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BASF-Aktie verschwindet vom Kurszettel

An den internationalen Aktienmärkten geht heute der große Ausverkauf vom Vortag verstärkt weiter. Negativen Vorgaben aus Asien folgten am Nachmittag die schlechten US-Handelsbilanz-Daten und schickten die führenden Börsen weltweit auf Talfahrt.

Der DAX gehört auch zu den Verlierern und schließt im Sog schlechter Nachrichten mit 2% schwächer bei 6.158 Punkten. Bei der Kontrolle meiner DAX-Liste folgte dann direkt der nächste Schock. Die BASF-Aktie war vom Kurszettel verschwunden.

Es war zwar ein miserabler Börsentag, aber er war nicht so schlecht, dass der größte Chemie-Konzern der Welt auf einmal verschwindet.

Änderung bei BASF über Nacht

0 Treffer hieß es bei der Eingabe der BASF-Wertpapierkennnummer (WKN) auf einer führenden Internet-Börsenseite. So schlecht waren die Zahlen zum zweiten Quartal doch gar nicht, dachte ich und überprüfte die Eingabe.

Doch tatsächlich, die Eingabe war richtig und die Internetseite verweigerte mir Kurs und Informationen zur BASF-Aktie.

Wurde BASF über Nacht von Finanzinvestoren übernommen und von der Börse genommen? Glücklicherweise nicht. Ursache war eine Änderung der Aktienart und damit verbunden die Änderung der WKN.


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Seit Anfang August notiert BASF nicht mehr unter der bekannten WKN 515100, sondern neu unter BASF11.

Neue Aktienart ermöglicht Zuordnung der Aktionäre

Die Aktienart ändert sich von „auf den Inhaber lautenden“ Stückaktien in „auf den Namen lautende“ Stückaktien. Falls Sie Aktionär von BASF sind, brauchen Sie nichts zu unternehmen.

Die Umstellung erfolgt kostenfrei und wird automatisch von der Depotbank veranlasst. Selbstverständlich entsteht den Aktionären auch kein rechtlicher oder finanzieller Nachteil.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, warum BASF mit der alten Aktienform nicht mehr zufrieden war. Der Grund ist: Bei der Namens-Aktie sind die Aktionäre einer Aktiengesellschaft im Aktienregister eingetragen. Damit kennt BASF in Zukunft alle Aktionäre und weiß stets darüber Bescheid, wer die BASF-Aktien hält. Vorher war eine direkte Zuordnung aller Aktionäre nur sehr schwer möglich.

Feindliche Übernahme leichter erkennbar

Das Motiv für die Änderung: Eine feindliche Übernahme soll schneller erkannt werden. Das oben genannte Szenario, dass BASF von Finanzinvestoren feindlich übernommen wird und vom Kurszettel verschwindet, ist durchaus real.

BASF hat in der vergangenen Krise einen Großteil seiner Marktkapitalisierung verloren und wurde deswegen zwischenzeitlich sogar als Übernahme-Kandidat gehandelt. Noch im August letzten Jahres beschäftigte das Thema den Vorstand.

Es wurde sogar ein Abwehrplan erarbeitet. Wer das konservative BASF-Management kennt, weiß, dass dieser Abwehrplan nicht aus Langeweile erarbeitet wurde. Ich bin überzeugt, dass einige Finanzinvestoren eine Übernahme gedanklich durchgespielt haben.

Insbesondere bei feindlichen Übernahmen ist die Zuordnung der Aktien für ein Unternehmen sehr wichtig. Die Gattung Namens-Aktie erleichtert diese Zuordnung, da der Konzern so eine drohende Übernahme schneller erkennen und Abwehrmaßnahmen ergreifen kann.

BASF11 ist ein Volltreffer

Da sich der Kurs der BASF-Aktie seit Anfang 2009 mehr als verdoppelt hat (und damit auch die Marktkapitalisierung), dürfte eine Übernahme jetzt zu teuer sein. Mit Übernahmeprämie müssten Investoren aktuell schon rund 60 Mrd. Euro bieten. Ein hoher Kurs ist daher als Abwehrmittel gegen Übernahmen noch wirksamer als eine neue Aktiengattung.

Die neue Aktiengattung bei BASF hat auch einen praktischen Vorteil für die Aktionäre. Nicht nur, dass die Kommunikation zwischen Unternehmen und Aktionär aufgrund der Zuordnung vereinfacht wird, die neue WKN BASF11 lässt sich sehr gut merken.

Wenn Sie auf den Finanzseiten im Internet BASF11 eintippen, landen Sie wieder einen Volltreffer.

11. August 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.