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Beratung: Schlimmes Urteil zu Zertifikaten und Provisionen in Banken

Ein alarmierendes Urteil aus Düsseldorf weckt meine Lebensgeister: ich muss Sie vor der Bankberatung zu Zertifikaten warnen, wenn Sie objektiv und sicher beraten werden wollen. Denn: laut Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) kann ein Berater sogar Rabatte auf Zertifikate verschweigen, die er im Einkauf bekommt.

Provisionen im Normalfall verboten

Wenn Sie sich für die Geldanlage, etwa zu Ihrer Vorsorge, bei Ihrer Bank beraten lassen, müssen diese weitgehend objektiv beraten. So will es der Gesetzgeber mit verschiedenen Regelungen, etwa den neuen Prospektvorschriften oder mit dem Verbot “versteckter” Provisionen. Dies ist nun nicht mehr so stark gültig wie bis dato.

Die allgemein gültige Regelung sieht vor, dass ein Bankberater die so genannten “Kickbacks” nennen muss. Dabei zahlt die Gesellschaft, die ein Wertpapier oder einen Fonds herausgibt, dem Berater die Gebühr teilweise verdeckt zurück.

Dies kann beispielsweise Ausgabeaufschläge betreffen oder die Verwaltungsgebühr, die jährlich anfällt. Das Interesse Ihres Beraters ist eindeutig: wenn er Gebühren erhält, wird er Ihnen selbst auf Nachfragen immer dazu raten, investiert zu bleiben.

Achtung: genau dies haben Nutzer und Leser erlebt, dazu habe ich in einigen Anfragen und Sprechstunden die buntesten Fondsmischungen gesehen. Oft stapelten sich in den einzelnen Depots die Fonds eines einzigen Anbieters. Leser waren in die Beratung gegangen, um einen Fonds zu verkaufen und kamen mit einem neuen Fonds zurück.

Gebühren schaden der Beratung

Diese Art der Vertriebsgebühren schadet der Beratung, wie zahlreiche Studien immer wieder dokumentieren. Denn: ein Berater engt den Kreis der in Frage kommenden “Produkte” automatisch ein und konzentriert sich auf die Anlagen, die ihm selbst Geld bringen.

Dr. Erhard Liemen hat in seinem “Deutschen Wirtschaftsbrief” seit vielen Jahren immer wieder auf die Fallen und die Kosten gerade durch “Kick-back-Provisionen” hingewiesen. Zu Recht, wie sich angesichts diverser Beratungsfälle oft zeigte.


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Daher ist die so genannte “Honorarberatung” interessant, die inzwischen auch eine Bank wie “Querin” anbietet. Für die Beratung bei dieser Bank zahlen Sie ebenso wie bei Einzelberatern nur eine Pauschale, die allerdings ändert sich unabhängig vom empfohlenen Produkt nicht mehr.

Zertifikate-Beratung ist anders

Das neue Urteil bezieht sich auf die Beratung bei Zertifikaten. Es ist gestern durch einige Finanzmedien gegangen, die fast wortgleich die Pressemitteilung abgeschrieben haben. Daher greife ich die Meldung hier auf, um Ihnen Details zu erläutern.

Nach diesem Urteil dürfen Berater verschweigen, wenn die Emissionsbank  ihnen eine Rabatt auf den eigentlichen “Nennwert” des Zertifikates gibt. Der Nennwert ist der Ausgabewert, also beispielsweise der Kurs eines aktuellen Indexertifikates auf den Dax.

Das Oberlandesgericht sagt, dass ein solcher Rabatt keine Provision sei. Wenn eine Emissionsbank also eine Rückvergütung veranlasst, wird der Bankberater Ihnen diese nennen müssen. Sie können sich darauf verlassen: künftig wird es im Bankgespräch viele Rabatte geben.

Konkreter Fall: indirekter Ausgabeaufschlag

In diesem konkreten Fall hatte der Berater das Zertifikat für nur 98% des Nennwertes kaufen können. Er gab es der Kundin für 100% weiter. Damit aber streicht die Bank 2%-Punkte Gewinn ein (nicht 2%, wie weit verbreitet die Meldungen lauten). Dies sind etwa 2,04% Gewinn, die einer Gebühr wie dem Ausgabeaufschlag bei Fonds entsprechen.

Der Schaden könnte theoretisch für Investoren gering sein. Denn: die Emissionsbank verzichtet ja auf die Gebühr. Nur: diese Gebühren wiederum beeinflussen die Beratung und – die Emissionsbank finanziert solch enen Gewinn durch die Zertifikat-Konstruktion.

Zertifikat wirft genug Gewinn ab

Das eigentliche Geheimnis bei Zertifikaten – dies sind Anleihen mit omplexen Rückzahlungsbedingungen – ist deren Konstruktion. Diese versprechen Ihnen eine Rückzahlung, abhängig vom Verlauf des zugrundeliegenden Basiswertes wie etwa einer Aktie.

Um dies einzuhalten, sichern sich Banken am Markt ab. Sie finanzieren eigentlich nur die Absicherung, dass zum Laufzeitende der Betrag xy fällig wird. Wie teuer diese Absicherung ist, sehen Sie Zertifikaten allerdings nicht an.

Wenn es die Bank nur 95% kostet, ein Indexzertifikat zu einem bestimmten Zeitpunkt auszahlen zu können, streicht Sie die verbleibenden 5%-Punkte Unterschied als Gewinn ein. Besonders bei Hebelzertifikaten kann der Gewinn aus diesem nicht-sichtbaren Geschäft sehr hoch sein. Aus dem Zertifikate-Prospekt werden Sie dazu nichts entnehmen können.

Blick in die Zukunft: Zertifikate heißen Anleihen und werden bevorzugt “beraten”

Das Urteil allerdings weist diesem guten Geschäft jetzt eine noch bessere Zukunft. Da die Gebühren damit scheinbar geringer als bei Fonds sind, ist der Abverkauf der Zertifikate vergleichsweise einfach. Banken, die sowohl an Zertifikaten als auch an Fonds verdienen, können nun über die neue Rabattklausel an Zertifikaten noch besser verdienen.

Da Zertifikate teilweise starke Verluste produziert haben, wird sich jedoch der Titel der Zertifikate künftig wieder etwas ändern. Rechnen Sie damit, dass Zertifikate künftig vermehrt als “Anleihen” firmieren. Rechtlich sind es Anleihen, das ist richtig.

Für Ihre Vorsorge jedoch können diese gefährlich sein, weil die Rückzahlung an den diversen unterschiedlichen Bedingungen hängt. Ich empfehle daher:

Falls Sie sich Zertifikate für die Vorsorge, den Kapitalschutz oder als Hebel kaufen wollen, beachten Sie einige Sicherheitshinweise.

  • Banken werden künftig verstärkt Zertifikate anbieten und verdienen daran. Fragen Sie einfach aktiv nach Rabatten, die eine Bank bezieht.
  • Zertifikate werden als Anleihen verkauft: Fragen Sie bei “verdächtigen Bezeichnungen”, die zu kompliziert sind, einfach nach.
  • Für viele Zertifikate brauchen Sie keine Bankberatung. Einfache Zertifikate wie Indexzertifikate kaufen Sie am besten über eine Online-Bank nach eigener Suche. Orientieren Sie sich dabei an den Gebühren. Denn: die Gesellschaften, die auf “Rabatte” verzichten, bieten auch die günstigste Kostenstruktur.

Ein kleiner Zusatzhinweis über das Urteil zum Zertifikat hinausgehend: wenn Sie Fondsanteile verkaufen wollen, erinnern Sie sich an die Konstruktion des Geschäfts. Banken erhalten Bestandsprovisionen für Fonds. Die werden nicht gerne verkaufen. Um diese provisionsgetriebenen Ratschläge machen Sie am besten einen großen Bogen.

PS: Achtung: auch bei anderen Schutz- und Vorsorgeprodukten fließen Provisionen. Auch dies bedenken Sie bitte. Umgekehrt: freie Berater müssen nicht alle Provisionen aufdecken. Dies ist wiederum ein Vorteil von Banken – die müssen bis auf dieses Zertifikate-Urteil transparenter sein.

27. Juli 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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