Alcoa-Zahlen sind kein guter Konjunktur-Indikator

Morrien‘s Schlussgong
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Das kommt selten vor:
Die Börsianer blickten heute nach Karlsruhe zum Bundesverfassungsgericht.
Die Richter sollten im Eil-Verfahren klären, ob Klagen gegen den Euro-Rettungsschirm zulässig sind.
Falls das der Fall ist, könnten die Kompromisse des EU-Krisen-Gipfels wertlos sein.
Nach einer Berg- und Talfahrt legte der DAX um knapp 0,8% zu und stieg auf 6.438 Punkte. In Karlsruhe wurde zwar noch keine Entscheidung getroffen, doch einige Beobachter wollen eine Tendenz erkannt haben:
Der Rettungsschirm wird nicht gestoppt, die Kläger sollen aber auch nicht wie Verlierer aussehen. Wahrscheinlich gibt es nur eine Art „Verwarnung“ für die Politiker. Aber wie gesagt: Das sind nur erste Interpretationsversuche.
Kommen wir daher zu den harten Fakten. Seit gestern gibt es wieder echte Unternehmensmeldungen. Die Zeit der Gewinnprognosen ist vorbei.
Der Zahlenreigen beginnt
Vier Mal im Jahr kommt dem US-Aluminiumhersteller Alcoa die Ehre zu, die „Earnings Season“, also die Saison der Quartals-Zahlen, zu eröffnen.
Dabei werden die Quartalszahlen des Unternehmens häufig auch als ein Gradmesser für die US-Wirtschaft genommen, da Aluminium in vielen Industrien häufigen Einsatz findet.
Allerdings dürfte die Bedeutung der Alcoa-Zahlen zumindest in dieser Hinsicht ein wenig an Aussagekraft verloren haben, da es speziell bei Alcoa in der Vergangenheit viele Sondereffekte zu verzeichnen gab und sich die Weltwirtschaft nicht im Gleichschritt entwickelt.
Euro-Krise belastet Unternehmensgewinne
Auch bei der neuesten Runde der Quartalsberichte großer US-Unternehmen können wir uns darauf einstellen, dass es aufgrund der europäischen Probleme negative Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne gegeben hat.
Dabei wird von Analysten bei den Gewinnen der S&P-500-Unternehmen im Schnitt ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 1 Prozent erwartet. Dies würde den ersten Rückgang seit 2009 bedeuten und wäre nicht verwunderlich.
Dafür sprechen beispielsweise die vielen Gewinnwarnungen der Unternehmen.
Laut der Nachrichtenagentur AP senkten bereits 94 Firmen ihre Gewinnprognosen, darunter große Konzerne wie McDonald’s, Cisco, Philip Morris, Starbucks, Ford, Procter & Gamble und FedEx, während lediglich 26 Unternehmen ihre Einschätzungen anhoben.
Alcoa schlägt ein weiteres Mal die Erwartungen
Gestern nach Börsenschluss eröffnete Alcoa mit seinen Zahlen für das zweite Geschäftsquartal des Jahres die „Earnings Season“. Dabei konnte das US-Unternehmen, ähnlich wie schon im ersten Quartal, die Erwartungen der Analysten übertreffen.
Alcoa musste im zweiten Quartal, vor allem aufgrund sinkender Aluminiumpreise, einen kleinen Verlust von 2 Mio. US-Dollar hinnehmen. Im Vorjahr stand in der gleichen Zeit noch ein Gewinn von 322 Mio. US-Dollar bzw. 28 Cents je Aktie zu Buche.
Jedoch wurde beim um Einmaleffekte bereinigten Gewinn ein positiver Wert von 61 Mio. US-Dollar bzw. 6 Cents je Aktie ausgewiesen. Analysten hatten zuvor im Schnitt einen „bereinigten“ Gewinn von 5 Cents erwartet.
Auch beim Quartalsumsatz wurden die Erwartungen der Analysten geschlagen. Dabei verringerte sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr von 6,58 Mrd. US-Dollar auf nun 5,96 Mrd. US-Dollar. Der Umsatz blieb aber über den durchschnittlichen Analystenschätzungen von 5,81 Mrd. US-Dollar.
Alcoa konnte dabei, laut dem deutschen Konzernchef Klaus Kleinfeld, von einer weiterhin hohen Nachfrage nach Aluminium profitieren, womit auch der sinkende Preis teilweise wettgemacht werden konnte. So fragten besonders die Autoindustrie und die Flugzeugbauer das Metall stärker als vorab erwartet nach.
Zahlen als Konjunktur-Indikator problematisch
Aufgrund der möglichen Rückschlüsse auf die Wirtschaft wird bei den Alcoa-Zahlen immer gespannt auf das unternehmensseitig prognostizierte Wachstum der Aluminiumnachfrage geschaut.
Alcoa blieb bei seiner bisherigen Einschätzung, dass die weltweite Nachfrage im laufenden Jahr um 7 Prozent wachsen würde. Was heißt das nun für uns Anleger? Hat dies Aussagekraft? Ich denke eher nicht.
Denn die Alcoa-Zahlen und vor allem deren Aussagekraft zum Thema Konjunkturentwicklung sind mit Vorsicht zu genießen. So gilt es zu beachten, dass Alcoa seine Gewinne auf der gesamten Welt einfährt.
Damit ist es schwierig, Aussagen über die wirtschaftliche Entwicklung in den USA oder Europa zu treffen, wenn gleichzeitig das Wirtschaftswachstum in China zum Erfolg einiger Aluminiumhersteller beigetragen hat.
Die Alcoa-Daten waren in der Vergangenheit sicherlich ein guter Gradmesser für die weltweite Konjunktur, da sich die einzelnen Volkswirtschaften im Gleichklang entwickelten. Jedoch konnten wir in den vergangenen Jahren beobachten, dass sich Länder wie China nicht mehr im Gleichklang mit den USA oder Europa entwickeln.
Börse hat nach unten übertrieben
Fazit: Die Alcoa-Zahlen waren ein solider Auftakt der Quartals-Saison. Lassen wir uns überraschen, wie es weitergeht. Ein Gewinnwachstum wird für die Unternehmen schwierig zu erreichen sein.
Allerdings gibt es auch eine positive Seite: An der Börse werden viele Unternehmen so bewertet, als ob der Gewinn um 30% oder mehr einbrechen würde. Eine solcher Durchschnitts-Wert ist trotz aller Schwächen aktuell nicht in Sicht.



