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Commerzbank Aktie: Chronik einer (vorhersehbaren) Tragödie

Wenn ich auf den Kurs der Commerzbank Aktie schaue, dann schaudert es mich.

Eigentlich sollte ich Mitleid mit den vielen Commerzbank-Aktionären haben, die dieser Bank in den vergangenen Jahren gutgläubig Ihr hart verdientes Geld in der Hoffnung auf eine gute Rendite anvertraut haben.

Doch ganz ehrlich: Ich habe kein Mitleid!

Denn dieses Kurs-Desaster war schon sehr früh, im Jahr 2008, abzusehen. Und es wurde im Nachhinein immer wieder bestätigt. Dies wird Ihnen meine kleine Chronik belegen.

Schlimm nur, dass diejenigen, die die Geschicke dieser Bank leiten, unverändert im Amt sind und obendrein für ihr Wirken auch noch fürstlich entlohnt werden.

Es begann mit der Übernahme der Dresdner Bank

Nachfolgend meine kleine Chronik der größten „Fehltritte“ dieser „Führungsriege“:

Am 22. Juni 2008 schrieb ich den Lesern meines Börsendienstes Momentum Trader folgende Warnung:

„Commerzbank wird sich an Dresdner Bank und Postbank ‚verheben‘

Die Aktionäre quittierten einen Pressebericht über die Absichten der Bank mit massiven Verkäufen.

Danach verhandele die Commerzbank mit dem Allianz-Konzern über eine Übernahme der Dresdner Bank und wolle sich anschließend auch noch die Postbank einverleiben. Sollte sich dieser Pressebericht als wahr erweisen, dann werden die Aktionäre in den kommenden Jahren wenig Freude an ihrer Aktie haben.

Bedenken Sie: Hier geht es dann nicht allein darum, eine Bank mit einem ebenso großen und sich in weiten Teilen überschneidenden Filialnetz zu integrieren, sondern gleich um 2! Größte Verlierer werden überdies die Mitarbeiter sein: Hier wird noch einmal massiv der Personalbestand reduziert werden müssen.

Darüber hinaus weicht zumindest die Unternehmensphilosophie der Postbank erheblich von der einer Großbank ab. Und: Ich frage mich, wie eine Commerzbank die Dresdner Bank auf „Vordermann“ bringen will, wenn dies a) ein so straff und gut organisierter Konzern wie die Allianz schon nicht geschafft hat und b) sie zusätzliche Synergien für die Integration der Postbank aufbringen muss.“

Zum Zeitpunkt meiner Einschätzung notierte die Commerzbank-Aktie übrigens bei 18,99 Euro!

Das „überraschende“ Finanzloch

Etwa 6 Monate später folgte der nächste „Fehltritt“. Am 11. Januar 2009 schrieb ich den Momentum Trader-Lesern folgende Zeilen:

„Für mich ist die Teilverstaatlichung der Commerzbank der ‚Aufreger der Woche‘. Die Bundesregierung stellt dem zweitgrößten deutschen Geldinstitut über den staatlichen Bankenfonds weitere 10 Mrd. Euro (insgesamt nun 18,2 Mrd. Euro) zur Verfügung und wird künftig 25% + 1 Commerzbank-Aktie halten.


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In den Bilanzen von Dresdner Bank und Commerzbank waren über die Feiertage ‚überraschend‘ weitere erhebliche Abschreibungen notwendig geworden, welche die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank gefährdeten. Der Kurs der Commerzbank-Aktie fiel in dieser Woche mit 4,47 Euro auf ein historisches Tief.

Wie anders soll man es interpretieren, wenn gestandene Führungspersonen der zweitgrößten Bank Deutschlands nicht in der Lage sind, die Risiken einer Übernahme frühzeitig zu erkennen?

Wie kann – quasi über Nacht – ein Finanzierungsloch in Höhe von 10 Mrd. Euro auftauchen, nachdem sich die Commerzbank bereits vor Wochen reichlich aus dem Bankenrettungsfonds der Regierung bedient hat?

Diesen Herren werden Millionengehälter gezahlt, damit sie ihren Job auf höchstem Niveau erledigen! Doch diese Herrschaften haben nicht einmal den Mut, ihre Verfehlungen zu bekennen, geschweige denn, zurückzutreten. Die Dummen sind wir alle: Steuerzahler, Aktionäre, Mitarbeiter der Commerzbank und Dresdner Bank.“

Uns geht’s gut: Wir brauchen 11 Mrd. Euro

Mitte dieses Jahres nahm die Commerzbank die gigantische Summe von 11 Mrd. Euro am Kapitalmarkt auf. Insgesamt führte die Großbank damit rund 14,3 Mrd. Euro Stille Einlagen des Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) zurück. Am 7. Juni kommentierte Martin Blessing, Vorstandschef der Commerzbank, diese Maßnahme mit den Worten:

„Wir haben heute die im April 2011 angekündigte Kapitalmaßnahme wie geplant abgeschlossen. Damit führen wir die Stillen Einlagen schneller als erwartet und weitgehend zurück. Grundlagen hierfür sind unser funktionierendes Geschäftsmodell und die operative Ertragskraft der Bank.

Die Ziele unseres strategischen Programms ‚Roadmap 2012‘ gelten unverändert. Auch danach wollen wir unser Ergebnis weiter deutlich steigern.“

Die Ironie an dieser Geschichte: Wir Steuerzahler sind für die Commerzbank 2008 in die Bresche gesprungen. Und ich unterstelle einmal, dass es im Frühjahr erneut vorwiegend Steuerzahler waren, die der Commerzbank bei der Rückführung der Stillen Einlage geholfen haben.

Letztlich haben also einige Steuerzahler (wenigstens war ich hier nicht dabei) unser aller Einlage weit überwiegend aus eigener Tasche zurückgezahlt. Aber dafür haben sie ja Commerzbank Aktien erhalten, die heute weniger als die Hälfte wert sind.

Das nenne ich mal ein „gutes Geschäft“!

Operative Ertragskraft reicht nicht einmal 5 Monate

Am 4. November, also 5 Monate später, legte die Commerzbank ihr Ergebnis für das 3. Quartal 2011 vor. Hier die wichtigsten Fakten:

„Die Commerzbank hat das dritte Quartal 2011 mit einem den Aktionären zurechenbaren Konzernergebnis von minus 687 Millionen Euro und einem Operativen Ergebnis von minus 855 Millionen Euro abgeschlossen.“ 

Die griechische Tragödie

Doch ganz ehrlich brachte eine weitere Passage in diesem Quartalsbericht mein Blut so richtig in Wallung (die Hervorhebungen in dieser Text-Passage habe ich vorgenommen).

„Im Segment Asset Based Finance wurde zum 30. September 2011 eine zusätzliche Wertkorrektur auf griechische Staatsanleihen in Höhe von 798 Millionen Euro vorgenommen.

Mit Blick auf die anhaltenden Unsicherheiten über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands und unter Berücksichtigung des EU-Gipfeltreffens vom 26. Oktober 2011 wurden die von der Bank gehaltenen Positionen so im Jahr 2011 um insgesamt 52 % ihres Nominalwertes abgeschrieben.“

Also ich bin ja nur ein Börsen-Analyst. Und kein so gut bezahlter wie Herr Blessing. Aber ganz offensichtlich hatte ich bereits am 5. Mai 2010 (!) wesentlich mehr Weitsicht bewiesen, als ich den Momentum Trader-Lesern folgende Vermutung (inzwischen bittere Realität) mitteilte:

„Ich fürchte, es war ein großer Fehler der Politik, das griechische Schuldenproblem mit neuen Schulden (diesmal der Euro-Staaten) zuzudecken, anstatt den – zugegeben – harten Schritt einer Umschuldung zu gehen. Aus meiner Sicht wurde das EU-Hilfspaket nicht geschnürt, um den Griechen zu helfen, sondern um den Euro zu stabilisieren.

… 

Eine Umschuldung jetzt hätte – wie das Beispiel Argentinien in der Vergangenheit bewiesen hat – den Griechen sofort eine Chance zum Neuanfang gegeben, ihre Schuldenlast drastisch reduziert und die Euro-Zone vor weiterem Unheil bewahrt.

Es wären zudem schon jetzt diejenigen zur Kasse gebeten worden, die geglaubt haben, sie könnten sich durch den Kauf griechischer Staatsanleihen risikolos eine gegenüber deutschen Anleihen mehr als doppelt so hohe Rendite erkaufen: Die Banken.“

Warum eine Großbank heute noch griechische Anleihen im eigenen Depot halten muss, kann ich nicht nachvollziehen. Und ich mag gar nicht ausrechnen, wie hoch der gesamte Bestand dieser Anleihen ist, wenn 798 Mio. Euro zusätzliche Wertkorrektur die bisherige Gesamtabschreibung im Jahr 2011 auf 52% des Bestandes empor treiben.

Ich habe mir zudem verkniffen, zu recherchieren, ob hier 2010 auch schon Abschreibungen vorgenommen worden sind…

Und das bei solch einer Vita

Seien Sie mir nicht böse, aber es erschließt sich für mich nicht, warum eine Bank, die doch eigentlich mit Weitblick handeln sollte, in so wenigen Jahren so viele „Böcke“ schießen kann.

Insbesondere erschließt sich dies für mich nicht, wenn ich auf die Vita des Herrn Blessing schaue (Quelle: Wikipedia). Die Hervorhebungen in dieser Text-Passage habe ich vorgenommen:

„Blessing stammt aus einer Bankiersfamilie. Sein Großvater Karl Blessing war Präsident der Bundesbank, sein Vater Werner Blessing war Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bank.

Von 1989 bis 1996 arbeitete er für die Unternehmensberatung McKinsey, davon die letzten zwei Jahre als Partner.

In den Jahren 1997 bis 2000 trug er Mitverantwortung für den Geschäftsbereich Private Kunden bei der Dresdner Bank.

Nach einer Zwischenstation als Vorstandssprecher der Advance Bank ist er seit dem 1. November 2001 Mitglied des Vorstands der Commerzbank AG und seit 16. Mai 2008 Sprecher des Vorstands.

Am 7. Mai 2009 wurde er vom Aufsichtsrat der Commerzbank zum Vorstandsvorsitzenden der Bank ernannt.

Von Januar bis Mai 2009 war er zusätzlich Vorstandsvorsitzender der von der Commerzbank übernommenen Dresdner Bank.

Falls Sie jetzt innerlich den Kopf schütteln, dann geht es Ihnen so wie mir.

6. Dezember 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.