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Börsenexperte Robert Shiller: Gedankenviren bestimmen unser Handeln

Ich hatte für die letzte Schlussgong-Ausgabe der Handelswoche ein Zins-Thema geplant:

Am Dienstag sackte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen zum ersten Mal in den Negativ-Bereich ab.

Wer dem deutschen Staat für 10 Jahre Geld leiht, muss dafür also einen Strafzins zahlen.

Doch dieser Rekord verblasst heute. Ich werde das Zins-Thema in den kommenden Tagen wieder aufnehmen.

Heute möchte ich hier im Schlussgong über ein Thema schreiben, das mir in dieser Situation wichtiger ist.

Noch liegen nicht alle Fakten auf dem Tisch, aber es deutet vieles darauf hin, dass gestern die britische Politikerin Jo Cox sterben musste, weil sie für den EU-Verbleib und gegen den Brexit gekämpft hat.

Wie sinnlos war diese Tat!

Viele Themen werden überschätzt

Das Thema EU-Mitgliedschaft „Ja“ oder „Nein“ wird in einigen Medien und an den Stammtischen zu einer Schicksalsfrage für die gesamte britische Nation aufgebauscht. Das geht völlig an der Realität vorbei.

Selbst wenn es zum Brexit kommt, würde jede britische Regierung – egal von welcher Partei – neue Handelsabkommen abschließen.

Am Ende dürfte der Unterschied zwischen EU-Mitglied und EU-Partner relativ gering sein. Diese Wahl wird daher nicht über Aufstieg oder Abstieg Großbritanniens entscheiden.

Diesen Trend, dass Themen nicht mehr sachlich diskutiert, sondern maßlos aufgebauscht werden, erleben wir auch an der Börse.

Denken Sie an die Schlagzeilen des Jahres 2016 (und dabei haben wir noch nicht einmal das Ende des 1. Halbjahres erreicht):


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Die „China-Krise“, weil die chinesische Wirtschaft nicht mehr zweistellig wächst, sondern aufgrund der bereits hohen Ausgangsbasis „nur“ noch um rund 6%.

Oder denken Sie an die Schlagzeilen rund um das Thema Öl. Gab es in Deutschland im Jahr 2016 auch nur ansatzweise eine Öl-Krise? Wurde der Öl-Hahn zugedreht? Nein!

In den 70er-Jahren gab es echte Öl-Krisen. Was wir 2015/2016 erlebt haben und noch erleben, das sind nur taktische Spielchen der Ölförderländer, um Marktanteile zu gewinnen oder zu verteidigen.

Was ist 2016 wirklich passiert? Welche Meldung wird es in die Geschichtsbücher schaffen?

Bisher fällt mir im laufenden Jahr noch kein Ereignis ein. Daher mein Fazit: 80% der Kursschwankungen hätten wir uns sparen können.

Es wurden völlig sinnlos Positionen gekauft und verkauft. Angst und Gier machen aber nur die Broker froh, die saftige Gebühren kassieren.

Robert Shiller: Die Menschen sind ängstlicher geworden

Im Juni 2015, vor fast genau einem Jahr, habe ich in meinem Börsendienst „Der Depot-Optimierer“ einige aus meiner Sicht kluge Gedanken des US-Wissenschaftlers Robert Shiller zusammengefasst.

Da dieser Kommentar sehr treffend die aktuelle Lage beschreibt („Grexit“ können Sie durch „Brexit“ ersetzen), hier noch einmal die Zusammenfassung:

„Der bekannte US-Ökonom und Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert Shiller hat den Unterschied zwischen Faktenlage, Stimmung in den Medien und Verhalten der Anleger untersucht.

Sein Ergebnis: Die Menschen seien ängstlicher als früher und suchen mehr Sicherheits-Anker. Schuld an dieser Verunsicherung seien laut Shiller “Gedankenviren”.

Bestimmte Themen und Ängste werden aufgebauscht und dank der modernen Medien weltweit verbreitet.

Shiller nennt auch 2 konkrete Beispiele aus der aktuellen Marktphase: zum einen die Angst vor einer Kombination aus Deflation und einer langjährigen Konjunktur-Schwäche (säkulare Stagnation).

Die Angst vor diesem Szenario beherrsche die Medien und hat sich in den Köpfen der Anleger festgefressen.

Sogar die Notenbanken wurden infiziert. So pumpt die Europäische Zentralbank (EZB) Monat für Monat Milliarden-Beträge in den Markt, um diese mögliche Gefahr zu bekämpfen.

Laut Shiller gibt es aber keine gesicherten Daten, die zeigen, dass eine säkulare Stagnation herrscht oder zukünftig droht.

Für Shiller ist diese panische Angst ein Beispiel für einen “Gedankenvirus”. Die Crash-Propheten verweisen dagegen stets auf das Beispiel Japan.

Doch dieses eine Beispiel reicht Shiller nicht als Argument: “Die japanische Erfahrung ist bisher einzigartig in der Geschichte der Wirtschaft. Daher sollte man sie nicht überbewerten.”

Ähnlich bewertet Shiller auch die in den Medien gigantisch aufgezogene Griechenland-Krise. Aus Sicht von Shiller wird das Thema aktuell viel zu hoch gewichtet.

Seine Einschätzung: “In 20 Jahren erinnert sich keiner mehr an die Griechenland-Krise.” Ganz so weit würde ich nicht gehen, aber aus Sicht eines US-Bürgers kann diese Prognose durchaus zutreffend sein.

Es stellt sich tatsächlich die Frage, welche Auswirkungen ein Grexit (Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone) auf den Rest der Welt hätte.

Die griechischen Staatsschulden müsste man auch offiziell abschreiben (das gilt aber faktisch jetzt auch schon) und die griechische Volkswirtschaft würde in den ersten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit zusammenbrechen (tragisch für die griechische Bevölkerung).

Aber außerhalb Griechenlands wären die wirtschaftlichen Folgen wahrscheinlich kaum messbar. Für das globale Wirtschaftswachstum spielt Griechenland keine Rolle.

Die Rest-Gefahr ist, dass der Austritt von Griechenland das gesamte Projekt Euro-Zone zum Einsturz bringt.

Aber warum soll das System zusammenbrechen, wenn das mit Abstand schwächste Mitglied der Gemeinschaft entfernt wird?

Ein Grexit könnte außerhalb von Griechenland komplett wirkungslos verpuffen. Dann wäre auch die Griechenland-Krise nach Shiller nur ein “Gedankenvirus” ohne Substanz.

Mein Fazit: Vorsicht ist an der Börse wichtig. Es gibt aber einen Unterschied zwischen Vorsicht und krankhafter Angst, die unser Leben und Handeln beherrscht. So weit dürfen wir es nicht kommen lassen.“

17. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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