Angst vor Inflation: Geldvermögen wird in Sachwerte umgewandelt

Morrien‘s Schlussgong
Der Börsenrück- und Ausblick von Deutschlands Depot-Optimierer Nr. 1: Rolf Morrien. Der kostenlose E-Mail-Newsletter „Morriens Schlussgong“ berichtet täglich von den jüngsten Entwicklungen der Börsen - mit Handlungsempfehlung für den nächsten Tag.
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Auch am heutigen Freitag erhalten Sie im Schlussgong ein aktuelles Interview mit Rolf Morrien.
Rolf Morrien ist Chefredakteur der Börsendienste „Der Depot-Optimierer“ und „Morriens Power-Depot“.
GeVestor-Redaktion: Herr Morrien, das Interview vor einer Woche beendeten Sie mit den Worten, dass 2012 das Jahr der Übernahmen wird. Können Sie Belege für diese Aussage liefern?
Rolf Morrien: Ja, natürlich. Sie müssen nur die Wirtschaftsseiten der Tageszeitungen aufschlagen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es im Juli einen einzigen Börsentag ohne Übernahme-Angebot gab.
Die Serie ist fast schon unheimlich. Betrachten Sie den im globalen Maßstab relativ kleinen Übernahme-Markt in Deutschland. Im Juli wurden Übernahme-Angebote für WMF, Bechstein, Cinemaxx und Rücker vorgelegt. Zusätzlich hat Andritz das schriftliche Übernahme-Angebot für die Schuler AG veröffentlicht.
Und der Monat ist noch nicht zu Ende. Jeden Morgen schaue ich auf den Nachrichten-Ticker und kontrolliere, wer als nächstes vom Markt verschwindet.
GeVestor-Redaktion: Die Marken WMF oder Bechstein sind bekannt. Die jeweiligen Unternehmen stehen jedoch weniger im Blickpunkt. Geht daher das Thema Übernahmen in den Massenmedien etwas unter?
Rolf Morrien: Richtig, auf die Titelseite schaffen es nur die großen Deals. Das konnten Sie gut am vergangenen Dienstag beobachten. Fast jede Tageszeitung brachte auf Seite 1 groß die Meldung, dass der chinesische Ölkonzern CNOOC das kanadische Unternehmen Nexen für üppige 17 Mrd. Dollar übernehmen will.
Dieser Deal ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien: Es ist ein Milliarden-Deal und zusätzlich ist es pikant, dass China riesige Rohstoffvorkommen in Nordamerika erwerben will.
GeVestor-Redaktion: Solche Übernahmen sind in Deutschland bisher nicht aufgetaucht. Ist der Markt nicht interessant genug?
Rolf Morrien: China sitzt auf einer prall gefüllten Kasse und sichert sich Rohstoff-Reserven für die eigene Wirtschaft. Da Deutschland nicht zu den großen Rohstoff-Nationen gehört, stehen wir auch nicht im Fokus. Eine Ausnahme erwarte ich allerdings:
Der Salz- und Düngemittelproduzent K+S investiert sehr stark in Kanada und wird ab 2015 zu den größten Herstellern gehören. Da Dünger strategisch sehr wichtig ist und K+S über keinen schützenden Großaktionär verfügt, dürfte das Unternehmen spätestens in 3 Jahren ganz oben auf der Einkaufsliste der Chinesen oder der Rohstoff-Giganten wie BHP Billiton, Rio Tinto oder Vale stehen.
Für den DAX wäre eine K+S-Übernahme ein Verlust, weil dann der Branchenmix im deutschen Leitindex einseitiger wird.
GeVestor-Redaktion: Gibt es noch mehr Gründe, warum das Thema Übernahmen in Deutschland noch nicht so verbreitet ist?
Rolf Morrien: Das Thema Übernahmen hat in Deutschland noch immer einen gewissen Beigeschmack. In der Boomphase 1999/2000 wurde das Geld verprasst. Junge Unternehmen gingen an die Börse, sammelten riesige Summen ein und begannen dann oft ohne Sinn und Verstand eine Einkaufs-Tour.
Einige Manager dachten wohl, das sei nur Monopoly-Geld. Auch die Größenordnungen waren völlig irreal. In der größten deutsche Übernahmeschlacht hat Vodafone erst 100 Mrd. Euro für Mannesmann geboten und ist dann auf fast 200 Mrd. Euro hochgegangen. Absolute Mondpreise. Das ist heute zum Glück anders.
GeVestor-Redaktion: Agieren die Käufer heute vernünftiger?
Rolf Morrien: In 9 von 10 Fällen lautet die klare Antwort: Ja! Es gibt Ausnahmen, so werden zum Beispiel in der Softwarebranche extrem hohe Preise für Cloud-Unternehmen gezahlt, aber in den anderen Branchen ist fast immer ein gesunder Realismus zu beobachten.
GeVestor-Redaktion: Können Sie ein Beispiel nennen?
Rolf Morrien: Ja. Im „Power-Depot“ habe ich im Januar die Schuler-Aktie empfohlen. Der weltweit größte Hersteller von Pressen wurde an der Börse fast verschenkt.
Damals hat die Aktie nur gut 11 Euro gekostet. Nur 5 Monate später hat der österreichische Anlagenbauer Andritz ein Übernahmeangebot in Höhe von 20 Euro je Aktie präsentiert.
Das ist eine Win-Win-Situation. Die Power-Depot-Leser können sich über knapp 80% Gewinn freuen und Andritz bekommt einen Weltmarktführer für einen sehr günstigen Preis.
Konkret: Für 600 Mio. Euro erhält Andritz einen profitablen Marktführer mit 1,2 Mrd. Euro Jahresumsatz, der im Wachstumsmarkt Asien sehr gut positioniert ist und Top-Kunden wie BMW mit in die Ehe bringt.
Die Analysten der Bank Berenberg gehen davon aus, dass die Schuler-Übernahme Andritz einen Umsatzschub in Höhe von 24% und eine Steigerung des operativen Gewinns um 35% bringt. Andritz hat sich darauf spezialisiert, in schwachen Phasen auf Schnäppchenjagd zu gehen.
GeVestor-Redaktion: Sind aktuell nur Schnäppchenjäger wie Andritz unterwegs?
Rolf Morrien: Nein, ich beobachte aktuell bei Übernahmen 3 unterschiedliche Gruppen auf der Käufer-Seite:
1) Die Unternehmen, die die niedrigen Börsenkurse zum Einstieg nutzen; also die oben genannten Schnäppchenjäger.
2) Die strategischen Käufer, die sich Patente oder Rohstoffe sichern wollen. Dazu gehört der CNOOC-Nexen-Deal.
3) Und die Investoren, die Inflations-Verluste befürchten und daher das Geldvermögen in Sachwerte umtauschen.
GeVestor-Reaktion: Beispiele für die ersten beiden Fälle haben Sie bereits genannt, Herr Morrien. Haben Sie auch ein Beispiel für den dritten Fall zur Hand?
Rolf Morrien: Der Düsseldorfer Industrie-Konzern SMS gehört seit einiger Zeit in Deutschland zu den Käufern. Erst der Einstieg beim Maschinenbauer Elexis, jetzt der Mehrheitskauf des Hochofenbauers Paul Wurth. Die Kauf-Begründung von SMS:
strategische Erweiterung der Geschäftsaktivitäten und finanzielle Umschichtungen, da SMS rund 2 Mrd. Euro Cash in der Firmenkasse liegen hat. SMS-Chef Weiss wurde in der Financial Times Deutschland wie folgt zitiert: „Angesichts wachsender Inflationsgefahren investieren wir lieber in industrielle Substanz“.
Die cleveren Investoren nutzen das niedrige Preisniveau, um Geldvermögen in Unternehmen zu tauschen. Ähnliche Motive sehen Sie auch in China. China hortet riesige Dollar-Bestände.
Der Dollar ist aber auch nur eine schwache Papierwährung. Daher kann ich es gut verstehen, wenn China die Dollar-Bestände in Öl und andere Rohstoffe umtauscht.
GeVestor-Redaktion: Die 3 Kauf-Argumente klingen überzeugend. Das spricht für viele weitere Übernahmen. Wie können Privatanleger davon profitieren?
Rolf Morrien: Dafür gibt es die passenden Börsendienste, die diesen Markt beobachten und auswerten. Im Depot-Optimierer setzen wir schon seit vielen Jahren auf strategische Übernahme-Kandidaten wie P&I, MAN, Renk oder auch WMF.
Daraus entwickelte sich auch der Börsendienst „Der Übernahme-Gewinner“, der ausschließlich auf Übernahmen setzt. Im Power-Depot decken Übernahme-Kandidaten und Insider-Deals einen großen Teil des Aktien- und Chancen-Depots ab.



