Erdöl – ist das schwarze Gold bald wertlos?

Der Ölpreis ist so niedrig wie schon lange nicht mehr – und das bereits seit fast einem Jahr. Hielten manche den Preisverfall anfangs noch für eine heftige, aber vorrübergehende Delle, verdichten sich nun die Hinweise, dass der billige Ölpreis für die kommenden Jahre wohl zum Dauerzustand werden könnte.

Die Gründe sind simpel: Die OPEC-Staaten, und allen voran Saudi-Arabien, fürchten um ihr Geschäftsmodell. Mit Sorge beobachten sie die zunehmende Umweltaffinität der Industrienationen, die Bemühungen um Schadstoffbegrenzungen, die Investitionen in alternative Energien.

All das scheint etwa in Westeuropa kaum noch aufzuhalten zu sein. Doch nun drohen selbst die sonst so verschwenderischen USA, eine Umweltinitiative von Barack Obama umzusetzen.

Saudische Angst vor sinkender Nachfrage

Die Rechnung ist einfach: Wird Öl zu teuer, beschleunigt sich diese Entwicklung. Womöglich setzen dann sogar bald Schwellenländer auf erneuerbare Energien. Die Nachfrage würde rapide sinken, Saudi-Arabien womöglich auf seinem vermeintlichen schwarzen Gold sitzenbleiben, das dann nahezu wertlos wäre.

Um dem vorzubeugen, hilft aus ihrer Sicht offenbar nur die Flucht nach vorn. Man kann es sich leisten: Kaum ein Land produziert Öl so günstig wie der Wüstenstaat. Manch andere OPEC-Staaten, wie beispielsweise Venezuela, sind daher wenig erbaut über die Strategie der Saudis, den Ölpreis niedrig zu halten.


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Doch es steckt durchaus Kalkül dahinter. Denn die USA haben mit ihrer Fracking-Industrie längst begonnen, sich in Sachen Öl unabhängiger zu machen von der OPEC. Allerdings ist Fracking derzeit noch relativ teuer, sodass die Profitabilität leidet, wenn der Ölpreis zu niedrig ist.

Fracking wird kosteneffizienter

Saudi-Arabien könnte auf diese Weise also unliebsame Konkurrenten aus dem Markt drängen, so die Theorie. Die Fakten sprechen bislang jedoch eine andere Sprache. Die vor einigen Monaten noch totgeglaubte Fracking-Industrie lebt nach wie vor, und obwohl Investitionen gekürzt und Stellen gestrichen wurden, lag die Menge des eingelagerten Ölvorrats im Juli deutlich über den internationalen Schätzungen.

Auch wird die Fördermethode kosteneffizienter: Hieß es noch vor wenigen Monaten, Fracking sei erst ab einem Ölpreis von etwa 75 Dollar je Barrel rentabel, sind es mittlerweile nur noch 60 Dollar – Tendenz weiter sinkend.

Unterdessen fördern die Saudis, was das Zeug hält: Allein im Juni hat Saudi-Arabien 10,6 Millionen Barrel Öl gefördert, soviel wie zuletzt vor 35 Jahren.

Ölgiganten leiden, Industrie profitiert

Wer unter den anhaltend niedrigen Preisen leidet, sind die westlichen Ölmultis. BP, Shell, Chevron, ExxonMobil – sie alle schreiben tiefrote Zahlen. Sie stellen sich auf weiterhin raue Zeiten ein, fahren Investitionen zurück, trennen sich von Vermögenswerten und bauen Arbeitsplätze ab.

Doch es gibt auch Nutznießer der Entwicklung. Zahlreiche Industrieunternehmen produzieren sehr viel kostengünstiger, seit die Beschaffungskosten für den Rohstoff gesunken sind. Wer Glück hat, muss diese Entwicklung nicht einmal an seine Kunden weitergeben, sondern wirtschaftet ordentlich in die eigene Tasche.

Auch Fluglinien profitieren deutlich von den niedrigen Ölpreisen. Immerhin machen die Kerosinkosten einen Großteil ihrer Ausgabenseite aus. Vor allem Billigairlines können ihre Tickets dadurch noch günstiger anbieten, was manch etablierte Linie wie etwa die Lufthansa zusätzlich unter Druck setzt.

Deutsche Autobauer: Zwei Seiten der Medaille

Für deutsche Autobauer gibt es zwei Seiten der Medaille: Einerseits verkaufen sich spritschluckende Limousinen derzeit wieder deutlich besser, die Absatzzahlen etwa für Geländewagen in den USA haben zuletzt kräftig angezogen, wovon BMW und Mercedes profitieren konnten.

Andererseits scheinen jahrelange Investitionen in alternative Antriebsmodelle wie Hybrid- oder Elektrofahrzeuge in den Sand gesetzt – denn nur wenige Kunden interessieren sich zurzeit für diese meist höherpreisigen Autos.

Last but not least freuen sich aber vor allem die Verbraucher über die Ersparnis an der Zapfsäule. Sie werden finanziell deutlich entlastet, sodass ihnen mehr Spielräume bleiben für anderweitige Konsumausgaben oder auch die Schuldentilgung.

Nur der EZB dürfte diese Entwicklung gar nicht gefallen – ihr angestrebtes Inflationsziel von 2 Prozent rückt angesichts eines Ölpreises von nur noch um die 40 Dollar in immer weitere Ferne.

29. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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