Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Als der Zauberstab keine Ladungen mehr hatte – Teil 1

Die Börsenwelt blickt heute und noch mehr Morgen Abend nach Amerika:

Die US-Notenbank beginnt eine zweitägige Sitzung, an deren Ende am Donnerstagabend eine Abstimmung der Mitglieder über eine mögliche Änderung der Geldpolitik steht. Ich möchte Sie im Vorfeld für die Brisanz einer solchen Zinsentscheidung sensibilisieren.

Dazu blicken wir einmal auf die von der Federal Reserve Bank (FED; US-Notenbank) in den vergangenen Jahren ergriffenen Maßnahmen und die daraus resultierenden Auswirkungen zurück.

Ausgangspunkt Finanzkrise

Im Zuge der Finanzkrise stufte die amerikanische Zentralbank den Leitzins, die sogenannte FED Funds Rate, von 5,25% im September 2007 innerhalb von 15 Monaten in 10 Etappen auf 0,25% herunter.

Der nachfolgende Chart zeigt diese vom damaligen Notenbank-Chef Ben Bernanke initiierte, geradezu dramatische Aktion:

historische entwicklung us-leitzins-16-09-2015

Historische Entwicklung US-Leitzins: Dramatische Zinssenkung im Jahr 2008

Wie in der Grafik zu sehen, wurde der Leitzins seit jenem Jahr 2008 nicht mehr verändert. Es ist somit der längste Niedrigzins-Zyklus seit mindestens 1976 (bis dahin reichen meine Daten zurück). Ganz sicher jedoch war das Zinsniveau in den letzten 7 Jahren noch nie derart niedrig!

Als der Zauberstab keine Ladungen mehr hatte

Bekanntlich war und ist der Leitzins das mächtigste Instrument einer Notenbank, um die Geldpolitik seines Landes zu steuern.

Wenn die Möglichkeiten dieses Instrumentes erschöpft sind, müssen andere Maßnahmen her, um noch irgendwie Einfluss nehmen zu können:

Daher ersann Ben Bernanke das Quantitative Easing (QE): Die Flutung der US-Finanzmärkte mit Liquidität.

Nette Anekdote: Bernanke hatte den Spitznamen „Helikopter-Ben“. Er hatte früher einmal gesagt, im Falle einer Finanzkrise würde er per Hubschrauber Geldpakete auf die Finanzmärkte abwerfen. Diesem Spitznamen wurde er dann tatsächlich voll und ganz gerecht:

Quantitative Easing, Stufe 1

Schon Ende November 2008 kündigte die FED an, ab Dezember desselben Jahres für 600 Mrd. USD durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere (sogenannte Mortgage Backed Securities; MBS) aufzukaufen.

Im März 2009 wurde das Kaufprogramm um zusätzliche 1.050 (!) Mrd. USD aufgestockt: 750 Mrd. USD zum Erwerb von MBS und 300 Mrd. USD zum Kauf von US-Staatsanleihen.

Kumulierte Gesamtsumme: 1.650 Mrd. USD

Quantitative Easing, Stufe 2

Zwischen November 2010 und Juni 2011 wurde ein zweite Stimulations-Paket geschnürt: Diesmal wurden für monatlich 75 Mrd. USD – insgesamt also 600 Mrd. USD – langfristige US-Staatsanleihen vom Markt genommen.

Kumulierte Gesamtsumme: 2.250 Mrd. USD

Operation Twist

Diesmal kaufte die US-Notenbank für 400 Mrd. USD amerikanische Staatsanleihen mit Laufzeiten von 6 bis 30 Jahren und verkaufte gleichzeitig Anleihen mit einer Laufzeit von weniger als 3 Jahren im gleichen Umfang.

Sinn der Aktion: Die durchschnittliche Laufzeit des eigenen Portfolios wurde prolongiert. Auf diese Weise sollte eine Reduzierung der Langfristzinsen erreicht werden, um letztlich Kredite tendenziell weiter zu verbilligen.

Kumulierte Gesamtsumme: 2.250 Mrd. USD

Quantitative Easing, Stufe 3

Von September 2012 bis Oktober 2014 folgte die dritte und bis dato letzte QE-Maßnahme: Pro Monat wurden für 40 Mrd. USD hypothekenbesicherte Wertpapiere und für 45 Mrd. USD langfristige US-Staatsanleihen erworben.

Als sozusagen letzte Amtshandlung leitete Ben Bernanke das Ende von QE ein, indem die monatlichen Käufe, beginnend ab Januar 2014, bis Oktober 2014 auf nur noch 10 Mrd. USD reduziert wurden. Das heißt:

27 x 85 = 2.295 Mrd. USD (2012 und 2013) + geschätzte 485 Mrd. USD in 2014 macht 2.780 Mrd. USD

Kumulierte Gesamtsumme: 5.030 Mrd. USD

Zusammengefasst hat die US-Notenbank in den vergangenen knapp 7 Jahren also nicht nur eine quasi Nullzinspolitik betrieben, sondern zusätzlich die Märkte mit rund 5 Billionen US-Dollar geflutet.

Morgen sprechen wir über die Hintergründe und Auswirkungen dieser Maßnahmen.

16. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben!

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt