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Die neuen Staatsbankrott-Vokabeln: die «sanfte Umschuldung»

Politiker verfügen selten über große Wirtschaftskenntnisse (in Österreich wurde das in dieser Woche sogar öffentlich ausgesprochen), sie sind aber sehr kreativ, wenn es um neue Begriffe geht. So soll es in Griechenland keinen offiziellen Staatsbankrott oder harten Schuldenschnitt geben, sondern wahlweise eine «sanfte Umschuldung», eine «weiche Umschuldung» oder – auch sehr nett formuliert – ein «Reprofiling».

Wortführer in dieser Diskussion ist der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker. Er sprach jetzt auch ofiziell aus, was die Investoren am Anleihenmarkt schon lange wissen: Griechenland kann und wird die Schulden nicht fristgerecht und in voller Höhe zurückzahlen können.

Um die Börse nicht in Panik zu versetzen, hat sich Juncker aber gegen einen «harten Schuldenschnitt» ausgesprochen. Anders als zum Beispiel in Argentinien, soll der Nominalwert der Anleihen nicht plötzlich um 50 oder 70% gekürzt werden.

Längere Laufzeiten, weniger Zinsen

Die jetzt ins Gespräch gebrachte «weiche» Lösung sieht vor, dass die Laufzeit der Anleihen verlängert wird. Der Vorteil: Griechenland bräuchte kurzfristig kein Geld, um alte Schulden abzulösen und könnte zunächst die heimische Wirtschaft stabilisieren.

Einige Experten gehen noch einen Schritt weiter und fordern, dass gleichzeitig die Zins-Kupons gekürzt werden, damit die laufende Belastung reduziert wird. Für diese «radikalere» Lösung zeichnet sich aktuell in der Euro-Gruppe aber noch keine Mehrheit ab.

Die scheinbar perfekte Lösung ohne Verlierer


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Die Laufzeitverlängerung der griechischen Staatsanleihen ist auf den ersten Blick die perfekte Lösung: Es gibt keine Verlierer. Griechenland gewinnt Zeit und die Anleihen-Besitzer haben keinen Vermögensverlust, müssen nur etwas länger auf die Rückzahlung warten.

Für die Banken und Versicherungen, die sich mit diesen Staatsanleihen vollgesaugt haben, ist es wichtig, dass auf dem Papier kein Verlust steht. Wenn der Nominalwert der Anleihen erhalten bleibt und die Bilanzregeln erlauben, dass der Nominalwert und nicht der aktuelle Marktwert bilanziert werden kann, müssten die Banken und Versicherungen zunächst keine neuen Abschreibungen befürchten.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Die Laufzeitverlängerung ist aber leider keine Lösung des Schuldenproblems, sondern nur eine kosmetische Korrektur. Denn: Der Schuldenberg schrumpft dadurch nicht. Er wird immer weiter wachsen. Nur der Tag der Abrechnung wird nach hinten geschoben.

Wenn Griechenland wieder handlungsfähig werden will, muss der Schuldenberg schrumpfen. Dafür ist ein «harter Schuldenschnitt» notwendig. Das können sich aber die Banken, Versicherungen und Pensionsfonds nicht leisten, da neue Abschreibungen entstehen würden.

Mögliche Lösung: Besitzer können auswählen

Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, bringt eine mögliche Kompromisslösung ins Spiel: Die Besitzer der Anleihen können zwischen einer harten und weichen Umschuldung wählen.

Variante 1 sieht vor, dass die Besitzer der Anleihen bei Fälligkeit sofort ihr Geld bekommen, allerdings mit einem hohen Abschlag (z.B. 50%). Die finanzstarken Institute könnten dann den Verlust in eine Jahresbilanz stecken und danach das Thema Griechenland-Krise vergessen.

Variante 2 setzt auf die weiche Lösung. Die Laufzeit der Anleihen wird verlängert. So entstehen keine Verluste auf dem Papier, das Geld ist dafür aber lange Zeit gebunden. Finanzschwache Banken und Versicherungen könnten so größere Einmalbelastungen vermeiden.

Der Vorteil der Straubhaar-Lösung: Der Schuldenberg würde zumindest ansatzweise abgebaut. Griechenland bekommt wieder Luft zum Atmen. Gleichzeitig entsteht kein Chaos an den Börsen, weil jeder Anleihen-Besitzer die für sich beste Lösung frei wählen kann.

Das Risiko: Der Dominoeffekt setzt ein

Strikt gegen eine weiche oder harte Umschuldung kämpft (noch) die Europäische Zentralbank (EZB). Die Angst der Notenbanker: Wenn einmal klar ist, dass ein EU-Staat die Zahlungsverpflichtungen bricht, wird das Vertrauen in die anderen Länder noch weiter sinken. Die Risiko-Prämien steigen, die Refinanzierung wird teurer.

Ich möchte hier im Schlussgong noch einen anderen Aspekt betonen: Ein Schuldenerlass sollte der letzte Ausweg sein. Vorher muss der Schuldner alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Aus meiner Sicht ist das nicht der Fall. Die Griechenland-Krise ist 2010 eskaliert. Die Regierung hatte ausreichend Zeit, durch Privatisierungen Geld einzusammeln.

Es kann nicht sein, dass die Kreditgeber auf Geld verzichten sollen, der Kreditnehmer aber noch Versorger, Telekom-Unternehmen, Lottogesellschaften und Immobilien besitzt und keinerlei ernsthafte Versuche unternimmt, diese Vermögenswerte zu Geld zu machen. Griechenland soll den Staatsbesitz nicht zu Mini-Preisen verschenken, aber etwas mehr Einsatz sollte schon gezeigt werden.

18. Mai 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.