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Die Überlebenden des Neuen Marktes

Heute möchte ich zum Abschluss des Börsenjahres 2014 über die „Überlebenden“ des sogenannten Neuen Marktes berichten.

Da die meisten Anleger mit dem Neuen Markt gedanklich (fast) ausschließlich Geldvernichtung, persönliche Börsenverluste und spektakuläre Pleiten verbinden, möchte ich Ihnen heute aufzeigen, dass dies nur ein Teil der Geschichte des Neuen Marktes ist.

Denn: Es ist beileibe nicht so, als wären alle Unternehmen, die zum Zeitpunkt des Untergangs des Neuen Marktes im entsprechenden Aktien-Index Nemax 50 gelistet waren, verschwunden.

Im Gegenteil: Einige dieser Unternehmen haben sogar nach dem Ende des Neuen Marktes eine sehr erfreuliche Entwicklung mitgemacht. Ich werde Ihnen heute einige der, wenn Sie so wollen, Überlebenden des Neuen Marktes vorstellen.

Die erfolgreichen Überlebenden

Beginnen möchte ich mit Bertrandt. Der Ingenieurdienstleister war zusammen mit dem Telekommunikationsanbieter Mobilcom das erste Unternehmen, welches im Zuge des Neuen Marktes an die Börse ging.

Zur Zeit des Neuen Marktes lag der höchste Kurs der Bertrandt-Aktie bei rund 30 Euro. Heute notiert die Aktie bei über 116 Euro. Dieses Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren also prächtig entwickelt.


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  • China Mobile (China), größter Mobilfunkanbieter weltweit
  • Vale (Brasilien), größter Eisenerzlieferant der Welt
  • Novo Nordisk (Dänemark), führender Hersteller Insulin der Welt
  • Petrochina (China), zweitteuerstes Unternehmen der Welt
  • Burberry Group (England), führender Luxushersteller der Welt
  • Harley Davidson (USA), legendärster Motorradhersteller der Welt

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Das zweite positive Beispiel, das ich anführen möchte, ist der Medizin-, Sicherheit- und Tauchtechnik-Spezialist Drägerwerk aus dem Schleswig-Holsteinischen Lübeck. Drägerwerk ging zwar schon viel früher als Ende der Neunziger an die Börse, war aber dennoch im Nemax 50 vertreten.

Der Aktienkurs erreichte zu Zeiten des Nemax 50 in der Spitze ein Kursniveau von fast 60 Euro und notiert heute bei rund 84 Euro. Die Entwicklung der Drägerwerk-Aktie seit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes ist also ebenfalls als positiv zu bewerten (hinzu kommen noch die regelmäßig gezahlten Dividenden).

Was einen nicht umbringt, macht einen nicht immer stärker

Die wohl prominentesten Beispiele für Überlebende des Neuen Marktes, deren Aktienkurs sich in der Folge negativ entwickelt hat, sind Telegate und die Deutsche Telekom.

Wer erinnert sich nicht an den Kommunikationsdienstleister Telegate, der mit dem Gesicht von Verona Pooth (ehemals Feldbusch) und dem Slogan “da werden Sie geholfen” warb. Die Telegate-Aktie notierte zwischenzeitlich bei knapp 150 Euro und steht aktuell bei 3,40 Euro.

Ähnlich erging es der Aktie der Deutschen Telekom, welche zwar nicht im Nemax 50 vertreten war, aber dennoch stets im Zusammenhang mit dem Neuen Markt gesehen und genannt wird.

Wenn Sie an diesen Börsengang denken, dürfte auch Ihnen noch der Begriff der „Volksaktie“ im Kopf herumspuken. Beim Börsengang der Telekom war der in Deutschland sehr bekannte Schauspieler Manfred Krug das Gesicht der Werbekampagne.

Dieser entschuldigte sich übrigens im Zuge eines Interviews bei den Anlegern, die auf sein Werben hin die Telekom-Aktie gekauft hatten und später herbe Verluste hinnehmen mussten. Die Telekom trennte sich daraufhin von ihm.

Der höchste Kurs der Telekom-Aktie lag zu Zeiten des Neuen Marktes bei knapp 100 Euro. Heute liegt der Kurs der Aktie bei gut 13 Euro.

Mein persönliches Fazit: Aktien wichtiger Vermögensbaustein

Zusammenfassend in einem Satz müsste man den damaligen Börsen-Boom sagen, dass einem rasanten Aufstieg ein  genauso rasanter Abstieg folgte.

Daraus ergibt sich, dass in dieser Zeit leider eine Menge Geld vernichtet wurde und fast noch bedauerlicher ist, dass aufgrund dessen viele Menschen in Deutschland noch immer die Anlageklasse Aktien fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

Trotzdem war damals nicht alles schlecht. Denken Sie an die oben genannten erfolgreichen Überlebenden des Neuen Marktes. Außerdem hat diese Zeit den Weg für den heutigen TecDax geebnet, der einige erfolgreiche Unternehmen beheimatet.

Speziell in der aktuellen Niedrig-Zins-Phase führt aus meiner Sicht kein Weg an Aktien vorbei. Der Untergang des Neuen Marktes ist auch heute noch eine gute Warnung vor überhitzten Aktien, aber kein Grund, diese renditestarke Anlageklasse zu meiden.

31. Dezember 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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