Facebook-Aktie trotzt Quartalsbilanz
Der Umsatz steigt, unterm Strich bleibt aber ein Verlust von 59 Millionen Dollar stehen – so lässt sich das dritte Quartal aus Facebooks Perspektive zusammenfassen.
Bei vielen anderen Unternehmen würde der Aktienkurs nach so einer Meldung in den Keller rauschen, Anleger würden sie abstoßen und so schnell nicht wiederkommen.
Aber bei Facebook läuft das ja immer ein bisschen anders als beim Rest.
Trotz Millionenverlust: Run auf die Facebook-Aktie
Nach monatelanger Hängepartie unterhalb der 20-Dollar-Marke stürzten sich die Anleger nach der Verlustmeldung plötzlich auf das Papier und bescherten ihm einen nachbörslichen Gewinn von mehr als 10 Prozent.
Die Gründe hierfür liegen in den Details der Bilanz.
Ein millionenschwerer Verlust sieht erst einmal schlecht aus, vor allem, wenn im Vorjahresvergleich noch ein satter Gewinn in den Büchern stand.
Allerdings ist das Minus diesmal vor allem steuerlichen Abgaben geschuldet – Steuern auf Aktien, mit denen Facebook unter anderem seine Mitarbeiter vergütet.
Gestiegene Umsätze im Krisensegment: mobiles Internet
Aus Sicht der Anleger überwog noch eine weitere gute Nachricht: Facebook verzeichnet Fortschritte im Geschäft mit mobilen Werbeanzeigen, das zuletzt als besondere Schwachstelle galt.
Bei den Angeboten für mobile Endgeräte wurde der Umsatz um fast ein Drittel gesteigert, wie auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg betonte. Ein Großteil davon entfällt auf Werbung.
Das übertraf die Erwartungen der Beobachter, die Facebook gegenüber zuletzt äußerst skeptisch gestimmt waren – und sorgte schließlich für den Run auf die Aktie.
Zynga bleibt auf der Strecke
Deutlich schwieriger gestaltet sich die Lage für Facebooks Hoflieferanten in Sachen Online-Spiele: Zyngas Anteil an Facebooks Gewinn schrumpfte um 20 Prozent, auch bei den mobilen Umsätzen machen Spieleanbieter nur einen kleinen Anteil aus.
Dort greift man nun zu drastischen Maßnahmen: Es werden Mitarbeiter entlassen, einige ältere Spiele fallen ebenfalls den Einsparungen zum Opfer.
Möglich, dass der Trend zum Social Gaming schon wieder abflaut.
Facebooks Mitgliederstamm: zu verlockend für die Werbebranche
Facebook hingegen erfreut sich einer weiterhin wachsenden Nutzergemeinde, die inzwischen die Marke von einer Milliarde überschritten haben soll.
Dass damit rein theoretisch jeder siebte Erdenbürger über eine Plattform erreicht werden kann, macht es Werbetreibenden schwerer, dem sozialen Netzwerk den Rücken zu kehren.
Zumal Zuckerberg immer wieder verspricht, Mittel und Wege zu finden, um die jeweils geschaltete Werbung noch stärker zu personalisieren.
Wer, wenn nicht Facebook mit all den gesammelten Informationen über Vorlieben, Freundeskreise, Aufenthaltsorte und Kommunikationsdaten, sollte dazu in der Lage sein?
Soweit die Theorie. Nun muss Zuckerberg allmählich liefern.
Zuckerberg muss liefern
Denn das war die Entwicklung, auf die Anleger und Werbepartner von Anfang an gehofft hatten – und deren Resultat bislang eher kläglich ausfällt.
Gestiegene Umsätze in Sachen mobile Endgeräte sind zwar erst einmal schön. Sie sagen aber noch nichts aus über die mittelfristige Entwicklung.
Lohnen sich die Mini-Anzeigen überhaupt aus Sicht der Werbeindustrie? Werden sie den eingeschlagenen Weg fortsetzen oder bald nach neuen Lösungen verlangen?
Aktie noch weit entfernt vom einstigen Höchststand
Jedenfalls sollte bei aller Euphorie nicht vergessen werden, dass der Aktienwert zwar ausnahmsweise mal steigt – im Verhältnis zum Ausgabepreis von 38 Dollar und dem kurzzeitigen Überschreiten der 40 Dollar aber immer noch ziemlich mickrig daherkommt.
Für wahre Höhenflüge darüber hinaus wird es wohl mehr brauchen als ein paar gestiegene Umsätze, die den Gesamtverlust versüßen.
Es ist noch nicht so ganz klar, wohin der Hase läuft. Aber das gehört bei Facebook ja irgendwie dazu.



