Erdöl: Warum eine Preiserhöhung in weite Ferne rückt

Wird es bald wieder teurer an den Zapfsäulen?

In jüngster Vergangenheit deutete einiges darauf hin, dass sich die Öl exportierenden Staaten auf preisstabilisierende Maßnahmen verständigen könnten.

Entsprechende Impulse müssten in erster Linie von Seiten der OPEC ausgehen – und damit v. a. von Saudi Arabien.

Absprachen mit russischen Vertretern am Rande des G20-Gipfels im chinesischen Hangzhou vor wenigen Wochen deuteten in diese Richtung.

Russland und Saudi Arabien wollen demnach eine gemeinsame Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die ab Oktober über geeignete Maßnahmen zur Stabilisierung des Ölpreises beraten soll.

Höhere Produktion, geringere Nachfrage

Zahlreiche Beobachter gehen davon aus, dass man sich beispielsweise auf ein Einfrieren des derzeitigen Förder-Niveaus verständigen könnte, doch das dürfte für Widerstand aus Teheran sorgen.


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Der Iran plant nämlich, ganz im Gegenteil, seine Ölproduktion noch weiter anzukurbeln, um das Förder-Niveau zu erreichen, das vor dem Inkrafttreten der westlichen Sanktionen erzielt wurde:

4 Mio. Barrel pro Tag sind das erklärte Ziel, das bereits in wenigen Monaten erreicht werden soll.

Doch nicht nur größere Förder-Mengen des Iran dürften einem Ölpreis-Anstieg in nächster Zeit entgegenstehen.

Auch die Internationale Energie-Agentur IEA hat ihre Prognose gesenkt und geht nun von einer etwas geringeren Nachfrage aus.

Demnach wird der Bedarf nach dem einstigen schwarzen Gold im laufenden Jahr nicht um 1,4 Mio. Barrel pro Tag ansteigen, sondern lediglich um 1,3 Mio. auf 96,1 Mio. Barrel täglich.

Selbst die relativ überraschende Meldung, wonach die Öl-Lagerbestände der USA sich zuletzt leicht rückläufig entwickelten und um 0,5% zurückgingen, konnte an den Rohstoff-Märkten nur kurzzeitig für Bewegung sorgen.

Zwar schossen die Preise sowohl für die US-Sorte WTI als auch für die Nordseesorte Brent nach Bekanntwerden der Meldung nach oben, doch genauso schnell ging es auch wieder bergab.

Kommt ein neuer Preissturz?

Inzwischen rechnet selbst die OPEC nach eigenen Angaben damit, dass die Ölproduktion im kommenden Jahr sogar noch weiter ansteigen könnte – und zwar v. a. in Nicht-OPEC-Ländern wie Russland oder den USA.

Klafft die Schere zwischen (weiter steigendem) Angebot und (weiter sinkender) Nachfrage 2017 noch deutlicher als bisher auseinander, dürfte das nicht eben zur Preissteigerung beitragen – ganz im Gegenteil:

Ein Preissturz, wie wir ihn Anfang 2016 erlebt haben, als das Barrel zeitweise für unter 30 Dollar zu haben war, könnte sich wiederholen.

Das jedoch würde die internationalen Akteure zunehmend unter Zugzwang setzen, denn auch der Haushalt Saudi Arabiens ist stark abhängig vom Gewinn aus den Öl-Exporten.

Für Autofahrer und Heizöl-Kunden bedeuten die jüngsten Entwicklungen jedoch, dass die Preise auch in den kommenden Monaten vergleichsweise niedrig bleiben dürften.

Und das hat schließlich auch seine Vorteile; immerhin erhöht das die private Kaufkraft. So wirkt der niedrige Ölpreis auf einige Wirtschafts-Zweige wie ein Konjunktur-Programm.

28. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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