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ESFS-Hebel: Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf

Der ESFS-Hebel ist eine Verschleierung der Tatsachen. Das Volk, das sind Sie und ich, wird für dumm verkauft.

Ich kann deshalb die Protestler verstehen, die unter dem Motto „Wir sind 99%“ oder „Besetzt die Wallstreet“ auf die Straße gehen.

Man mag ihnen zum Teil vorwerfen (und es wird gemacht), sie verstünden nicht alles, gegen das sie demonstrieren. Mag sein. Aber der gesunde Menschenverstand sagt Ihnen zu Recht, hier nimmt der Irrsinn seinen Lauf und so kann das nicht richtig sein.

Ich frage: Wer versteht das denn? Viele Bundestags-Abgeordnete, die über Milliarden und jetzt auch Billionen Euro (dazu unten mehr) abstimmen, tun es offensichtlich nicht. Das habe ich hier aufgezeigt. Im Rahmen dieses Kommentars habe ich geschrieben:

Politiker sind nicht informiert und interessiert

„Politiker haben sich blamiert. Das hat das TV-Magazin Panorama bei einer Umfrage unter Bundestagsabgeordnete festgestellt. Dabei ging es um die Abstimmung im Bundestag für das Rettungspaket, das Deutschland mit 211 Milliarden Euro belastet.

Die Abgeordneten blamierten sich reihenweise mit erschreckendem Nichtwissen über das Projekt, worüber sie kurz danach abstimmen sollten.

Bundestagspräsident Lammert nannte dieses als „das wichtigste Projekt dieses Legislaturperiode“. Es hat etliche Abgeordneten offensichtlich nicht interessiert, sonst hätten sie die einfache Frage nach der Höhe des Euro-Betrages, mit dem Deutschland haftet, beantworten können.“

Und glauben Sie, dass diejenigen, die die Demonstranten kritisieren, den Widerspruch zwischen „ Der goldenen Bankregel“ und der „ Fristentransformation“ erklären können und welch hohe Risiken die Banken damit eingehen? Ich denke, das können die nicht. Fragen Sie doch mal den Bundestags-Abgeordneten aus Ihrem Wahlkreis danach.

Und fragen Sie gleich auch, ob er Ihnen den ESFS (European Financial Stability Facility, kurz: Europäischer Rettungsfonds) und vor allem den jetzt geplanten Hebel auf den ESFS erklären kann und zwar so einfach, dass Sie ihn klar und deutlich verstehen.

Ich tippe, dass 80% der Abgeordneten das nicht können. Falsch? O.k. – dann eben 90%.

Der ESFS ist verschleiert Risiken

Es wird getrickst, getäuscht, gelogen und verschleiert. Das geht schon bei dem „normalen ESFS“, dem ohne Hebel, los.

Üblicherweise lesen Sie, dass der EFSF im Juli 2011 auf 440 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Von der unvorstellbar hohen Summe mal abgesehen, das ist falsch. Die Garantiezusagen der Länder betragen 780 Milliarden Euro. Im Rahmen dieser Summe kann der EFSF 440 Milliarden an Krediten vergeben.


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Die fast doppelt so hohe Summe an Zusagen stammt daher, weil der ESFS sonst seine Bestnote AAA von den Rating-Agenturen nicht erhält. Man sagt, der ESFS müsse deshalb „übersichert“ sein.

Alles klar? – Damit geht man meist zur Tagesordnung über. In den Medien wird uns die Summe von 440 Milliarden Euro genannt.

Aufgestockter ESFS: auch 440 Milliarden reichen nicht aus

Was sagt das Wort „übersichert“? Eine Wortkreation, die ich im Wahrig Rechtschreibwörterbuch und im Duden nicht finde. Wenn jemand ein Wort nutzt, das nicht im Duden steht, will er etwas verschleiern.

Vermutlich soll uns mit „übersichert“ gesagt werden, das sei so sicher, dass man es garnicht hinterfragen müsse. Muss man aber, dringend sogar.

Hier ist es jedenfalls so: Die Rating-Agenturen schließen nicht aus, dass die 440 Milliarden nicht ausreichen. Man will für die Bestbewertung AAA knapp die doppelte Summe. Denn man schließt nicht aus, dass diese Summe fällig wird.

Ist doch einfach: Stellen Sie sich vor, Sie leihen jemanden 1.000 Euro. Er hinterlegt bei Ihnen einen 1.000-Euro-Schein, den nicht ausgeben will, weil für ihn mit exakt diesem Schein eine persönliche Geschichte verbunden ist. Müssen Sie dann diese 1.000 Euro, die Sie verliehen haben, „übersichern“ und weitere 800 Euro als Sicherheit einfordern? Natürlich nicht. Denn mehr als 100% sicher geht nicht. Genau das ist aber beim „alten“ ESFS offensichtlich nicht gegeben. Wir haften also schon jetzt weit höher als bekannt.

Der Hebel auf den ESFS ist Irrsinn und Risikoverschleierung

Und nun die Spitze. Nachdem der erste ESFS nicht ausreichte und im Juli dieses Jahres aufgestockt werden musste, reicht das wieder nicht aus. Nun soll der ESFS gehebelt werden. Hebelkraft kennen Sie als Börsianer und das Wort ist positiv besetzt. Man hätte auch Risiko-Vervielfachung sagen können. Das wäre die Wahrheit, aber es soll ja wieder verklausuliert werden.

Die Wortklauberei der Politiker: Der ESFS haftet jetzt „nur“ wie eine Versicherung für den ausgefallenen Teil einer Staatsanleihe. Fallen von 10 Milliarden Euro z.B. 2 Milliarden Euro, also 20%, aus, zahlt diese der ESFS wie eine Versicherung. Damit sichert der ESFS die 10 Milliarden Euro ab. 2 Milliarden Euro Risiko, 10 Milliarden Euro abgesichert – sagt man uns. Das sei der Hebel, hier mit Faktor 5.

Und nach dieser Rechnung könnte der ESFS mit den derzeitigen 440 Milliarden 2.200 Milliarden (2,2 Billionen) Euro absichern. Die „tolle“ Hebelkraft des ESFS.

Ach – für was wie kluge Leute könnten wir die Politiker halten, wenn, ja wenn wir so dumm wären, wie die Politiker offensichtlich meinen.

Hebel vervielfacht die Risiken

Ich frage: Was hat der ESFS vorher gemacht? Er wäre doch auch „nur“ für ausfallende Gelder eingesprungen? Daran hat sich nichts (!) geändert. Aber, und das ist das Entscheidende, man jubelt uns jetzt das Vielfache an Risiken unter.

Unser Finanzminister, der das Verschwinden von 100.000 DM aus den 90-er Jahren im Zusammenhang mit dem Waffenhändler Schreiber bis heute nicht erklärt hat, erzählt uns jetzt:

In die EFSF-Richtlinien solle ein Hebel eingebaut werden. Die Einzelheiten werden noch verhandelt. Und jetzt kommt’s: Auch in Zukunft solle unklar bleiben wie hoch der Hebel sei. Damit wolle man Spekulationen gegen den ESFS verhindern. Oder will man verhindern, dass die eingangs genannte Bewegung „Wir sind 99%“ die für den Irrsinn verantwortlichen Politiker aus dem Amt jagt?

Es wird also ein willkürlicher Hebelfaktor eingebaut, dessen Höhe man uns nicht nennen will. Damit soll nun ausreichend Sicherheit gegeben sein. Und wo steht verbindlich (!) geschrieben, dass dieser Hebel von z.B. 5 ausreicht? Der Umfang des ESFS hat schon zweimal nicht ausgereicht. Wieso jetzt?

ESFS-Hebel: Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf

Na, dann spielen wir doch mit Milliarden und Billionen. Derzeit haben wir die oft genannte Summe von 440 Milliarden Euro Risiko für den gesamten ESFS. Daraus werden:

2.200 Milliarden Euro (2,2 Billionen) bei Hebel 5

4.400 Milliarden Euro (4,4 Billionen) bei Hebel 10

8.800 Milliarden Euro (8,8 Billionen) bei Hebel 20

Zum Vergleich: Im deutschen Bundeshaushalt 2012 wird mit 306 Milliarden Euro Ausgaben geplant. Derzeit haftet Deutschland (angeblich) mit 211 Milliarden Euro. Setze ich auch dort den Hebel von 10 an, werden daraus 2.110 Milliarden Euro. Das ist knapp das 7-fache aller geplanten Ausgaben für das kommende Jahr. Oder anders:

Wenn Deutschland in den Jahren 2012 bis 2018 keinen einzigen Cent ausgibt (Polizei, Schule, Feuerwehr, Universität, Straßenbau, Verwaltung, Beamte …), dann hat man die Summe zusammen, für die Deutschland im Risiko steht. Das kann ich nicht anders als Wahnsinn und Irrsinn nennen!

Ich höre schon die Politik: So darf ich es nicht sehen und schreiben. Das wird nie geschehen.

Meine Antwort: Wenn Sie das meinen, lesen Sie mal das Buch von Taleb „Der schwarze Schwan“. Der belegt anschaulich, dass der vermeintlich nie auftretende Fall viel öfter passiert als man denkt. Fukushima lässt grüßen.

Zum guten Schluss: Am 20.10.1859, also heute vor genau 152 Jahren, kam der amerikanische Philosoph und Pädagoge John Dewey auf diese Welt. Er schrieb seinerzeit das heute für mich passende Zitat:

„Skepsis ist das Zeichen des gebildeten Verstandes.“

Skepsis ist die Grundlage meiner Kommentare.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

19. Oktober 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi" und "Heißmanns Königsklasse". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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