Euro: Zeit für konsequentes Handeln
Der „offene Brief“ der inzwischen von 207 Professoren und Ökonomen unter der Federführung von Prof. Dr. Sinn unterschrieben wurde, hat nun auch das Ausland auf den Plan gerufen.
Viele ausländische Experten melden sich zu Wort und kritisieren dieses Vorgehen der offenen Kritik an den Beschlüssen des EU-Gipfels.
„Dieser Text zeigt kein Verständnis davon, was eine Bankenkrise ist, also ob sie 2008 und in den früheren Krisen geschlafen hätten“, sagte z. B. der Genfer Ökonom Charles Wyplosz. „Es würde um Kollaps des Euro führen, wenn man dem Rat der Ökonomen folgen würde“ beschwört der Harvard Professor Dr. Dani Rodrik herauf.
Diese ihre Meinungen seien ihnen unbenommen. Schließlich kennt keiner die Wahrheit. Ein Experiment wie den Euro hat es noch zu keiner Zeit gegeben. Deshalb kann Prof. Dr. Sinn genauso Recht haben wie Professor Dr. Rodrik.
Schaut man auf die Fakten, dann ist meine Sympathie auf Seiten von Prof. Dr. Sinn. Fakt ist, dass die Bankenschulden in den Krisenländern bei 9,2 Billionen Euro liegen. Die Staatsschulden notieren hingegen bei nur 3,3 Billionen Euro. Diese Zahlen sprechen Bände und geben Anlass zur Sorge.
Deutschland wird weiter zahlen
Ebenfalls nehme ich sorgenvoll zur Kenntnis, dass die Finanzmärkte in frenetischem Jubel ausbrachen, nachdem die EU-Gipfelbeschlüsse bekannt wurden. Das zeigt doch des Pudels Kern: Die Zockerei auf Kosten anderer kann weitergehen.
Und so feierten sie die Bereitschaft Deutschlands, die Verluste anderer mit seinem Geld auszugleichen. Es steht zu befürchten, dass Deutschland in eine finanzielle Verantwortung hineingezogen wird, aus der es sich später nicht wieder wird befreien können. Die Beschlüsse sind ein Weg ohne Return! Davon bin ich überzeugt.
Seit Jahren schon werden wir diesbezüglich an der Nase herumgeführt. Immer und immer wieder wird erklärt, man müsse nur dieses eine Mal noch dieses oder jenes tun, um die Märkte zu beruhigen.
So wie heute „erst einmal“ nur 30 Milliarden Euro an Spaniens Banken überwiesen wurden. Sie können schon heute die Eieruhr auf den Kopf stellen. Ehe der Sand verrieselt, wird es einen Nachschlag geben.
Die Argumente sind immer dieselben: „Das Land ist auf gutem Weg, es braucht nur noch ein paar weitere Milliarden Euro, um das Schlimmste abzuwenden“. Eine Neverending Story wie wir sie von Griechenland & Co. schon kennen.
Politische Unzuverlässigkeit
Tatsache ist, dass politische Versprechen über verbindliche Regeln und Bedingungen keine 24 Stunden überleben. Im Ernstfall wirft man das „Geschwätz von gestern“ über Bord, um in einer Hauruck-Aktion neue Rettungspakete durchzupeitschen.
Wer´s nicht glaubt, sollte sich nur den Maastrichter Vertrag anschauen. Die sogenannte »No-Bailout-Regel«, die Hilfen für taumelnde Krisenländer untersagt, wurde schon mehrfach mit Füßen getreten, will sagen gebrochen, ohne rechtliche Konsequenzen.
Versuchen Sie einmal, Ihren steuerlichen Verpflichtungen nicht nachzukommen, wonach das Gesetz verlangt. So schnell können Sie gar nicht reagieren, wie die Steuerfahndung vor der Tür steht.
Diese Unzuverlässigkeit in Sachen Krisenbewältigung ist es, die den Menschen Angst macht.
Und wenn ein Professor aus Harvard meint, dass der Euro nur deshalb scheitert, weil wir den Banken den Geldhahn zudrehen, dann vergisst er zu erwähnen, dass der Euro sowieso scheitern wird angesichts der desaströsen Staatsschulden aller Euroländer. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern nur noch wann.
Zeit für harte Schritte
Es wird Zeit, dass die Politik den Mut hat, das offen einzugestehen. Dann hätten wir ein Ende mit Schrecken. Jetzt aber haben wir ein Schrecken ohne Ende.
Je länger die Probleme herausgeschoben werden, desto mehr fühlen sich die Finanzmärkte und damit auch die angeschlagenen Banken eingeladen, dieses perfide Spiel um den Wohlstand rechtschaffener Bürger weiterzuspielen.
Leider scheuen die Politiker den Weg der harten Schritte. Ihnen stecken noch die Erfahrungen der Lehman-Brothers Krise in den Knochen. Und solange die dort noch steckt, solange wird weiter herumgeeiert.
Koste was es wolle. Und so müssen wir uns auch weiterhin darauf einstellen, dass die Rettungspakete immer größer geschnürt werden, solange bis sie platzen. Bis dahin aber dürfte die Inflation deutlich angezogen haben. Gut für Sachwerte-Besitzer, schlecht für die Mittelschicht, die häufig nur in Geldwerte spart.
Es ist mitunter zum Verzweifeln. Doch wie sagte Hermann Hesse im „Glasperlenspiel“?: „Die Verzweiflung schickt uns Gott nicht, um uns zu töten, er schickt sie uns, um neues Leben in uns zu erwecken“. Recht hat.
Krise hin oder her. Das Leben geht weiter. Schließlich dauert es noch ein paar Milliarden Jährchen, bis die Sonne ihre Energie einstellt.



