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Börse Stuttgart: Wissen wo man besser nicht handelt

"Börse Stuttgart – wissen wo man handelt". Mit diesem Slogan bewirbt die Börse Stuttgart sich selbst als Handelsplattform. Um gegen die übermächtige Konkurrenz in Frankfurt zu bestehen, haben die Schwaben schon vor Jahren den Privatanleger als Zielkunden für sich entdeckt. Mit niedrigen Spreads (Spanne zwischen dem An- und dem Verkaufskurs), leider nur bei den DAX Titeln und ausgesuchten deutschen und internationalen Nebenwerten, möchte man die Anleger auf sich aufmerksam machen und zum Handel ihrer Aktien in Stuttgart bewegen. So weit so gut möchte man meinen. Doch wie so oft klafft zwischen dem eigenen werblichen Versprechen und der erlebten Wirklichkeit eine Lücke. Ihr möchte ich mich heute zuwenden.

Aus den Ausführungen der letzten beiden Tage wissen wir bereits, dass die Marktenge, also die geringe Zahl von Käufern und Verkäufern, die an der Börse beim Handel aufeinander treffen, das Geschäft sowohl für die Privatanleger wie auch für die handelnden Makler schwierig macht. Dass ein Makler an der Börse keine Geschenke zu verteilen hat, liegt ebenfalls auf der Hand und das erwartet auch kein seriöser Anleger von ihm. Doch damit sich alle Beteiligten, Händler wie Investoren, an der Börse sicher bewegen können, bedarf es einer ausreichenden Transparenz.

Transparenz wiederum setzt voraus, dass alle und nicht nur einzelne vorher wissen, was los ist und nicht erst hinterher. Bei einem Börsengeschäft betrifft die Transparenz besonders den Kurs und das mit dem Kurs verbundene Handelsvolumen. Beide kann man als Anleger über die zur Verfügung gestellten Realtimekurse im Internet abrufen. Die Realtimekurse sind eine wichtige Entscheidungshilfe, denn auch als Privatanleger erkennen Sie so schnell, welcher deutsche Börsenplatz der günstigste ist und mit welchem Kapitaleinsatz oder Kapitalerlös Sie rechnen können.

Hohe Spreads und nach Ordereingang veränderte Kurse

Dass es an der Börse Stuttgart schon mal zu einem Spread von 488% kommen kann, ohne dass es irgendwen zu stören scheint, hatte ich Ihnen bereits am Montag an einem konkreten Beispiel belegt. Solche Spreads sind nicht nur ein Ärgernis, sondern im Grunde ein Knock-out-Kriterium, denn mit einer solchen Aktie können Sie als Anleger nicht angemessen handeln. Die einzige Alternative, die Ihnen in einem solchen Fall bleibt, ist Aktie und Kurs bis auf weiteres zu ignorieren und nicht zu handeln. Wer doch handelt oder handeln muss, läuft nur Gefahr sich ärmer und den Makler reicher zu machen. Das kann nicht Sinn und Zweck der Übung sein.


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Was aber, wenn der Spead nicht zu beanstanden ist und der Makler Ihnen nach erteilter Order doch eine lange Nase zeigt? Dann lässt Sie die Börse Stuttgart – Handelsüberwachung hin oder her – im Regen stehen. So jedenfalls die Erfahrung vom letzten Montag, als ein Anleger 500 Aktien der Burcon Nutrascience zu 2,64 Euro je Aktie kaufen wollte. Die Order hatte ein Gesamtvolumen von 1.320 Euro und kann somit kaum als Großauftrag gelten. Im Gegenteil: Sowohl die Stückzahl als auch der Kurs entsprachen exakt jenen Angaben, die der Makler als Realtimebriefkurs offiziell hinterlegt hatte.

Es kam kurz nach 10 Uhr zu zwei Aufträgen in dieser Aktie. Beide gingen im Abstand von nur zwei Minuten nacheinander ein und beide lauteten auf: Kauf 500 Stück zu 2,64 Euro. Den ersten Auftrag führte der Makler noch anstandslos auf. Der erste Anleger erfreute sich also an dem, was ich hier als Transparenz bezeichnen möchte: Der Makler stelle ein Angebot und als sich der Anleger auf dieses einließ, lieferte der Makler in Sekundenschnelle.

Doch beim zweiten Auftrag bekam der Makler offenbar kalte Füße. Allerdings bekam er diese erst, nachdem der zweite Kaufauftrag bei ihm eingegangen war. Für ihn hätte die Möglichkeit bestanden nach Ausführung des ersten Auftrages einen neuen Briefkurs zu stellen. Damit hätte er sein Risiko vermindern und jedem weiteren potentiellen Käufer eine Veränderung der aktuellen Marktlage anzeigen können. Das wäre ebenso verständlich wie transparent gewesen. Doch der Schritt unterblieb. Der Briefkurs blieb auch nach der Ausführung des ersten Auftrags bei 500 Stück zu 2,64 Euro.

Handelsüberwachung Stuttgart greift nicht ein

Erst als ihm der zweite Kaufauftrag vorlag, reagierte der Makler: Er führte nicht aus, sondern setzte sofort den Briefkurs auf 2,67 Euro herauf. Wenig später sank der Kurs auf 2,66 Euro, nur um kurze Zeit später, als die vom Anleger informierte Handelsüberwachung mit dem Makler telefonierte, auf 2,69 Euro anzusteigen. Begründet wurde dieses hektische hin und her nach Aussage der Handelsüberwachung mit der „geänderten Marktlage“.

Eine verlogenere Begründung habe ich selten gehört. Eher bekommt der Papst ein Kind, als dass man in dieser Situation von einer geänderten Marktlage hätte sprechen können. Um 10.15 Uhr deutscher Zeit ist die kanadische Heimatbörse in Toronto geschlossen, die Händler dort liegen im Tiefschlaf. Was soll sich da an der Marktlage groß ändern? Etwa die Intensität des Mondlichts? Bleiben nur noch die anderen deutschen Börsenplätze und da sich an denen die Burcon Kurse zu dieser Zeit nicht änderten, ist die "geänderte Marktlage" nichts weiter als ein Phantasieprodukt des Maklers.

Transparenz, sieht anders aus und besonders enttäuschend ist, dass die Börse Stuttgart keinen Grund zum Eingreifen sah und das Verhalten des Maklers damit auch noch sanktionierte. Um es noch einmal klar zu betonen: Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass der Makler seine Kurse nach der ersten Order anpasst. Nur soll er das vorher sagen und nicht erst hinterher. Ist es wirklich verwunderlich, wenn ein permanent derart vor den Kopf gestoßener Privatanleger am Ende nur außerhalb der Börse Bausparverträge handelt oder sich am Ende gar des alt ehrwürdigen Sparstrumpfs wiederbesinnt?

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag und grüße Sie herzlich

Ihr

Dr. Bernd Heim

12. März 2009

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.