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Eberhard Reiff im Interview über die Reiff-Anleihe

Die Reiff-Gruppe ist mit 1.500 Mitarbeitern in den 3 Geschäftsbereichen Reifen und Autotechnik, Technischer Handel und Elastomertechnik aktiv. 2010 hat sie ihr 100-jähriges Jubiläum gefeiert und besteht heute aus 19 Gesellschaften mit 80 Standorten in 6 Ländern.

Nun hat die Gesellschaft eine 5-jährige Anleihe mit einem Volumen von 30 Mio. € platziert. Anfang Mai haben wir Ihnen schon von der Anleihe der Albert Reiff GmbH & Co. KG berichtet. Nun stand uns der Geschäftsführer Eberhard Reiff Rede und Antwort.

GeVestor: Herr Reiff, die Reiff-Gruppe hat im Mai eine Unternehmensanleihe begeben. Wie bewerten Sie die Emission im Rückblick?

Eberhard Reiff: Die Emission war für uns ein voller Erfolg. Nach nur einer halben Stunde war die Anleihe bereits 3,5-fach überzeichnet. Wir haben von allen Seiten positive Rückmeldungen bekommen – sei es von Kunden und anderen Geschäftspartnern oder von Banken.

Es ist schön von anderen Emittenten und Institutionen wie zum Beispiel der IHK zur erfolgreichen Platzierung beglückwünscht zu werden.

Gerade auch was die Bekanntheit und das Image betrifft, hat die Anleihe der Reiff-Gruppe einen Schub gegeben und bestätigt, dass genau die Werte, die wir täglich leben, nämlich Tradition und Solidität, Vertrauen schaffen. Nicht nur bei Anlegern, sondern auch bei langjährigen Geschäftspartnern.

GeVestor:Warum haben Sie sich für die Emission einer Anleihe entschieden?

Reiff: Der Kauf von Reifen Krupp in Schifferstadt war Auslöser. In dem Zusammenhang haben wir Ende letzten Jahres angefangen, uns konkret Gedanken über eine Anleihe-Emission zu machen, insbesondere um unabhängiger von den Banken zu werden.

Dabei haben wir selbstverständlich auch andere Alternativen wie Club-Deals einbezogen und das Für und Wider gegeneinander abgewogen. Die SWOT-Analyse hat letztlich den Ausschlag gegeben, die Anleihe zu platzieren. Und nicht zuletzt hatten wir bei der Sache auch ein gutes Gefühl.

GeVestor: Sie sagen selbst, dass Sie Für und Wider gegeneinander abgewogen haben. Welche Schwächen und Risiken haben Sie gesehen?

Reiff: Fangen wir doch einmal mit den Stärken an: Wir konnten neben der Banken- und Leasing-Finanzierung eine 3. Fremdfinanzierungs-Quelle erschließen und damit die Abhängigkeit von den Banken reduzieren.

Zu beachten war die Tatsache, dass die Anleihe-Emission ein kostenintensives Projekt ist und einmalig interne Ressourcen gebunden hat, darüber hinaus ein starres Finanzierungsinstrument ist.

Überwogen hat letztlich, dass die Emission nach außen image-fördernd wirken kann und die Stakeholder am Unternehmen teilhaben lässt, was sich nun bewahrheitet hat. Das aus unserer Sicht größte Risiko waren unvorhersehbare Einflüsse aus der Weltwirtschaft, die glücklicherweise nicht eingetreten sind.


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Vorsitzender der Geschäftsleitung REIFF-Gruppe: Eberhard Reiff.*

GeVestor: Reiff ist ein Familienunternehmen mit über 100-jähriger Geschichte. Gab es Bedenken an die Börse zu gehen?

Reiff: Die Reiff-Gruppe ist und bleibt ein Familienunternehmen. Wir bestehen seit über 100 Jahren, und gerade unseren Mitarbeitern gegenüber war es wichtig unsere traditionellen Werte zu vermitteln.

Also haben wir früh  kommuniziert und insbesondere auch ganz klar den Unterschied zwischen einer Anleihe und einer Aktie herausgestellt.

Dabei war es wichtig, dass jeder Mitarbeiter, von der Führungskraft bis zum Monteur, der Argumentation folgen konnte. Wenn dennoch Fragen aufgetaucht sind, haben die Vorgesetzten oder auch das Anleihe-Informationszentrum – in unserem Fall aus den Reihen unserer eigenen Mitarbeiter rekrutiert – diese beantwortet.

GeVestor: Warum haben Sie das Anleihe-Informationszentrum mit eigenen Mitarbeitern besetzt, und gibt es weitere Besonderheiten?

Reiff: Uns ist es wichtig authentisch zu kommunizieren und so das Vertrauen der Anleger zu gewinnen.

Von den Anrufern haben wir durchweg positive Rückmeldungen erhalten – sie wurden und werden von unseren Mitarbeitern gut betreut und sind so ganz „nah“ am Unternehmen, statt mit einem Mitarbeiter in einem anonymen Call-Center zu sprechen. Das schafft Authentizität und Vertrauen.

Eine weitere Besonderheit war sicherlich, dass wir in der Kommunikation unser Augenmerk insbesondere auf die eigenen Mitarbeiter und auf die regionalen Medien gesetzt haben. Reiff ist in Baden-Württemberg eine Marke. Man kennt uns.

Das haben wir für uns genutzt.

Selbstverständlich haben wir auch die einschlägigen Finanzmagazine und -zeitungen bedient, im Rückblick halte ich aber gerade den Fokus auf unsere Region für essentiell.

GeVestor: Wofür werden die Mittel aus der Anleihe eingesetzt?

Reiff: Die Reiff-Gruppe will in allen Geschäftsbereichen expandieren.

Für den Geschäftsbereich Reifen und Autotechnik bedeutet das die Finanzierung der Neuakquisition Reifen Krupp, den Ausbau der logistischen Infrastruktur von Fach- und Großhandel, für den Geschäftsbereich Technische Produkte planen wir Neuakquisitionen sowie den Ausbau von IT und logistischer Infrastruktur.

Und auch im Bereich Elastomertechnik möchten wir Wachstumsbranchen erschließen. Die Anleihe bietet für all das eine gute Basis und bildet nun eine weitere Säule der Unternehmensfinanzierung.

GeVestor: Ändert die Anleihe-Emission Ihr Kommunikationsverhalten als Traditionsunternehmen?

Reiff: Transparenz ist wichtig. Mit Begebung der Anleihe erfährt die Unternehmenskommunikation der Reiff-Gruppe einen Wandel. Bis 2011 war die Reiff-Gruppe in Sachen Finanzkommunikation ein unbeschriebenes Blatt.

Uns war von Anfang an klar, dass wir deutlich offener und transparenter kommunizieren müssen. Was wir zugegebenermaßen vorher gescheut haben, ist im Nachhinein betrachtet ein absolut richtiger und wichtiger Schritt gewesen:

Im Gegensatz zu unseren Befürchtungen ist das Offenlegen von Zahlen und Fakten in vielerlei Hinsicht hilfreich. Ich bin der Überzeugung, dass sich stetige Finanzkommunikation und die damit verbundene Transparenz früher oder später auszahlen.

GeVestor: Welche Informationen haben Sie bis jetzt veröffentlicht, die Sie so vorher keinem großen Publikum vorgestellt haben? Wie gehen Sie weiter vor?

Reiff: Wir sind 3 Monate vor Zeichnungsstart in die aktive Kommunikationsphase gestartet, haben im Verhältnis zu früheren Zeiten mehr Informationen zum Unternehmen veröffentlicht (Geschäftsverlauf Q4/2011, Reiff-Gruppe mit Reifen Krupp Europas größter Motorradreifenhändler).

2 Wochen vor Zeichnungsstart markierte die Pressekonferenz zur Anleihe, auf der wir wesentliche Unternehmenskennzahlen veröffentlicht haben, den Höhepunkt der diesjährigen Finanzkommunikation.

Für die nächsten Jahre haben wir einen Finanzkalender erstellt, so dass Interessenten  zu wichtigen Ereignissen wie dem Zwischenabschluss, dem Konzernjahresabschluss und dem Folgerating Informationen erhalten. Selbstverständlich müssen wir auch außer der Reihe bei relevanten Ereignissen informieren.

GeVestor: Würden Sie anderen Unternehmern empfehlen, eine Anleihe zu begeben?

Reiff: Nach den gesammelten Erfahrungen kann ich in jedem Fall sagen: Wir als Reiff-Gruppe würden jederzeit wieder eine Anleihe begeben. Ob die Emission einer Anleihe für Unternehmen A oder B das Richtige ist, ist letztlich immer individuell abzuwägen.

Wir haben uns in der Phase der Entscheidungsfindung auch Erfahrungswerte bei anderen Emittenten eingeholt und selbstverständlich vermitteln auch wir nun gerne anderen Mittelständlern unsere Erfahrungen.

*(c) REIFF.

16. Juni 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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