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Etsy-Aktie: Börsenneuling findet bei Anlegern reißenden Absatz

Wenn Sie die Börsengänge in den USA verfolgen wird eins sehr schnell klar. Die Anleger sind geradezu euphorisch, wenn junge Technologie- oder Internetfirmen den Sprung aufs Parkett wagen. Dies konnte Sie in der vergangenen Woche auch bei Etsy beobachten.

Der Anbieter einer Online-Plattform für handgefertigte Accessoires schoss am ersten Handelstag um über 100% nach oben. Der Ausgabepreis von 16 US-Dollar war schnell Makulatur. Innerhalb weniger Stunden trieben die Investoren den Kurs auf 35 US-Dollar in der Spitze. Damit betrug die Börsenbewertung fast 4 Mrd. US-Dollar.

Etsy setzt auf Dawanda-ähnliches Geschäftsmodell

Der US-Konzern hat einen Marktplatz für handgefertigte Produkte, Bastelbedarf und alte Sachen geschaffen. Insgesamt bieten derzeit 1,4 Mio. Verkäufer rund 29 Mio. unterschiedliche Produkte an.

Etsy verdient dabei auf verschiedenen Wegen. Pro eingestelltem Artikel werden für den Verkäufer 20 Cent fällig. Bei jeder abgeschlossenen Transaktionen fließen dann 3,5% an den Plattformbetreiber. Darüber hinaus generiert die Gesellschaft Erlöse mit Werbeeinnahmen auf den Internetseiten.


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Internethype sorgt für ambitionierte Bewertung

Die Euphorie der Anleger kennt manchmal keine Grenzen. Dem Börsenwert von fast 4 Mrd. US-Dollar stehen lediglich Umsätze in Höhe von 195 Mio. US-Dollar gegenüber. Von Gewinnen keine Spur.

Unterm Strich standen insgesamt 15 Mio. US-Dollar Verlust zu Buche. Im Börsenprospekt von dem Unternehmen wird sogar ausdrücklich auf die Gefahr hingewiesen, dass Etsy möglicherweise nie die Gewinnschwelle erreicht.

Mit Sicherheit hat Etsy ein beeindruckendes Umsatzwachstum hingelegt. Im vergangenen Jahr ging es um 50% nach oben, aber eben nur von einem sehr geringen Niveau. Sie müssen bedenken. Das Unternehmen kostet an der Börse jetzt mehr als 3,5 mal so viel wie der deutsche Plattform-Betreiber Xing, der seit Jahren profitabel ist.

Gemeinnützigkeit von Etsy verursacht hohe Kosten

Der Plattform-Betreiber gilt als eine sogenannte B-Corps, was in etwa mit einem gemeinnützigen Unternehmen in Deutschland vergleichbar ist. Etsy zahlt beispielsweise um 40% höhere Löhne als andere Unternehmen in der Region und bietet Aktienoptionen für seine Mitarbeiter an.

Aber auch ökologisch hat die Gesellschaft sich höheren Anforderungen unterlegt. Neben diversen sozialen Nebenleistungen wird beispielsweise sämtlicher Müll kompostiert und den Mitarbeiter Fahrrädern zur Verfügung gestellt.

Etsy ist erst das zweite „gemeinnützige“ Unternehmen (von 1000 zertifizierten) das den Sprung auf das Börsenparkett wagt. Gerade das könnte ein Spagat für den Konzern werden.

Denn viele der Anleger wollen die Rendite optimiert sehen. Für die Käufer und Verkäufer des Portals spielt die Glaubwürdigkeit hingegen eine hohe Rolle. Denn das Motto von Etsy lautet „Kauf gute Sachen von echten Leuten“.

Ob sich das kleine Startup mit diesem Geschäftsmodell gegen die etablierten Plattform-Riesen Amazon und Ebay behaupten kann, muss sich erst noch zeigen. Die hohe Bewertung macht den Kurs jedoch anfällig für Korrekturen, wenn die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden können.

21. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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