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Deutsche Wohnen scheitert mit Conwert-Übernahme

Die Übernahme des österreichischen Immobilien-Unternehmens Conwert durch den deutschen Branchenkollegen Deutsche Wohnen ist gescheitert. Der Bieter teilte gestern Abend mit, dass die Mindestannahmequote von 50% + 1 Aktie nicht erreicht wurde.

Obwohl Deutsche Wohnen die Unterstützung zweier Großaktionäre hatte und angenommen wurde, dass inklusive anderer Anteilseigner mit nennenswertem Anteil bereits 40% bei dem Bieter liegen, fiel das Angebot durch.

Dass fast alle anderen Aktionäre das Angebot ablehnten, wertet Conwert als Auftrag, den eingeschlagenen Kurs zur Profitabilitätssteigerung fortzusetzen.

Übernahme-Aus lässt Conwert-Aktionäre kalt

An der Börse sorgte das Übernahme-Aus für wenig Enttäuschung. Dies lag auch daran, dass der Bieter schon ankündigte, dass es knapp werden würde. Am Mittag notiert die Aktie in einem schwächeren Markt rund 1% tiefer.


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Dass es keine Abfuhr gab, liegt vermutlich auch an der Conwert-Äußerung, dass „man weiter mit einer Konsolidierung auf dem deutschen und österreichischen Immobilienmarkt rechne und dabei das beste Resultat für die Aktionäre herausholen möchte“. Conwert sieht sich als unterbewerteten Übernahme-Kandidaten.

Deutsche Wohnen-Aktie reagiert ebenfalls nicht auf Übernahme-Aus

Ebenfalls relativ gelassen auf das Übernahme-Aus reagieren die Aktionäre des Bieters. Deutsche Wohnen-Aktien liegen am Vormittag im Plus, drehen dann aber leicht ins Minus. Von Enttäuschung, dass eine große Chance vertan wurde, ist nichts zu spüren.

Vermutlich sind einige Investoren sogar dankbar, für die Disziplin des Managements. Eine Chance ist nur eine Chance, wenn es auch etwas zu gewinnen gibt. Ist der geforderte Preis zu hoch – dann eben nicht.

Conwert-Aktie kann vom Branchen-Boom nicht profitieren

Am fairen Wert der Conwert-Aktie scheiden sich die Geister. Eine isolierte Betrachtung des NAVs zeigt eine Unterbewertung. Dennoch wären die Großaktionäre Haselsteiner und Ehlerding bereit gewesen die Offerte anzunehmen.

Das liegt auch wohl daran, dass das Management, es nicht geschafft hat, für die Aktionäre einen Mehrwert zu schaffen. Während 2014 ein großer Run auf Immobilienaktien aus dem deutschsprachigen Raum stattfand, durften sich Conwert-Aktionäre mit einer Nullrunde begnügen.

Deutsche Wohnen wäre da eine gute Chance gewesen – auch um das ständige Hickhack zu beenden. Protestfrei wurden fast nie Entscheidungen gefällt.

Ohne Ruhe unter den Großaktionären und operativen Fortschritten wird die Aktie nicht Richtung NAV gehen

Der Übernahme-Sensor ist gespannt, wie es mit der Aktie weitergeht. Bei mehreren Baustellen dürfte ein größeres Problem die hohe Verschuldung sein. Will das Unternehmen eine Umschuldung, um die Finanzierungskosten zu drücken, könnte eine Kapitalerhöhung fällig sein.

Das Management hat mit Ablehnung der Übernahme-Offerte den Rückhalt der Anleger und eine Kapitalerhöhung ist mittelfristig strategisch richtig. Kurzfristig ist dies allerdings ein Risikofaktor für Investoren.

Was sicherlich nicht hilfreich für den Aktienkurs sein wird, ist der offene Schlagabtausch zwischen dem Großaktionär Petrus Advisers und Haselsteiner.

Vielleicht sollten sich die beiden Mal auf einen Kamillentee treffen und privat regeln, wie es zum Wohle aller Aktionäre mit dem Unternehmen weitergehen kann. Die öffentliche Drohung eines „Aktionärskriegs“ wird den Wert der Aktie wohl nicht steigern.

16. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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