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Die Geldverbrenner: Asian Bamboo

In dieser Woche findet in der deutschen Finanzmetropole Frankfurt am Main die wichtigste Analysten- und Investorenveranstaltung des Jahres statt. Es handelt sich dabei um das „Deutsche Eigenkapitalforum“.

Innerhalb von 2 Tagen präsentieren sich in Frankfurt rund 200 Unternehmen. Für viele Unternehmen ist das die wichtigste Veranstaltung des Jahres.

Mit der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG aus Berlin habe ich Ihnen gestern ein deutsches Medizintechnik-Unternehmen vorgestellt, das mit Problemen zu kämpfen hat, es aber dennoch schafft, in der Gewinnzone zu bleiben und stetig Dividenden zu zahlen.

Heute morgen hat ein Unternehmen den Konferenztag eröffnet, vor dem ich schon seit längerer Zeit warne: Asian Bamboo. Die Geschäftszahlen des Unternehmens sind eine Katastrophe. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Nach einer kurzen „Blützezeit“ ist der Aktienkurs von 40 auf 0,80 Euro abgestürzt.

Die Zahlen zeigen, dass dieser Absturz gerechtfertigt ist. Asian Bamboo kann aber als Negativ-Beispiel dienen. Auch das ist für Privatanleger wichtig. Daher stelle ich Ihnen heute den Aufstieg und Absturz des Unternehmens kurz vor.

Asian Bamboo im Portrait

Die Asian Bamboo AG wurde 2007 als Aktiengesellschaft nach deutschem Recht gegründet und hat ihren Hauptsitz in Hamburg. Das operative Geschäft erledigen 2 Tochtergesellschaften in Hongkong.


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Das Geschäftsmodell sah vor, dass Asian Bamboo im großen Stil Bambus-Plantagen bewirtschaftet und dann das Holz und die Bambus-Sprossen verkauft.

Diese Geschäftsidee hat viele Anleger fast schon magisch angezogen. Asian Bamboo hat gleich 3 große Trends abgedeckt: 1) die China-Phantasie, 2) den Wunsch, ein „grünes Investment“ zu tätigen (Bambusholz statt Edelhölzer) und 3) den Boom nach Bio-Produkten (Bambus-Sprossen).

Mit dem eingesammelten Geld hat Asian Bamboo in der Spitze eine Plantagenfläche von über 50.000 Hektar bewirtschaftet.

Das Problem: Das Geschäftsmodell klang gut, doch die Zahlen waren schlecht. Negativer Höhepunkt waren die Zahlen für das Geschäftsjahr 2013. Der Umsatz sank um 55% auf 31,4 Mio. Euro, der Konzernjahresfehlbetrag explodierte von 19,8 auf 199,9 Mio. Euro (!) und die liquiden Mittel schrumpften von 38,6 auf 28,5 Mio. Euro. Mit anderen Worten: Eine Horrorshow für Asian-Bamboo-Aktionäre.

Management will das Unternehmen neu erfinden

Da im operativen Geschäft keine Besserung in Sicht ist, hätten viele Unternehmen das Geschäft abgewickelt, die AG aufgelöst und die restlichen Mittel an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Manager von Asian Bamboo gehen einen anderen Weg: Sie wollen das Unternehmen neu erfinden.

Zunächst haben die Manager untersucht, warum das Bambus-Geschäft gescheitert ist. Die Ergebnisse: Die schwache Weltkonjunktur, die zu starke chinesische Währung, die schwache Rohstoffnachfrage, das schlechte Wetter, steigende Löhne und die Flucht der Landarbeiter in die Städte.

Der letzte Punkt, die Flucht der Landarbeiter in die Städte, hat bei den Managern von Asian Bamboo eine Idee ausgelöst: Wir machen aus der Schwäche eine Stärke.

Wenn die Landarbeiter in die Städte ziehen und nicht mehr für Asian Bamboo Bambus anpflanzen wollen, dann wird das Unternehmen diesen Bereich aufgeben und im Gegenzug Eigenheime für die wachsende Stadtbevölkerung bauen.

Lin Zuojun, der Gründer und Vorstands-Boss von Asian Bamboo, formuliert es so: „Die gleichen Faktoren, die für die Probleme im Plantagen-Geschäft verantwortlich sind, begünstigen unser Immobilienprojekt.“

Aus den Bambus-Experten werden über Nacht Immobilien-Experten. Auch mit dieser Entwicklung habe ich Bauchschmerzen. Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass sich der chinesische Immobilienmarkt abkühlt. Es ist fraglich, ob Quereinsteiger in diesem schwierigen Markt plötzlich das große Geld verdienen können.

Die Zahlen und überraschenden Entwicklungen zeigen Ihnen, wie spannend und unterhaltsam eine Unternehmenspräsentation sein kann.

Ich kann mein altes Urteil aber auch heute nur wiederholen: Finger weg von dieser Aktie! Das ist ein Hoch-Risiko-Papier. Das erste Geschäftsmodell ist gescheitert, ob der zweite Anlauf Erfolge bringt, ist fraglich.

Fazit: Seien Sie vorsichtig, wenn an der Börse verstärkt mit Trends wie „grüne Geldanlage“ oder „China-Phantasie“ geworben wird. Oft überdecken diese langfristig orientierten Schlagworte operative Schwächen im aktuellen Tagesgeschäft.

 

26. November 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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