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Das antike Finanzexperiment des König Midas: Wasser zu Gold …

Mit einem typischen "es war einmal" beginnen klassischerweise die Märchen, die alten der Gebrüder Grimm wie die hoch modernen aus Hollywoods Traumfabriken. Doch das, was uns Herodot, der Urahne aller alten und modernen Historiker aus dem siebten Jahrhundert vor Christi Geburt berichtet, klingt im ersten Moment wie ein Märchen, ist aber eine traurige Wahrheit.

In Lydien, einem Staat auf dem Territorium der heutigen Türkei, herrschte König Midas. Er galt seinen Zeitgenossen nicht unbedingt als der mächtigste, wohl aber als der reichste Herrscher der damals bekannten Welt. Wunderbare Verwandlungskünste wurden ihm zugesprochen. Alles, was er anfasste, wandelte sich in seinen Händen zu Gold, sogar das Wasser, das er aus seinem Glas trinken wollte. Gut gehen konnte das auf Dauer nicht. König Midas erstickte am vielen Gold, oder ganz banal ausgedrückt: Er erstickte an der von ihm gezielt herbeigeführten künstlichen "Wertsteigerung" ganz banaler Dinge.

Antike Historiker liebten es, ihre Botschaften in Bilder und Geschichten zu verpacken. Die uns bekanntesten finden Sie in der Bibel: Ein Moses, der im Binsenkörbchen aus dem Nil gerettet wird, ein Jesus von Nazareth, der angeblich in der alten Königstadt Bethlehem geboren sein soll. Doch zurück zu unserem König Midas. Er war seiner Zeit weit, weit voraus und er hat den Grundstein für einen Betrug gelegt, der uns auch heute noch schwer beschäftigt, jetzt in den Tagen, in denen alle Welt von der Finanzkrise spricht, mehr als sonst.

… Gold zu Wasser


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Auf König Midas geht ein System zurück, das man auch uns heutigen Erdbewohnern noch immer als einen "Geldfortschritt" verkaufen will. Dabei handelt es sich um einen handfesten Betrug, einen Kreditbetrug. Das Münzgeld der Antike bestand zunächst nur aus reinem Gold und Silber. Damit war es begrenzt, denn es konnte nur Münzgeld ausgeprägt werden, für das auch die entsprechenden Edelmetalle vorhanden waren. Das schränkte die Kreditvergabe ein. Doch König Midas wusste einen genialen Ausweg. Er ließ den Edelmetallgehalt seiner Münzen reduzieren und streckte sie durch die Zugabe unedler Metalle wie Kupfer und Eisen. Außerdem ließ er die Münzen mit einem Wertaufdruck prägen. Das sparte Zeit für das umständliche Wiegen, denn die Münzen waren zählbar.

Beides half den bestehenden Engpass bei der Finanzierung staatlicher wie privater Projekte zu überwinden. Bedauerlicherweise treten seit jener Maßnahme der banktechnische Fortschritt, also die neuen Finanzierungsformen und der Geldbetrug durch die Inflationierung, also die ungehemmte Geldvermehrung und die damit einhergehende Entwertung des umlaufenden Geldes, immer zusammen auf. Sie sind so untrennbar miteinander verbunden, dass man fast schon von zwei siamesischen Zwillingen sprechen kann.

Doch das sind immer erst die Spätfolgen. Die meisten Menschen sehen sie erst, wenn mit einem lauten Krach (Crash) das System in sich zusammenkracht. Zunächst registriert man die positiven Effekte, meist eine wirtschaftliche Blüte, die uns Menschen schnell zur Sorglosigkeit verleitet, damals wie heute. Das ist der sprichwörtliche Reichtum des antiken Königs, seine Fähigkeit geringwertiges Wasser in Gold zu wandeln. Oder nüchtern ausgedrückt: Je weiter die Inflation fortschreitet, desto mehr nähert sich der aktuelle Preis von Wasser, dem früheren Preis von Gold an.

Das traurige Ende einer Wertschöpfung aus dem Nichts

Dauerhafte Werte schafft man so nicht. Das müssen nicht nur aktuell die Banken erfahren, deren "werthaltige" verbriefte Finanzprodukte sich derzeit in Luft auflösen. Auch König Midas machte diese Erfahrung. Er konnte und er wollte wahrscheinlich auch nicht verhindern, dass pfiffige Geldhändler, wir würden heute eher von Bankern im Nadelstreifenanzug reden, sein Münzgeld, das man nicht mehr wiegen musste, sondern nur noch abzuzählen brauchte, in Kredite wandelten. Kredite, die mit Zinszahlungen verbunden waren. Zunächst kam König Midas die Entwicklung sehr gelegen, denn sie steigerte die Nachfrage nach seinem Geld und damit auch seinen ureigenen Profit.

Auf Dauer blieb der Betrug nicht verborgen. Nach einiger Zeit machten die antiken Sparer die unangenehme Erfahrung, dass ihr in Midas gestreckten Münzen angelegtes Vermögen immer weiter an realer Kaufkraft verlor. Und das trotz Zinszahlungen der Geldhändler. Als der Betrug aufgedeckt und die Betrüger enttarnt waren, hatte Midas Schwundgeld ausgespielt. Es wurde zurückgewiesen und als Vermögensspeicher griffen die Menschen wieder auf die bewährten Edelmetalle zurück. Unfreiwillig erlebte König Midas "Gold" seine Rückverwandlung in reines Wasser.

Wir werden uns morgen der Frage widmen wie die Midase der heutigen Zeit jenen Betrug organisieren, der auch Sie, wenn Sie nicht aufpassen, um Ihre Ersparnisse zu bringen droht.

10. November 2008

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.