Deutsche Autobauer im Aktien-Analyse-Check

Premium ist gefragt. Trotz hoher Kosten für die Entwicklung und Markteinführung neuer Modelle glänzte BMW im 1. Quartal auf breiter Front mit Rekordzahlen.

Der Umsatz stieg um 14,1%, der Gewinn um 18,5% und der Absatz um 11,2% auf 425.528 Autos. Die operative Rendite verbesserte sich von 11,2 auf 11,7%.

Wesentlich zu der hervorragenden Geschäftsentwicklung beigetragen hat die hohe Nachfrage in Nordamerika und Asien. Allein in China wuchs der Absatz um 36,6% auf 80.218 Autos. Zweistellige Zuwächse gab es auch in den USA und in vielen anderen Ländern Asiens.

Selbst im krisengeschüttelten Europa erreichte BMW noch ein kleines Plus von 0,5% auf 201.063 Autos.

Für das Gesamtjahr ist das Management ebenfalls optimistisch. Absatz, Umsatz und Vorsteuergewinn sollen die Rekordwerte des Vorjahres abermals übertreffen. Die operative Rendite in der Kernsparte Automobile soll am oberen Rand des auch langfristig anvisierten Korridors von 8 bis 10% liegen.

BMW übertrumpft Audi und Daimler

Im 1. Quartal waren es 11,6%. Damit schnitt BMW besser ab als die Konkurrenten Audi und Daimler. Der Markt hatte allerdings eine noch mutigere und konkretere Prognose erwartet.

Zur Begründung für die Zurückhaltung verwies BMW auf hohe Investitionen in neue Technologien wie Elektromobilität und den Ausbau des Produktionsnetzwerks.

Fahrzeuge der Oberklasse dürften noch lange boomen. Schon 2016 will BMW mehr als 2 Mio. Autos absetzen, 4 Jahre früher als geplant. Die Eigenkapitalrendite soll dann wie 2012 bei über 18% liegen.

Die Aktie hat zwar schon schwindelerregende Höhen erreicht, ist aber noch nicht zu teuer. Timing unverändert 4 Sterne.

Daimler hatte einen überzeugenden Jahresauftakt

Trotz höherer Kosten für die Entwicklung und Einführung neuer Fahrzeuge sind Umsatz und Gewinn im 1. Quartal deutlich gestiegen. Mercedes Benz lieferte 338.300 Fahrzeuge aus, 9% mehr als im Vorjahr. Die operative Rendite sank zwar von 9,3 auf 8,4%, die Pkw-Sparte bleibt aber die Ertragsperle Nummer 1.

Stark entwickelte sich der Absatz auch in der Lkw-Sparte mit einem Plus von 21% auf 107.700 Einheiten. Die Rendite ging dagegen ebenfalls von 6,6 auf 5,2% zurück. Ursächlich für die Rendite-Delle in beiden Sparten waren hohe Investitionen in die geplante Produktoffensive.

Sorgenkind bleibt weiterhin die Bussparte. Dort brachen Umsatz und Absatz aufgrund der anhaltend schwachen Nachfrage in Europa und den USA zweistellig ein. Der operative Verlust verdreifachte sich sogar auf 103 Mio. €.

Dennoch hat das Management die Jahresprognose bekräftigt: Das operative Ergebnis (EBIT) soll wieder das Rekordniveau des Vorjahres von 8,8 Mrd. € erreichen. Im 1. Quartal betrug der EBIT-Anstieg 5% auf 2,13 Mrd. €.

Umsatz und Absatz sollen dagegen mit Rückenwind durch den Pkw-Boom in Schwellenländern wie China und aufgrund der weiteren Erholung der Nutzfahrzeug-Nachfrage in Nordamerika die Vorjahresmarken übertreffen.

Zuletzt kamen Gerüchte auf über einen Ausstieg des Großaktionärs Aabar aus Abu Dhabi. Daimler hat sich dazu nicht geäußert, aber bereits Maßnahmen eingeleitet, die im Fall einer (dann leichteren) feindlichen Übernahme die Weiterführung des Konzerns erschweren bzw. zu einer Beendigung wichtiger Kooperationen führen. Timing unverändert 4 Sterne.

VW stellt alles in den Schatten

VW konnte den Rekordkurs des vergangenen Jahres eindrucksvoll fortsetzen. Der Umsatz stieg im 1. Quartal um 26% und das operative Ergebnis trotz hoher Investitionen in die Verbesserung der Produktion noch um 10% auf 3,2 Mrd €.

Der Gewinn hat sich dagegen fast verdoppelt. Hier machte sich allerdings eine höhere Bewertung von Porsche-Optionen positiv bemerkbar. Die Nettoliquidität lag bei 15,8 Mrd €. Darin enthalten ist bereits der Abfluss von 1,4 Mrd € für die Aufstockung des MAN-Anteils auf 74%.

Abgesehen von SEAT waren die Marken und Modelle des Konzerns weltweit wieder stark gefragt. In allen Kontinenten gab es Zuwächse. Lediglich in einigen Ländern Südeuropas verkaufte VW krisenbedingt weniger Autos. Insgesamt stieg der Absatz um 11,3% auf 2,26 Mio Fahrzeuge. Fast genauso viele wurden produziert, sodass es nahezu keine Lagerhaltung gab.

In diesem Jahr will der Konzern Absatz und Umsatz erneut steigern und operativ das Rekordniveau von 11,3 Mrd € des Vorjahres erreichen. Optimistisch stimmt die Vielzahl neuer Modelle, die im bewährten Baukastensystem kostengünstig gefertigt werden.

Mehrmarkenstrategie von VW geht auf

Die Mehrmarkenstrategie, die vom Kleinwagen bis zum schweren Lkw nahezu alle Segmente bedienende Modellpalette sowie die steigende Präsenz in allen wichtigen Regionen der Welt sind zusammen mit dem vielfältigen Finanzdienstleistungsangebot die zentralen Wettbewerbsvorteile des Konzerns.

Bei VW geht es eigentlich nur vorwärts. Einziger Schönheitsfehler: Die Komplettfusion mit Porsche verzögert sich wegen rechtlicher Unklarheiten. Das Timing belassen wir bei 4 Sternen.

30. Mai 2012
von
volker_gelfarth
Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete.

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