Deutsche Bank: Das hat schon was!
Am Dienstag gab die Deutsche Bank einen „Zwischenbericht zur Überprüfung ihrer Strategie“ ab, welche sie seit dem 1. Juni 2012 durchführt.
Darin heißt es unter anderem:
„Kultureller Wandel
Die Deutsche Bank bekennt sich dazu, beim Kulturwandel in der Finanzindustrie in der vordersten Reihe zu stehen. Als Teil einer Reihe von Maßnahmen, um einen kulturellen Wandel voranzubringen, überprüft die Bank ihre Vergütungsgrundsätze sowohl in Hinblick auf die absolute Höhe der Entlohnung wie auch in Hinblick auf die relative Balance zwischen der Vergütung für Aktionäre und für Mitarbeiter.
Außerdem überprüft die Bank die Verhaltens-Richtlinien für Mitarbeiter, um sicherzustellen, dass die Vorgaben in Einklang mit den höchsten Standards stehen, wie sie die Bank traditionell pflegt.“
Na sowas: Die Banken brauchen einen Kulturwandel
Halten wir zunächst einmal zu Gunsten der Deutschen Bank fest, dass sie erkannt hat, dass ein Kulturwandel in der Finanzindustrie tatsächlich notwendig ist. „Selbsterkenntnis ist ja der beste Weg zur Besserung“, wie es im Volksmund so schön heißt.
Das bedeutet im Umkehrschluss nämlich, dass sie nun öffentlich zugibt, dass sich die Banken seit Jahren in höchstem Maße unethisch verhalten.
Mich erinnert die Vorgehensweise des größten deutschen Kreditinstituts sehr stark an die vor wenigen Jahren urplötzlich geänderte Strategie der Versicherungsbranche.
Als diese seinerzeit massiv in der öffentlichen Kritik stand, schlug sie in der Werbung einen neuen Weg ein. Seither stellen sich die Versicherer in den Medien als Freund und Helfer sowie Wohltäter ihrer Kunden dar.
Die Realität sieht indes ein wenig anders aus, wie ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) noch Ende Juli feststellte.
Die Richter machten unmissverständlich klar, dass die von einem bedeutenden deutschen Lebensversicherer in deren Verträgen gestellten Bedingungen zu Abschlusskosten und Vermittlungsprovisionen für die Kunden eine unangemessene Benachteiligung darstellten.
Nachdem die Deutsche Bank ganz offensichtlich in den Libor-Skandal verstrickt ist, will sie nun wohl, ähnlich wie die Versicherungen, die Initiative ergreifen und ihr Image verbessern, indem sie sich der Öffentlichkeit als Vorreiter für den Kulturwandel in der Finanzindustrie präsentiert. Das hat schon was!
Bonuszahlungen werden überprüft
Doch schauen wir, was die Deutschen Bank noch so ändern möchte. Nun sollen also die Vergütungen der Mitarbeiter „normalisiert“ werden. Doch schon so schnell?
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass die Finanzindustrie nach den Geschehnissen während der Finanzkrise im Jahr 2008 massiv für ihre völlig überzogenen Bonuszahlungen kritisiert wurde. Nach inzwischen vier Jahren hat also auch die Deutsche Bank endlich erkannt, dass in dieser Beziehung Handlungsbedarf besteht. Das hat schon was!
Halten wir jedoch fest, dass lediglich eine Überprüfung stattfindet. Das bedeutet noch lange nicht, dass auch tatsächlich etwas geändert wird. Nun, wir werden es sehen.
Warum etwas ändern, das doch schon immer so gehandhabt wurde?
Nächster Punkt: Nun möchte die Deutsche Bank also künftig „sicherstellen, dass die Verhaltens-Richtlinien für ihre Mitarbeiter im Einklang mit den Standards stehen, wie sie die Bank traditionell pflegt.“
Diesen Satz sollten Sie sich wahrlich auf der Zunge zergehen lassen. Als ich diese Zeilen gelesen habe, habe ich mich unwillkürlich gefragt, warum eine Überprüfung der Verhaltens-Richtlinien für Mitarbeiter notwendig ist, wenn sich die Deutsche Bank doch schon immer an „hohen Standards“ ausgerichtet hat?
Und wenn ich als Bank doch solche hehren Grundsätze seit Jahren wie eine Monstranz vor mir hertrage, dann hätte eine Verstrickung in den Libor-Skandal doch eigentlich niemals geschehen dürfen?
Ich glaube vielmehr, dass nicht eine Überprüfung der Verhaltens-Richtlinien für Mitarbeiter notwendig ist, sondern eine strikte, konsequente und unnachgiebige Durchführung interner Kontrollen.
Dies gilt natürlich nicht nur für die Deutsche Bank, sondern auch für alle anderen Banken. Oder glauben Sie allen Ernstes, dass die amerikanische Großbank JP Morgan Chase bei angemessenem Risikomanagement und ausreichenden Kontrollen nicht hätte verhindern können, dass ihre Mitarbeiter 4 bis 6 Milliarden USD verzocken?
Deutsche Bank-Aktie ein Kauf?
Wenn Sie mich nun fragen, ob die Aktie der Deutschen Bank nach dem Bekenntnis ihrer Führung kaufenswert sei, dann ist meine Antwort eindeutig: Nein!

Deutsche Bank: Finger weg!
Im Chart sehen Sie, dass sich das Papier seit März dieses Jahres eindeutig in einem Abwärtstrend befindet. Schlimmer noch: Während der DAX Anfang Juni seinen Tiefpunkt markierte und seither deutlich aufwärts tendiert, nahm der Kurs der Deutschen Bank einen komplett entgegengesetzten Verlauf. Das nenne ich mal „Relative Schwäche par excellence“.
Bei der 200-Tagelinie ist es vielleicht noch nicht so offensichtlich. Der kurz- und mittelfristige Trend in Gestalt der 20-Tagelinie und der 50-Tagelinie zeigen indes sehr dynamisch nach unten.
Diese Abwärtsdynamik können Sie auch daran ablesen, dass es dem Kurs während der Erholungsbewegung Anfang Juli lediglich gelang, an der 50-Tagelinie anzudocken (gelber Kreis) – sie konnte jedoch nicht überschritten werden. Die jüngste Aufwärtsbewegung drehte sogar schon vor der 20-Tagelinie wieder nach unten (grüner Kreis).
Fazit
Ein klar abwärtsgerichtete Trend. Kurz- und mittelfristig abwärts gerichtete Tagelinien. Ein Kurs, der weit unter seiner 200-Tagelinie notiert. Und ein Lippenbekenntnis (so jedenfalls mein ganz persönlicher Eindruck), das wohl eher dem Zwecke der Image-Aufbesserung dienen soll.
Nein. Das alles reizt mich keinesfalls zum Kauf einer Deutsche Bank-Aktie. Mein nächstes Kursziel ist das Tief vom September 2011 bei 21,40 Euro (blauer Kreis und orangefarbener Pfeil).



