Der Crash beginnt unbemerkt. Wie angekündigt helfen Rating-Agenturen

Liebe Leser,

die Botschaft war eindeutig: Irland-Anleihen sind nach Portugal-Anleihen und Griechenland-Anleihen die nächsten fraglichen Wertpapiere an den Bondmärkten. Wer diese Papiere besitzt – gegen meinen ausdrücklichen Ratschlag – hat mit Zitronen gehandelt. Die Kurse sacken ab. Mehrheitlich war jedoch diese Woche gut für Sie, trotz sinkender Kurse. Und es wird dank Rating-Agenturen im Crash noch besser. Das schrieb ich gestern noch einmal. Der Wochenausklang bestätigt dies.

Ramsch-Anleihen beeindrucken zunächst nicht

Hin und Her ist es mit den Aktienkursen in den vergangenen Tagen gegangen. Die USA waren fast ungewöhnlich empfindlich ob der Nachrichten über die schlechte Konjunktur oder den Informationen aus Europa. Wir dagegen waren schon recht robust. Moody‘s senkte am Dienstag das Rating der Irland-Anleihen auf „Ramsch“. Die Folge: der Dax stieg am Tag danach. Für Ihre Vorsorge spielt das zunächst scheinbar keine Rolle.

Nur: Sie erhalten damit einen wertvollen Einblick in die künftige Entwicklung an den Märkten. Achtung: Aktien werden das Vorsorge-Investment schlechthin sein. Dies zeigen die Daten der zurückliegenden Tage.

Anleihen sind extrem schlecht bewertet, Aktien extrem gut

Gerade zum Wochen-Ende sieht die Situation eindeutig aus: Anleihen-Kurse rauschen nach unten. Der Anfang ist gemacht, aber die Strecke noch nicht einmal im Ansatz zurückgelegt. Weitere Negativ-Wertungen werden wie im Domino-Spiel folgen.

Portugal, Griechenland und Irland sind die ersten Ramschkandidaten. Deren künftige Schuldzins-Last steigt damit, wenn die Länder neue Anleihen aufnehmen wollen oder müssen. Dies aber wird auch andere Länder treffen.

Italien ist in den vergangenen Tagen nur ein Beispiel gewesen. Verzweifelt kämpft die dortige Regierung gegen die Rating-Agenturen, gegen die schlechte Stimmung und für Vertrauen. Es wird nichts nützen. Auch Italien muss mehr zahlen. Ebenso wird es Spanien gehen.

Strategische Auswahl wichtig

Gut für Sie: es wird sich alles zu Ihren Gunsten auswirken, wenn Sie die richtige Strategie inklusive des idealen Zeithorizonts wählen. Achtung: Die Strategie bezieht sich vor allem darauf, jetzt a) Gold, b) Silber, c) Immobilien und d) vor allem Aktien zu kaufen.

Der Hintergrund ist einfach. Die Staatsschulden sind nicht nur erneut angewachsen, sondern jetzt lassen sich auch die Rating-Agenturen nicht mehr erpressen. Bevor diese gegeneinander ausgespielt werden, wagt sich jetzt mal die eine, mal die andere Agentur hervor.

Bis die EU eine eigene Agentur gegründet hat, sind bereits viele Kinder in den Brunnen gefallen. Das Alles bedeutet: die Zinsen steigen massiv um 3%-4%-Punkte in den nächsten 12 Monaten. So schätze ich es für viele Euro-Anleihen ein. So lange die Kursverluste und die Märkte insgesamt nicht hergeben, fließt das Geld in die genannten Sachwerte. Die vergangene Woche zeigte die ersten Schritte.

Gold: Rekordhoch ein Ammenmärchen

Auch Gold können Sie als Altersvorsorge-Chance verwenden. Angeblich hat der Goldpreis ein Rekordhoch erreicht. Dies jedoch ist ein Ammenmärchen, das am Mittwoch erstmals über die Börsenschirme tickerte. Wenn Sie langfristig Vorsorge-Chancen suchen, werden Sie vor allem mit diesem Edelmetall bereits hervorragende Chancen finden.

Der Rekordpreis von Gold liegt – umgerechnet mit Grundlage zur Kaufkraft von 1980 – bei ungefähr 2.300 US-Dollar pro Unze. Dies sind noch gut 30% Puffer. Allein diese Zahl zeigt das Potenzial als wohlgemerkt langfristige Vorsorge-Investition.

Silber geht es ähnlich. Zwar ist Silber bereits sehr hoch gestiegen und anschließend auch etwas gefallen, aber damit ist die Entwicklung noch nicht vorbei. Der Kaufkraftverlust der vergangenen Jahrzehnte war zu hoch. Silber wird weiter steigen, wenn die Währungen so unter die Räder geraten wie aktuell.

Die Fonds für Edelmetalle meldeten denn dieser Tage auch weiteren Zufluss. Ich vermute, dieser Zufluss kommt vor allem aus dem Lager der Hedge-Fonds, die sich langsam ovn den Devisenmärkten zurückziehen.

Immobilien: Preise ziehen immer noch an – und eine gute Nachricht dazu

Nicht anders ist es auch in den vergangenen Tagen bei Immobilien gewesen: die Preise ziehen an. Natürlich gibt es nicht an jedem Tag einen neuen Immobilien-Index für die Republik. Es reicht aber, das Verhalten der Fonds sowie die Stimmung am Markt zu beobachten.

Erste offene Immobilienfonds, die geschlossen hatten, werden wieder aktiver. Bald schon öffnen Fonds, die Andere totgeglaubt hatten. Die Meldungen dazu häufen sich. Mehr als „Gerüchte“ jedoch kann der Markt gar nicht hergeben, da ansonsten die Spekulation an den Fondsbörsen überhand nehmen würde.

Mein kleiner Tipp dazu: sehen Sie sich den Handel an der Börse in Hamburg an, beobachten Sie Umfang und Kursentwicklung. www.fondsboerse.de. Die offenen Immobilienfonds werden dort künftig mit einem kleinen Aufschlag bewertet werden.

Das dient auch Ihrer Vorsorge. In dieser Hinsicht war die vergangene Woche gut, weil Sie mit Immobilien deutlich besser kalkulieren können als mit reinen Schuldverschreibungen – mit den Anleihen. Diese werden durch die Ramsch-Einstufung weiter verlieren und Ihnen weitere Einstiegschancen in Immobilien eröffnen, weil dort die Preise steigen.

Königsdisziplin Aktien: Branchenauswahl wichtig

Letztlich bleiben vor allem Aktien nach den jüngsten Tagen die wertvollste Anlageklasse. Als Vorsorgeinstrument flößen sie manchem Investor Angst ein. Gerade dann, wenn die Schwankungen so stark sind wie in den vergangenen Tagen.

Nur: Aktien sind jetzt sicher, wenn Sie die richtigen Branchen für Ihr Langfristdepot aussuchen. Dazu gehören aus meiner Sicht Versorger und Nahrungsmittelhersteller.

Reine Finanztitel wie Deutsche Banken, vor allem aber internationale Banken werden jedoch vergleichsweise stark schwanken. Dasselbe gilt für Versicherungsunternehmen, wie beispielsweise jetzt Dr. Erhard Liemen, Chefredakteur des „Deutschen Wirtschaftsbriefs“, warnte.

Die Flucht in Aktien aber setzt ein. Erster Beleg dafür war der Dax-Anstieg trotz der Irland-Bewertung. Da konnten auch eingefleischte Skeptiker unter den Analysten erstmals bewundern, wie sich das extreme Misstrauen Anleihen gegenüber an den Börsen auswirken wird.

Geld wandert trotz(!) neuer Unsicherheit in Aktien. Dabei geht es nicht um neues Vertrauen in die kurzfristige Entwicklung, sondern um das zugrundeliegende Sachvermögen. Damit aber bin ich wieder bei der Substanz. Wenn Sie vorsorgen wollen, sichern Sie sich die Substanz.

So beurteilen Sie Substanz richtig

Wenn es schnell und einfach gehen soll, fragen Sie sich einfach wie ich es hier gestern schon gemacht habe: welche Unternehmen brauchen wenig Geld, um in kommenden Jahren neu zu investieren? Schon dieser Blickwinkel hilft Ihnen, denn: Geld wird teurer und vor allem knapper.

Steigende Preise führen dazu, dass die Geldnachfrage steigt. Ebenso werden die Zinsen anziehen. Daher gewinnen Unternehmen mit „relativ“ geringem Investitionsbedarf sicher.

  1. Rational
  2. Novartis
  3. Henkel

Dies sind Unternehmen, die ich gestern bereits nannte. Dazu zählen auch Werte wie BASF und Bayer, meine ich. Auch wenn Sie Fonds auf Aktien haben, liegen Sie mit hoher Sicherheit richtig. All diese Investments dienen Ihrer Sicherheit und Ihrer Vorsorge. Wer jetzt Angst vor Aktien hat, verliert über Investitionen in Geldkonten oder Anleihen angesichts des neuen Rating-Dramas dieser Woche.

Das Drama wird sich fortsetzen.

Ihnen ein schönes Wochenende,

mit den besten Grüßen

Ihr

Janne Joerg Kipp

Chefanalyst

PS: Der Wochenrückblick bestätigt nur, was ich Ihnen gestern schon mitteilte. Aktien lohnen sich. Lassen Sie sich jedoch nicht davon irritieren, wenn wie am Mittwoch die Commerzbank den Dax mit hochzieht. Dies ist reine Zockerei und hat mit Vorsorge oder Schutz rein gar nichts zu tun. Diese Zockerei ist eher eine Crash-Begleitung.

15. Juli 2011
von Janne Joerg Kipp
Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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