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Barrick Gold: Kupfer inzwischen die bessere Investition?

Vor gut 6 Wochen am 10. März hatte ich Ihnen darüber berichtet, dass der schnell wachsende Kupferproduzent Equinox Minerals bald selbst das Ziel einer Übernahme werden könnte.

In der Zwischenzeit hat sich meine Einschätzung bestätigt, doch es ist nicht wie zunächst zu erwarten war ein großer Kupferproduzent, der nach Equinox Minerals seine Hand ausstreckt, sondern der weltweit führende Goldproduzent Barrick Gold.

Barrick Gold: Ist Kupfer in Zukunft das bessere Gold?

Es ist ganz gewiss keine Übernahme wie jede andere, sondern eine mit Signalwirkung: Barrick Gold, der weltweit führende Goldproduzent, wird Equinox Minerals übernehmen.

Damit deutet sich nicht nur für Barrick Gold selbst ein klarer Strategiewechsel an, denn Equinox Minerals ist kein primärer Goldproduzent, sondern ein mittelgroßes auf den Kupferbergbau spezialisiertes Unternehmen. Auch für die gesamte Goldbranche wird diese Übernahme eine Signalwirkung haben.

In den vergangenen Jahren ist Equinox durch eigene Übernahmen sehr schnell gewachsen. Dass dieses Unternehmen selbst nun zu einem Übernahmeziel wird, kommt nicht unerwartet. Schon eher überrascht, dass es kein klassischer Kupferproduzent oder ein großer Mischkonzern mit Kupferschwerpunkt wie Rio Tinto ist, der Equinox übernimmt, sondern ein bislang reinrassiger Goldkonzern.

Gegenüber anderen großen Bergbaukonzernen wurden die reinen Goldproduzenten an der Börse in der Vergangenheit immer mit einem gewissen Aufschlag gehandelt. Diese Zeiten scheinen nun zu Ende zu gehen, denn für immer mehr klassische Goldproduzenten werden die neben dem Gold geförderten Beiprodukte, allen voran Kupfer und Silber, immer wichtiger.

Börse gibt reinrassigen Goldproduzenten keinen Bonus mehr

Das veranlasst nicht nur die Börse dazu den bislang gewährten Aufschlag für die ausschließliche Goldproduktion zurückzunehmen. Es deutet sich in der Goldbranche schon seit einiger Zeit ein Strategiewechsel an, der durch den jüngsten Schritt von Barrick Gold nun an Gewicht und Dynamik gewinnt.

Geologisch war es schon immer so, dass auch bei reinrassigen Goldproduzenten neben dem Gold auch andere Metalle gefördert wurden. Besonders jene Erzkörper, welche Kupfer-Gold-Porphyre enthalten, waren schon immer reich an Beiprodukten.

Doch vor dem Hintergrund der geringeren Preise für Silber, Kupfer und andere Industriemetalle spielten die Beiprodukte lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle.

Inzwischen hat nicht nur das Silber relativ zum Goldpreis stark aufgewertet. Auch Kupfer ist mit Preisen um 10.000 US Dollar je Tonne deutlich teurer als in der Vergangenheit. Entsprechend hoch sind die Deckungsbeiträge, die diese beiden Beiprodukte heute schon liefern.

Beiprodukte werden immer wichtiger

Hat sich ein Goldkonzern früher bei seinen Aktionären fast dafür entschuldigt, dass er nebenbei auch noch etwas Kupfer oder Silber gefördert hat, so sind beide Metalle heute zu wichtigen Rechnungsgrößen aufgestiegen. Ihnen ist nicht nur die Aufmerksamkeit des Managements sicher, sondern auch die der Analysten und Anleger.

Das führt in einer ersten Veränderung dazu, dass die Erträge aus den Nebenprodukten bei der Bewertung einer Lagerstätte nicht mehr vernachlässigt werden. Auch ohne gezielte Zukäufe in anderen Sektoren verschieben sich die primären Goldkonzerne in der Wahrnehmung der Investoren deshalb langsam in Richtung Mischkonzern.

Die nun von Barrick Gold angestrebte Übernahme hat jedoch eine andere Qualität, denn obwohl auch in den Kupferlagerstätten von Equinox Gold anzutreffen ist, wird Equinox dennoch primär als Kupfer- und nicht als Goldproduzent gesehen, denn der Kupferanteil überwiegt eindeutig. Neben Gold sind in den Equinox Minen auch Kobalt und Uran vorhanden, sie fallen in der Gesamtbewertung jedoch nicht ins Gewicht.

Kupfer wird für Barrick Gold zum zweiten Standbein

Barrick Gold kauft mit Equinox einen der 20 größten Kupferproduzenten der Welt zu. Das ist ein klares Novum und es markiert eine Änderung der Strategie: Konzentration auf das Gold war gestern; Diversifikation und ein breit aufgestellter Produktionsmix scheint das Zauberwort für die Zukunft zu sein.

Bei der Vorstellung der Übernahme sprach Barricks CEO Aaron Regent deshalb auch davon, dass Equinox nicht nur einen guten Wert darstelle, der sonst möglicherweise an die Chinesen gefallen wäre. Weil das Goldpotential in den Equinox Lagerstätten begrenzt ist, wies Aaron Regent deshalb darauf hin, dass es Barrick strategisches Ziel sei steigende Gold- und Kupferreserven auszuweisen.

Auch werde der Goldanteil, den ein Investor mit jeder Barrick Aktie erwerbe, durch den Zukauf nicht verwässert. Vielmehr schaffe die Akquisition im Umfeld des starken Kupferpreises weiteres Potential.

In diesem Zusammenhang wies Regent darauf hin, dass zusammen mit der Zaldivar Mine und dem Cerro Casale Projekt in Chile Barrick nun über signifikantes Wachstumspotential in zwei der aussichtsreichsten Kupferregionen der Welt verfüge.

An seinem Ziel, die eigene Goldproduktion innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 9 Mio. Unzen zu steigern, hält Barrick auch weiterhin fest. Der Zukauf von Equinox zeigt aber, dass es auch für die ganz großen der Branche immer schwieriger wird genügend reinrassige Goldprojekte zu finden.

Der Schritt in den Kupfermarkt folgt deshalb zum Teil auch der geologischen Not: Die großen, einfach zu findenden Goldvorkommen sind bereits entdeckt und zunehmend erschöpft.

Für die Goldproduktion in den nächsten Jahrzehnten verheißt das nichts gutes, für den Goldpreis könnte sich daraus jedoch eine veritable Stütze ergeben, denn es wird zunehmend schwieriger neues Gold auf den Markt zu bringen.

6. Mai 2011

Von: David Gerginov. Über den Autor

Die Welt der Finanzen und der Politik hat David Gerginov von jeher fasziniert. Aber auch das Weitergeben von wichtigen Informationen und Hintergrundwissen ist ihm wichtig. Mit seinen Beiträgen möchte er Lesern wichtige Fakten vermitteln und bei der Vertiefung des eigenen Wissens helfen.