darlehen professionell ausgereicht worden sind.

Dabei haben sich Kunden immer von der Devise leiten lassen, dass Geldgeschäfte ganz besonderes Vertrauen erfordern. Staatliche Regulierung des Bankensektors – und später auch teils selbstgebaute, teils gesetzlich vorgegebene Sicherungsmechanismen – haben dieses Vertrauen über Generationen gefestigt.

Finanzinstute sind als Katalysatoren der Wirtschaft immer noch unangefochten. Aber die Finanzkrise 2008 hat augenscheinlich gemacht, was die Systemrelevanz eines Wirtschaftszweigs bedeuten kann. Der Einbruch der Weltwirtschaft hat die Finanzbranche in eine massive Vertrauenskrise gestürzt.

Besonders kleine Kunden sind daher offen für neue Angebote. Hier winkt Massengeschäft. Und neue Technologie, wie Kontoprogramme für das Mobiltelefon oder eine Online-Vermögensstrukturierung wie die von Cashboard machen deutlich günstigere Preise möglich. Einfach mal ausprobieren, wird da umso verlockender. Zumal Neukunden der Branche im Alter von 18 bis 30 Jahren von vornherein mehr auf Internetgrößen wie Google oder Facebook vertrauen als auf Namen wie Deutsche Bank oder Sparkasse.

Der Versuch der Fintechs, das Finanzwesen umzukrempeln, setzt daher in den allermeisten Fällen an der Schnittstelle zum Privatkunden an, so eine Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey.


Was die etablierten Institute bislang noch schützt, ist ihre über Jahre und Jahrhunderte gewachsene Vermittlerrolle in der Wirtschaft. Sie unterhalten die gewachsene Infrastruktur für die Geldversorgung von Volkswirtschaften und die Abwicklung grenzüberschreitender Geschäfte. Das macht sie auch für Staaten unverzichtbar und stellt bis zu einem gewissen Grad eine Bestandsgarantie dar.

Mit dem Privatkundengeschäft können Startups daran nicht rütteln. Auch deswegen suchen viele Fintechs nicht nur den Wettbewerb mit klassischen Banken oder Versicherungen, sondern vielmehr die Verbindung. Alte Institute können den Newcomern das regulative und geschäftliche Rückgrat stärken, und sie profitieren im Gegenzug von der technologischen Innovationskraft sowie der rasanten Umsetzungsgeschwindigkeit der Fintechs. Nicht umsonst stehen auch hinter Cashboard (eBase, HPM) oder vaamo (Fidelity) klassische Vertreter der Finanzbranche.


Fintechs als Brücke zwischen Alter und Neuer Finanzwelt

Gerade in dieser Verbindung zu den etablierten Finanzunternehmen sieht Frank Niehage einen entscheidenden Erfolgsfaktor für Fintechs. Als Investment Banker war er für Goldmann Sachs, UBS, Commerzbank und auch die Privatbank Sarasin tätig. Er kennt die alte Finanzwelt aus zahlreichen Führungspositionen – und hat sich inzwischen doch für die neue entschieden: Seit August 2014 ist er CEO der Fintech Group. Diese versteht sich als Enabler der Finanzindustrie: als Dienstleister bei der Entwicklung und Einführung innovativer Technologien.

GeVestor Interview Niehage

Zum nachlesen hier klicken

 


Zum einen bietet die Gruppe Privatkunden Online-Lösungen für Brokerage und Vermögensverwaltung. Jüngst kam auch ein Mobile Payment-System dazu. Darüber hinaus entwickelt und vertreibt die Fintech Group aber auch Technologien und Leistungen für Geschäftskunden. So will das Unternehmen auch in den Prozessen hinter den Bankkulissen ein wertvoller Partner sein. Ein Kalkül, das aufzugehen scheint, denn neben enormen Wachstumsraten weist die Fintech Group auch Gewinne aus.

Frank Niehage und die Fintech Group präsentieren sich denn auch mit der Gelassenheit einer Unternehmung, die seit über 10 Jahren am Markt ist – mit der Tochter XCOM AG sogar schon seit über 25 Jahren. Bei dieser Historie sieht Niehage die Fintech Group auch nicht mehr als Startup. Die Gruppe sei vielmehr ein mittelständisches Unternehmen.

Über die Tochter Flatex, einem der ersten Online-Broker in Deutschland, ist die Fintech Group auch bereits seit 2009 börsennotiert [Chart]. Damit hat es den Schritt längst hinter sich, den viele Startup-Gründer als Krönung ihrer Idee anstreben: der Börsengang als Bestätigung einer Etablierung im Markt.

Exit Börse – Wenn Startups flügge werden

Die Börsennotierung als Gütesiegel für ein Unternehmen – und ein Investment: das Konzept war bei der New Economy schon einmal fehlgeschlagen. Gerade die eher vorsichtigen Anleger in Deutschland erinnern sich mit Schrecken daran, am Neuen Markt nicht Wachstum, sondern geschäftliche Luftschlösser finanziert zu haben.

Offensichtlich ist jedoch nicht nur für Experten, wie neue Technologien, Internet und die Möglichkeiten, immense Datenmenge zu verarbeiten und auszuwerten (Big Data/Hadoop), weite Bereiche der Wirtschaft grundlegend verändern. Davon erhofft sich auch die Wirtschaftspolitik enorme Wohlstandsgewinne für die gesamte Gesellschaft. Wer also die neuen Anwendungen clever mit etablierten Geschäftskomponenten verbinden kann, soll gefördert werden.

2014 brachte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel daher eine Neuauflage des Neuen Marktes ins Gespräch: Wo Wachstum winkt, könnten auch Privatanleger profitieren. Vielleicht sogar überdurchschnittlich. Eine verlockende Aussicht in einem Kapitalmarktumfeld, das von Niedrigzinsen geprägt ist.

Dabei hatte die Deutsche Börse als Betreiber der wichtigsten deutschen Handelsplattformen bereits 2007 ein Einstiegssegment für kleinere Unternehmen geschaffen. Über den Open Market sollten sie Zugang zu besonders risikobereiten Anlegern bekommen. Doch in der Öffentlichkeit wurde das Segment als Nachfolger des eingestellten Neuen Marktes wahrgenommen. Entsprechend führt der Open Market eher ein Schattendasein.

Seit Mitte 2015 geht die Deutsche Börse AG nun einen neuen Weg, um Technologie- und Wachstumsunternehmen mit Wagniskapital zusammenzubringen. Sie hat ein Netzwerk geschaffen: Das so genannte Venture Network funktioniert wie ein Club.

Investoren erhalten Zugang, wenn Sie hinreichende Markterfahrung und finanzielle Risikotragfähigkeit nachweisen können. Unerfahrene Privatanleger bleiben so außen vor.

Startups als Kapitalsuchende müssen belegen, dass sie schon verschiedene Finanzierungsrunden erfolgreich absolviert und einen Unternehmenswert von mindestens 20 Mio. Euro erlangt haben. Sie müssen mehr als 10 Mio. Euro im Jahr umsetzen, wobei die Wachstumsrate in den vorhergehenden 2 Jahren über 30 Prozent gelegen haben muss. Außerdem wird ein jährlicher Nettogewinn von über 500.000 Euro erwartet. Und wo man in einem klassischen Club den Bürgen braucht, um aufgenommen zu werden, verlangt das Venture Network der Deutschen Börse die Nominierung durch einen Lead Investor.

Die Fehler des Neuen Marktes werden vermieden, indem nur qualifizierte Partner zusammengebracht werden, erklärt Dr. Cord Gebhardt, als Leiter Primärmärkte mitverantwortlich für das Venture Network.

GeVestor Interview Cord Gebhardt

Zum nachlesen hier klicken

Nach einem halben Jahr bestand das Venture Network aus 52 kapitalsuchenden Unternehmen und 107 qualifizierten Investoren. Zu erwarten ist, dass die Nachfrage steigt.

Startup-Investmentkriterien: Diese Fragen sollten Sie sich vor der Anlage stellen:

Wie viel Geld kann ich zur Not abschreiben?

Wie groß/tragfähig ist der Markt des Startups?

Verstehe ich das Geschäftskonzept/Kann ich das Konzept nachvollziehen?

Welche Erfahrungen (Track Record) hat der Gründer?

Wer sind die Projektbegleiter, welche Expertise haben sie?

Welche Ausstiegsmöglichkeiten habe ich?

Erstellt von:
Marcus Schult, Felix Reinecke
Erstellt: 21.12.2015; Update: 12.02.2016


Boom oder Rezession? Egal . . .

Diese 3 Top-Aktien bieten 2016 Mega-Potenzial (sogar bei schwacher Wirtschaft)

Hier Klicken für Details ➜


Schnellzugriff GeVestor Themen

Sie gelangen mit Hilfe der unteren Buchstabenleiste schnell und direkt zu allen Themen auf GeVestor. Über das jeweilige Thema gelangen Sie zum passenden Artikel.