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Commerzbank: Aktie drastisch überbewertet

Die Aktienkurse streben immer weiter nach oben. Heute sind die Kurse in Europa und in den USA erneut deutlich gestiegen. In den USA waren die Technologie-Werte die Kurstreiber. Nachbörslich wurde das Plus auch noch mit guten Nachrichten unterfüttert.

Der US-Chiphersteller Texas Instruments (TI) hat für das laufende Quartal die Umsatz- und Gewinnprognose nach oben korrigiert. Das ist eine interessante Nachricht, da die Chip-Industrie als guter Frühindikator für die Gesamtwirtschaft gilt.

Commerzbank-Aktie führt DAX zum Jahreshoch

In Deutschland hat der DAX ein neues Jahreshoch angetestet. Zum Überflieger wurde die Commerzbank-Aktie mit einem Plus von 12%. Die Aktie kostet jetzt schon wieder 8,50 Euro. Meine Einschätzung: Die Aktie ist viel weniger wert. Nur eine Nachricht könnte dieses Kursniveau rechtfertigen. Dazu später mehr. Zunächst eine kurze Analyse.

Ich gehe davon aus, dass einige Investoren heute Commerzbank-Aktien gekauft haben, weil in den Medien eine ungenaue bis falsche Meldung verbreitet wurde. So war ich sehr erstaunt, als ich heute im Internet gelesen habe, dass die Bank einen Teil der Staatshilfe zurückzahlen will. Bisher hieß es immer, die Rückzahlung solle erst 2012 beginnen.

Ungenau Meldung kann Käufe ausgelöst haben


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Im Laufe des Tages veränderte sich die Nachrichtenlage: Die Commerzbank zahlt kein Kapital zurück, Commerzbank-Chef Martin Blessing hat heute nur angekündigt, dass die vom Staat erhaltenen Milliardengarantien zurückgegeben werden. Der Bund hatte der Commerzbank auf dem Höhepunkt der Krise Garantien in Höhe von 15 Mrd. Euro zugesprochen. Eine Anleihe mit Staatsgarantie über 5 Mrd. Euro hat die Commerzbank Anfang des Jahres am Markt platziert, Garantien über 5 Mrd. Euro wurden im August zurückgegeben, auf die restlichen 5 Mrd. Euro verzichtete die Commerzbank heute.

Der Verzicht auf Staatsgarantien ist ein positives Zeichen. Aber man muss schon unterscheiden, ob die Bank Geld zurückzahlt, oder nur keine Staatsgarantien mehr braucht, um am Kapitalmarkt agieren zu können. Ob die Rückgabe der Staatsgarantien einen zweistelligen Kurssprung rechtfertigt, wage ich sehr zu bezweifeln.

Die Commerzbank muss noch viele Probleme meistern

Stand heute ist: Der Staat hat über 18 Mrd. Euro Kapital in die Commerzbank gepumpt. Die Rückzahlung soll 2012 beginnen. Wenn die Staatsgelder – wie angekündigt wurde – voll verzinst werden, wird diese Zinsbelastung den Gewinn noch über Jahre schwer belasten. Allerdings soll die Zinsbelastung erst dann voll zur Geltung kommen, wenn die Bank wieder Gewinne schreibt.

2009 dürfte noch ein Katastrophenjahr werden. 2 bis 3 Euro Verlust pro Aktie sind realistisch. Natürlich hängt das auch etwas davon ab, ob die Commerzbank Beteiligungen mit Gewinn oder Verlust verkaufen kann. So verkaufte die Commerzbank in diesen Tagen ihre Beteiligung am Gea-Konzern. Der Deal spülte gut 115 Mio. Euro in die Kasse. Aber hier gilt: Das Tafelsilber kann nur einmal verkauft werden. Wieder ein paar Reserven weniger.

Im Jahr 2010 will die Commerzbank in die Gewinnzone vorstoßen. Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Die Neuerwerbung Dresdner Bank muss noch integriert werden und die Commerzbank ist im Kreditgeschäft sehr offensiv positioniert. Steigt die Zahl der Firmenpleiten weiter an, werden noch einige Löcher in der Bilanz aufgerissen.

Kursziele über 6 Euro schwer zu begründen

Was ist eine Bank wert, die 2009 riesige Verluste schreibt, 2010 mit etwas Rückenwind in die Gewinnzone vorstoßen kann und ab 2012 über 18 Mrd. Euro Schulden beim Staat abstottern muss? Die Analysten der Bank Credit Suisse nennen als Kursziel 2,30 Euro. Aktuell notiert die Aktie bei 8,50 Euro. Ein kleiner Bewertungsunterschied.

Mein Kursziel liegt im Bereich von 6 Euro. Das ist in etwa das Niveau, das der Staat beim Einstieg pro Commerzbank-Aktie gezahlt hat. Der Staat wird bestrebt sein, die Aktien ohne Verlust zu verkaufen. Daher hat auch der Staat ein Interesse daran, dass die Commerzbank in Investorenkreisen gut aussieht. Da der Staat vielleicht erst 2010, 2011 oder 2012 aussteigt, könnte man sogar noch einen Abschlag auf die 6 Euro vornehmen (wobei ich das Kursziel der Credit Suisse für zu niedrig halte).

Daher wiederhole ich hier das Fazit der Schlussgong-Ausgabe vom 19. Mai: Steigt die Commerzbank-Aktie auf über 6 Euro, sollte man über Short-Strategien nachdenken. Das ist aktuell der Fall.

Nur der Übernahme-Joker sticht

Zu Beginn der heutigen Ausgabe habe ich geschrieben, dass es eine Nachricht gibt, die den Höhenflug der Aktie rechtfertigen würde: Wenn eine internationale Großbank dem deutschen Staat das Aktienpaket abkaufen würde und zusätzlich frisches Geld in die Bank pumpt, damit die Staatshilfen schneller zurückgezahlt werden können. Je nach Ausgestaltung der Transaktion, könnte die Commerzbank-Aktie dann plötzlich deutlich mehr als 6 Euro wert sein.

Mehr Gründe, nicht auf einen Kurssturz der Commerzbank-Aktie zu wetten, fallen mir spontan nicht ein. Aber wer weiß schon, ob sich ein reicher Öl-Staat oder China nicht auch noch eine deutsche Großbank gönnen. Wer hätte vor 12 Monaten gedacht, dass Katar Teilhaber bei Porsche und VW wird? Über 45 Mio. Commerzbank-Aktien haben heute den Besitzer gewechselt. Alles ist möglich.

10. September 2009

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.