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Kapitalmarkt und Konjunktur 2016 – Bewältigen Sie die Mühen der (Hoch-)Ebene!

Gewinnchancen gibt es – aber auch spürbare Gefahren, sagen führende Volkswirte. GeVestor fragte sie nach den richtigen Strategien für Privatanleger.

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Diese 3 Top-Aktien bieten 2016
Mega-Potenzial (sogar bei schwacher Wirtschaft)

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Die Vorhersagen für das neue Börsenjahr sehen auf den ersten Blick gut aus. Nimmt man nur die Prognosewerte, dann wird 2016 ein Gewinnerjahr werden. Selbst die Pessimisten bei der UniCredit sehen den DAX über den Schlussständen zum Ende des Vorjahres. Die Optimisten bei Donner & Reuschel können sich sogar vorstellen, dass der deutsche Leitindex im Dezember 2016 die 13.000-Punkte-Marke erreicht.

Volatilität: Starke Schwankungen werden die Märkte prägen

Doch der Teufel steckt im Detail. Mit der Wirtschaft wird es zwar aufwärts gehen – da sind sich die Experten einig –, aber bei der Frage nach dem Ausmaß der Risiken scheiden sich die klugen Geister. Zu unsicher ist die Konkunkturentwicklung weltweit. Gerade die jüngsten Rückschläge am chinesischen Aktienmarkt haben Anleger verunsichert und daran erinnert, dass man auch im Reich der Mitte das Gleichgewicht verlieren kann – und mit ihm reichlich Geld.

Verdient hat im Jahr 2015 nur, wer starke Nerven bewies. Denn trotz der heftigen Rückschläge im Herbst beendete das Gros der chinesischen Titel an der Börse Shanghai mit einem durchschnittlichen Plus von 12,7 Prozent. Fraglich ist jedoch, ob sich das 2016 wiederholen lässt. Denn die Wachstumsprognosen für die chinesische Wirtschaft liegen etwa bei der Hälfte (Durchschnittswert: 6,4%).

Auch die anderen Hoffnungsträger der Weltkonjunktur – Brasilien, Russland oder Indien – sehen sich wirtschaftlich gebremst: teils durch politische Konflikte – innen wie außen –, teils durch den Preisverfall an den Rohstoffmärkten. Mit spürbaren Folgen für den Welthandel.

"Da ist die Luft raus.", meint Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank. Er und sein Team machen das nicht zuletzt an der weltweiten Stahlproduktion fest. Die war im vergangenen Jahr rückläufig. Zuletzt war das in den Rezessionsjahren 2007 bis 2009 der Fall. Insbesondere für Investoren, die auf Exportwerte setzen, ein Warnsignal. Zumal auch die europäischen Märkte in sehr unterschiedlicher Verfassung sind und mit der Zinserhöhung in den USA auch die Geldpolitik in den Industrienationen auseinanderdriftet.


Konjunktur Deutschland: Wie viel Schubkraft haben Konsumenten?

Umdenken ist daher angesagt. Konsens der Ökonomen ist, dass die Wachstumslokomotive "Export" in der Wartungshalle steht. Das legt einheimischen Investoren die Devise nahe: Bleibe im Lande und nähre dich redlich. Impulse dafür sehen viele zur Genüge.

Das Handelsblatt Research Institute unter Prof. Bert Rürup, dem ehemaligen Chef der Wirtschaftsweisen, nimmt zum Beispiel die Entwicklung der Nominallöhne als ein Indiz. Die weist seit gut 10 Jahren steil nach oben.



Und das Rürup-Team geht davon aus, dass ein Großteil der Lohnzuwächse auch wieder in die Läden getragen werden. So werde der private Konsum im kommenden Jahr zur wichtigsten Wachstumsstütze. Hinzu kommen Konsumausgaben des Staates. Nicht zuletzt der Zustrom von Flüchtlingen wird die Nachfrage der öffentlichen Hand hochhalten, schätzen Experten.



Allerdings ist das Fundament dieser Entwicklung rissig. Laut Deutscher Bundesbank und Statistischem Bundesamt geht das Wachstum mit einer rückläufigen Produktivität und Investitionszurückhaltung in den Unternehmen. Mit anderen Worten die deutsche Wirtschaft lebt von der Substanz. Für Anleger bedeutet das eine genaue Einzelwertbetrachtung, wenn sie das Potenzial eines Investments ausloten.

Grundsätzliche Konjunktursorgen hält Prof. Clemens Fuest jedoch für nicht angebracht. Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und künftige Chef des Münchner ifo-Instituts sieht die deutsche Wirtschaft vor einem tiefgreifenden Wandel.

Prof. Clemens Fuest im Interview - Eurozone und Konjunktur

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Wo Fuest Grenzen des Wachstums durch die Binnenwirtschaft sieht, sind die Ökonomen der KfW-Gruppe optimistischer. Ihr Chefvolkswirt, Dr. Jörg Zeuner, erwartet für das kommende Jahr das stärkste Realwachstum seit 5 Jahren. "From Zero to Hero" – von der Nullnummer zum Helden – habe sich der private Konsum gemausert. Und diese Entwicklung werde weitergehen. Zudem stehe die Bauwirtschaft vor einem immensen Nachfrageschub – nicht zuletzt durch die Flüchtlingswelle verstärkt: Die Zuwanderung vergrößere die Lücke im Wohnungsbau.


(Re-)Emerging Markets: Schaffen die Schwellenländer die Trendwende?

KfW-Volkswirt Zeuner ist generell zuversichtlich. Er sieht das Wachstum der Weltwirtschaft insgesamt nicht unter 3 Prozent fallen. Insofern hält er auch die Risiken für die deutsche Exportwirtschaft für überschaubar.

Jörg Zeuner im Interview - Euro und EM

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Die Zuversicht der KfW in Bezug auf die Schwellenländer mag überraschen. Denn wer in 2015 auf den MSCI Emerging Equities gesetzt hatte, verbuchte einen Renditeverlust von 10,4 Prozent. Aber auch andere Marktbeobachter sehen die ökonomische Talfahrt in den Schwellenländern überwiegend als beendet an.

Die Analysten von JP Morgan Asset Management erwarten für 2016 eine Bodenbildung. Dennoch erwarten Sie demnächst keine Luftsprünge in den Emerging Markets. Dafür haben sie einen bunten Mix an Gründen ausgemacht:



1. Niedrige Rohstoffpreise und die Zinserhöhung in den USA belasten die Attraktivität von Staatsanleihen in den Schwellenländern. Das erschwert die Kapitalbeschaffung für notwendige Wirtschaftsreformen

2. Das Wirtschaftswachstum wird mit durchschnittlich 3,7 Prozent nur geringfügig über dem der Weltwirtschaft insgesamt liegen.

3. Insbesondere China wird langsamer wachsen als in den vergangenen Jahren, weil sich die Volkswirtschaft von einer produktionsgetriebenen zu einer stärker dienstleistungsgeprägten verändert.

4. Der Spielraum der Notenbanken ist begrenzt, da der Wert des Geldes in Schwellenländern stärker als in der Vergangenheit von äußeren Effekten beeinflusst wird. Auch hier wirkt sich nicht zuletzt die Schwäche an den Rohstoffmärkten aus.



Diese Effekte können je nach Land unterschiedlich ausgeprägt sein. Volkswirte bescheinigen beispielsweise Indonesiens Wirtschaft eine solide Verfassung, und auch Indien steht nach Ansicht der Experten vergleichsweise gut da. Dort könnten sich die eingeleiteten Infrastrukturmaßnahmen ab dem kommenden Jahr auszahlen. Die Studie von J.P. Morgan können Sie hier lesen.

Rohstoffe: Nach dem Rausch kommt der Kater

Als Trend lässt sich ausmachen, dass vor allem die Schwellenländer riskant sind, die stark von der Rohstoffproduktion abhängen – Beispiele: Brasilien oder Venezuela. In Russland wird dieser Effekt durch hausgemachte Probleme (Krimkrise/Ukraine) noch überlagert.

Und Besserung ist nicht in Sicht. Die Nachfrage geht zurück, aber die Produktion läuft unvermindert weiter. Am offensichtlichsten ist das beim Öl. Die Rendite aus einer Investition in die Nordseesorte Brent fiel 2015 um 20,7 Prozent. Noch mehr Verlust macht man nur mit Kupfer (-28,4 Prozent). Die Goldrendite sank um 9,5 Prozent, hielt sich damit aber besser als der CoreCommodity CRB Index (-19,2 Prozent).

Ökonomisch ist es Unsinn, weiter zu produzieren, wenn die Kunden ausbleiben. Zumindest auf den ersten Blick. Aber insbesondere beim Öl hatte der stetige Preisanstieg in der Vergangenheit viele erfinderisch gemacht. Kostspielige Techniken wie Fracking wurden mit einem Mal rentabel – und eröffneten Möglichkeiten, von den hohen Marktpreisen zu profitieren. Das rief neue Anbieter auf den Plan und ließ neue Anlagen entstehen.

Dank niedriger Zinsen wurden die meisten davon kreditfinanziert. Diese Kredite müssen jetzt abgezahlt werden. Das geht aber nicht, ohne weiter zu produzieren. Als wird unverdrossen Öl in den Weltmarkt gepumpt. Zum Jahresende 2015 lag der Ölpreis daher zeitweise deutlich unter 40 Dollar pro Fass. Und in den Banken rechnet man nicht damit, dass sich das Niveau übermäßig verändert. Aber immerhin rechnen die Volkswirte mit einer leichten Preiserholung. Nimmt man den Durchschnittswert der meisten Banken, erwarten die Analysten für 2016 einen Ölpreis von 54 Dollar pro Fass.

Für David F. Milleker ist das keine Überraschung. Der Chefvolkswirt von Union Investment sieht einen langfristigen Trend bei der Entwicklung der Rohstoffpreise.

David Milleker im Interview - Bedeutung der Rohstoffe

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Warum aber können deutsche Haushalte kaum Energiekosten sparen, wenn sie an den Rohstoffmärkten schon kaum Geld verdienen können? Energieversorger wie RWE begründen das regelmäßig mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien. Der kostet Geld, bringt den Investoren wegen der niedrigen Zinsen in Deutschland aber eine vergleichsweise geringe Rendite – zumal die Betreiber konventionelle Anlage weiter betreiben, um die Versorgung zu sichern.


Das (Niedrig-)Zinsdilemma: Wenn Währungshüter zu Wirtschaftslenkern werden

Die Strategien der Zentralbanken werden somit zum bestimmenden Faktor für die Konjunkturentwicklung. Und der Blick der Experten richtet sich dabei vor allem auf die EZB. Denn die jüngsten Zinserhöhung in den USA war von langer Hand vorbereitet. Wer mehr Geld für sein Kapital haben wollte, hatte längst in den US-Markt umgeschichtet. An den Börsen spricht man von einer "eingepreisten" Entwicklung. Anleger können also nur begrenzt von der größer gewordenen Zinsspanne zwischen den USA und dem Euro-Raum profitieren.

Dafür aber locken die Folgen des Quantitative Easing (QE) in der Alten Welt. Mit dem unbegrenzten Wertpapierankauf pumpt die EZB unvermindert Geld in die Eurozone. Und die Geschäftsbanken reichen es laut Statistik verstärkt an Kreditnehmer weiter.



Und noch einen Effekt sehen Volkswirte durch die Draghi-Politik: Die Volkswirtschaften der Euroländer gleichen sich wieder an. Der Euro wird billiger. Das erleichtert auch den wirtschaftlich angeschlagenen Euro-Staaten den Außenhandel, Defizite in Leistungs- und Handelsbilanzen werden abgebaut. Die Wirtschaft im Euro-Raum insgesamt erholt sich.


Also doch: Die Wirtschaft wächst weiter

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Diesen Kurs halten auch kritische EZB-Beobachter wie der scheidende ifo-Chef, Prof. Hans-Werner Sinn, für richtig. Er hatte die Frankfurter Währungshüter 2015 zwar wiederholt wegen deren Griechenland-Strategie gegeißelt. Aber beim QE könne er nichts Falsches entdecken. Dabei zeigt er sich von der Diskussion um den Euro-Kurs und der Möglichkeit einer bevorstehenden Parität zum Dollar ungerührt. Diese Prognose war vom Chief Investment Officer der Deutschen Bank, Dr. Ulrich Stephan, aufgestellt worden.

Prof. Hans-Werner Sinn im Interview - Inflation und Zinsen

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Offen ist allerdings, wie lange die Zentralbanken noch maßgebliche Wachstumsimpulse geben können. Nach Schätzungen des Vermögensverwalters BlackRock und Citi Research gerät die globale Liquiditätspumpe ins Stocken.



Die jüngste Zinserhöhung in den USA wurde mit einer deutlich verbesserten Lage am US-Arbeitsmarkt und somit einer tragfähigen wirtschaftlichen Erholung begründet. Und auch in Europa zeigt sich Zuversicht. Während die Chefeinkäufer der Unternehmen in den Vereinigten Staaten und in China eher zur Zurückhaltung neigen, steigt die Stimmung bei deren europäischen Kollegen.



Was tun? Auch 2016 wird kein Jahr für passive Anleger

Das Umfeld für die Geldanlage bleibt wechselhaft. Und so geben sich auch die obersten Investmentstrategen in den Banken eher vorsichtig in ihren Empfehlungen. Entscheidend sei ein "gut ausbalancierter" Risikomix. Anleger stehen vor der Herausforderung, ihren Mix immer wieder im Gleichgewicht zu halten. Zu anfällig ist die Weltwirtschaft für externe Störungen. Geopolitische Krisen oder Ereignisse wie der China-Crash können unmittelbar und kräftig ins Kontor schlagen.

Worauf die Anleger 2016 aber hoffen können, ist, dass sie das gleiche Wechselbad der Risiken (risk on/risk off) erleben wie im Vorjahr, sagt Prof. Michael Heise, der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe – laut Süddeutscher Zeitung der Ökonom mit den zur Zeit präszisesten Prognosen. Heise mahnt allerdings, die Unwägbarkeiten aufmerksam im Blick zu behalten. Zumal die erhöhte Regulierung der Finanzmärkte auch bei den Endkunden – also den Privatanlegern – den Kostendruck verstärkt.

Prof. Michael Heise im Interview - Finanzmärkte und Regulierung

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So führt auch 2016 am Aktienmarkt kein Weg vorbei. Investmentprofis werden dabei überwiegend europäische Titel bevorzugen, denn hier sehen die meisten Vermögensverwalter größeres Aufholpotenzial zu den USA. Die Vermögensverwaltung BlackRock hat dafür 5 Argumente:



1. Geldpolitik in Europa wird expansiver als in den USA

2. Europa erhält einen Wachstumsimpuls vom schwächeren EUR/USD Wechselkurs

3. Europas Industrie befindet sich im Aufholmodus nachder Eurokrise

4. Europa schaltet um von fiskalischer Austerität auf fiskalische Expansion

5. Der niedrige Ö̈lpreis ist in Europa ein Segen, in den USA Last



Bei der Beurteilung der Titel sollten Anleger allerdings genauer schauen, woher die Erträge der Unternehmen stammen – ein klarer Hinweis für die Nachhaltigkeit eines Investments, der auch Anlagen in Japan – und einigen südostasiatischen Werten – attraktiv erscheinen lässt.



Doch alle Attraktivität einzelner Unternehmen schützt nicht vor den Schwankungen des Gesamtmarktes. Das färbt auch auf den Derivatemarkt ab. Einem Markt, der nach Ansicht des Deutschen Derivateverbands und seines Geschäftsführers Lars Brandau insbesondere für die Beimischungen, also ergänzende Investments, wichtig bleibt.

Lars Brandau im Interview - Derivate

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Fazit:

Das Konjunktur- und Anlageumfeld bleibt auch 2016 sehr komplex. Geopolitik und unerwartete Ereignisse im Finanzsystem können schnell für Dellen in der Wachstumskurve sorgen. Chancen hat vor allem der agile Anleger, der die Entwicklungen aufmerksam beobachtet und unterschiedliche Anlageklassen kombiniert (Multi Asset).

Enstprechend sehen die Kernannahmen der Vermögensverwaltung BlackRock in Deutschland aus:


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Erstellt von:
David Gerginov, Tomasz Leipras, Marcus Schult
Stand: 30.12.2015

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