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Die implizite Volatilität

Die implizite Volatilität (erwartete Schwankungsstärke) ermöglicht es Ihnen, verschiedene Optionsscheine auf denselben Basiswert und mit vergleichbaren Eigenschaften in Bezug auf die Restlaufzeit und den Basispreis hinsichtlich ihrer Attraktivität zu bewerten.

Wichtig: Grundsätzlich ist der Optionsschein mit der niedrigsten impliziten Volatilität am günstigsten bewertet und somit Ihre 1. Wahl.

Die Volatilität ist ein statistisches Maß für die Schwankungsintensität des Basiswerts und definiert somit die Chance, dass sich der Kurs des Basiswerts innerhalb der Laufzeit in eine für Sie, den Optionsschein-Besitzer, günstige Richtung entwickelt.

Die Emissionsbanken, die Optionsscheine auf den Markt bringen, kalkulieren den Optionsschein- Preis wie folgt: Schwankt der Basiswert (zum Beispiel eine Aktie) sehr stark, muss die Bank damit rechnen, dass der Kurs auch in eine für den Investor günstige Richtung pendelt.

Daher werden die Banken mehr Geld für einen Optionsschein verlangen. Erwarten die Banken dagegen nur geringe Schwankungen, ist ihr Risiko, dass der Basiswert genau in die vom Anleger gewünschte Richtung marschiert, geringer und sie bieten den Optionsschein günstiger an.


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Die konkrete Auswirkungen auf den Optionsschein-Kurs: Wenn alle Kennzahlen wie Kurs des Basiswertes, Zinserwartung und Dividende konstant bleiben und nur die implizite Volatilität steigt, wird das den Kurs des Optionsscheins nach oben treiben.

Gleichzeitig gilt auch: Sinkt die Volatilität, verliert Ihr Optionsschein an Wert, obwohl sich der Kurs des Basiswerts gar nicht bewegt hat.

Da ein Optionsschein bei Konstanz aller anderen Bewertungskennzahlen mit einer Erhöhung der Volatilität teurer wird, bedeutet die niedrige implizite Volatilität eines Optionsscheins aus Sicht des Käufers eine vergleichbar günstige Bewertung und der Optionsschein sollte daher bevorzugt werden.

Dabei müssen Sie jedoch beachten, dass nur Optionsscheine auf denselben Basiswert und mit ähnlichen Eigenschaften hinsichtlich der Restlaufzeit und des Basispreises miteinander verglichen werden.

Kennzahlen wie die Volatilität sind wichtig –über den Erfolg Ihres Optionsscheins entscheidet aber letztendlich, ob sich der von Ihnen gewählte Basiswert (zum Beispiel eine Aktie oder ein Index) in die von Ihnen erwartete Richtung bewegt.

Bei einem Kauf-Optionsschein (Call) muss der Basiswert steigen, bei einem Verkaufs-Optionsschein (Put) sinken.

In einem zweiten Schritt sollten Sie dann Kennzahlen wie Restlaufzeit und die implizite Volatilität einzelner Optionsscheine in Ihre Überlegungen einbeziehen, da sie die relative Attraktivität innerhalb vergleichbarer Optionsscheine transparent macht und somit eine Verbesserung der Rendite bei Eintreten der erwarteten Kursentwicklung des Basiswerts erwarten lässt.

Anwendung in der Praxis – ein kleines Beispiel: Die Kennzahl „Volatilität“ spielt bei den  eine wichtige Rolle. Während der dreijährigen Talfahrt der Börsenkurse von März 2000 bis März 2003 stieg die Volatilität für den deutschen Aktien-Index DAX auf über 50%. Das ist auch im historischen Vergleich ein äußerst hoher Wert.

Die Folge: Optionsscheine auf den DAX waren sehr teuer. In dieser Phase habe ich Ihnen daher nur selten Optionsscheine empfohlen und bin stattdessen auf Hebel-Zertifikate ausgewichen (bei diesem Hebel-Instrument spielt die Volatilität keine Rolle).

In den vergangenen 2 Jahren ist die erwartete Volatilität für den DAX von über 50 auf unter 15 gesunken. Das ist ein ideales Szenario, um in Optionsscheine einzusteigen.

Viele Optionsscheine sind zurzeit sehr günstig bewertet.

Ich erwarte hier einen zusätzlichen Gewinnhebel. Die zu erwartende Volatilität sollte in den nächsten Monaten wieder ihren historischen Durchschnittswert im Rahmen von 20 bis 30 erreichen.

Steigt die implizite Volatilität wie von mir erwartet von zurzeit 14 auf deutlich über 20, werden die entsprechenden Optionsscheine selbst dann leichte Gewinne verbuchen, wenn sich der DAX kaum bewegt.

11. Februar 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.