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Big Blue richtet sich neu aus

IBM hatte nach dem Verkauf seiner PC-Sparte konsequent auf Dienstleistungen gesetzt.

Das half dem einstigen Computer-Pionier auch, gut durch die Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahre zu kommen. Im Fokus stehen vor allem die Firmenkunden. Mit der Sparte IBM Global Services bietet IBM zahlreiche Service-Angebote wie das Beraten, Planen, Implementieren von IT-Infrastruktur oder deren Outsourcing.

Ein lukratives Geschäft, denn immer mehr Firmen geben ihre IT-Systeme in die Hand von externen Experten. Dadurch lassen sich Kosten sparen. Außerdem braucht man sich nicht selbst um die Funktionsfähigkeit und Sicherheit der immer komplexeren und wichtigeren Computer- und Telekommunikationssysteme kümmern.

Schwächeres Quartal …

Beim weltgrößten IT-Dienstleister sanken die Umsätze im 1. Quartal um 12% auf 19,6 Mrd. $. Abstriche mussten auch beim Gewinn gemacht werden, resultierte doch nur noch eine Summe von 2,33 Mrd. $ – 2,4% weniger als im Vorjahr.

Pro Aktie verdiente IBM ohne Sonderkosten aber 2,91 $ und damit 11 Cent mehr als vom Markt erwartet. Gegenwind bekommt IBM weiter vom starken Dollar, der US-Produkte im Ausland verteuert und damit die Nachfrage schwächt. IBM erwirtschaftet mehr als die Hälfte seines Umsatzes im Ausland.


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… mitten im Konzernumbau

IBM treibt den Wandel vom weniger lukrativen Hardware-Geschäft zu gewinnträchtigeren Bereichen wie Sicherheitssoftware oder Cloud-Diensten voran. Cloud-Dienste bietet IBM bereits über die erworbene Firma Softlayer an, die in den vergangenen 10 Monaten weltweit 13 neue Rechenzentren eröffnet hat. Und IBM kann in dieser Sparte ein tolles Wachstum vorweisen: Immerhin 75% Umsatzplus innerhalb der letzten 4 Quartale.

So will Big Blue ab 2018 mit der Datenverarbeitung im Internet sowie anderer Bereiche wie etwa der Erfassung und Verwertung von Datenmengen (Big Data) jährlich 40 Mrd. $ umsetzen – 60% mehr als 2014. Jüngst wurde zudem die Übernahme des IT-Gesundheitsspezialisten Phytel erfolgreich abgeschlossen.

Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Cloud-basierte Services, die Gesundheitsanbietern dabei helfen sollen, Gesundheitsmaßnahmen zu koordinieren. Der Konzernumbau geht langsam voran und verlangt von den Aktionären Geduld. Dennoch ist der IBM-Aktienkurs seit Anfang 2015 um 19% gestiegen. Den Aktionären scheint zu gefallen, was die Chefin macht.

Chefin an Bord

Erstmals in der Geschichte des Unternehmens steht mit Virginia Rometty seit 2012 eine Frau an der Konzernspitze. Sie folgte auf Sam Palmisano. Geerbt hatte sie von ihm einen Geschäftsplan, der vorsieht, dass das Software-Segment zukünftig mehr als die Hälfte zum Ergebnis beitragen soll. Damit ist sie auf gutem Weg.

Zwar sind die Kunden mit ihren Ausgaben angesichts des derzeitigen Umfeldes vorsichtiger, schauen dabei aber verstärkt nach werthaltigen Investitionen in ihr Geschäft. Im laufenden Jahr stellt sie einen Gewinn je Aktie von mindestens 14,52 $ in Aussicht. Damit ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn- Verhältnis von knapp 12 so günstig wie zuletzt im Jahr 2006.

Fundamental rundes Bild

Neben den soliden Geschäftszahlen ist IBM auch finanziell und fundamental in guter Verfassung und erfüllt 7 messbare und allgemeine Qualitätskriterien. Bei den messbaren Kriterien gefällt uns die hohe Eigenkapitalrendite.

Allerdings geht das zu Lasten der Eigenkapitalquote. Darüber hinaus hat IBM seit 1993 kein einziges Verlustjahr gehabt und immer positiven Cashflow generiert. Big Blue hat zwar einen hohen Bekanntheitsgrad, verfügt aber nur bedingt über eine monopolartige Stellung.

Buffett ist IBM-Fan

In den vergangenen Jahren ist der Netto-Cashflow stetig gewachsen, und wir erwarten in dieser Hinsicht keine negativen Überraschungen. Nach unseren Berechnungen liegt der faire Wert bei 224 $, der einer Sicherheitsmarge von 29% entspricht.

Die jährliche Kursrendite beträgt 16%. Zusammen mit der Dividendenrendite erwarten wir eine Gesamtrendite von bis zu 19% jährlich. Um Technologieaktien hat Warren Buffett lange einen Bogen gemacht.

Das war einmal, denn der Starinvestor hatte mal wieder einen guten Riecher, als er im November 2011 bei IBM eingestiegen ist. Anfang des Jahres hat er seinen Anteil auf über 8% erhöht. Damit ist der Wert seiner Beteiligung auf 12,8 Mrd. $ gestiegen.

10. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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