Facebook zeigt kurz vor Börsengang erstmals Schwäche
Facebook startet seine Roadshow und fängt an kräftig die Werbetrommel für den bevorstehenden Börsengang zu rühren.
Dabei muss Gründer Mark Zuckerberg in den nächsten Tagen und Wochen viel Überzeugungsarbeit leisten.
Heiße Phase vor IPO: Dem Wachstum geht die Puste aus
Die Wachstumsdynamik bei Facebook hat in den letzten Monaten nämlich deutlich abgenommen.
Im Jahresvergleich stieg der Umsatz von 2009 auf 2010 noch um 154 Prozent. Von 2010 auf 2011 war es dann mit 88 Prozent schon deutlich schwächer.
Laut den jüngsten Zahlen war auch das erste Quartal 2012 von einem stark abflachenden Wachstum betroffen.
Mit 1,06 Milliarden Dollar stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch um 45 Prozent.
Es wird somit deutlich, dass Facebook trotz wachsender Nutzerzahlen ein Problem damit hat, die anfänglich überaus starken Wachstumsraten aufrecht zu erhalten.
In 2011 konnte das Unternehmen in jeder Sekunde 7 neue Nutzer hinzugewinnen. Brasilien, Indien und Deutschland gehörten dabei zu den Ländern mit dem stärksten Wachstum.
Anfang 2012 hat Facebook die Schwelle von 900 Millionen aktiven Mitgliedern überschritten und damit rund 13 % der Erdbevölkerung auf seiner Plattform versammelt.
KGV 100: Facebook ist deutlich zu teuer
Auf der Ergebnisseite zeichnet sich ein ähnlich schwaches Bild.
Das Ergebnis von Facebook wurde in letzter Zeit besonders von hohen Entwicklungs- und Marketingaufwendungen belastet.
Der zunehmend hohe Kostendruck wird auch in den kommenden Monaten eine der größten Herausforderungen für Zuckerberg und sein Management darstellen.
So war der gesamte Kostenblock in Q1 2012 mit 677 Millionen Dollar fast doppelt so hoch wie noch im Vorjahreszeitraum (343 Millionen Dollar).
Der Gewinn schrumpfte dementsprechend um rund 12 % von 233 Millionen auf nur noch 205 Millionen Dollar.
Unterstellt man eine ähnliche Gewinnverteilung wie in 2011, dann hätte Facebook erhebliche Probleme, die 1,0 Milliarde Dollar Gewinn erneut zu erwirtschaften.
Bei den aktuellen kursierenden Bewertungsniveaus für Facebook würde sich somit ein 2012er KGV von 100 ergeben.
Hedgefonds und Goldman Sachs sind jetzt schon die Gewinner
Fakt ist, Facebook ist damit deutlich zu teuer bewertet.
Natürlich genießt das Unternehmen viel Aufmerksamkeit und ist in aller Munde. Auch die Hoffnung in ein solch schnell wachsendes Unternehmen ist dementsprechend groß.
Trotzdem muss es Facebook in meinen Augen zuerst einmal schaffen, den Investoren und Anlegern neue Umsatzquellen für die Zukunft aufzuzeigen.
Besonders die Informationspolitik muss sich deutlich bessern. Vor dem IPO hatte Facebook um seine Zahlen und sein Geschäft stets einen Mantel des Schweigens gehüllt. Dies kann sich das Unternehmen nach dem Börsengang auf keinen Fall mehr erlauben.
Insgesamt müssen in den folgenden Jahren Umsatzzuwächse mindestens auf dem Niveaus des ersten Quartals 2012 realisiert werden, damit eine solch hohe Bewertung auch nur ansatzweise gerechtfertigt werden kann.
Zudem muss Facebook irgendwann das Geschäft skalieren, also eine gewisse kritische Größe überschreiten, ab der man mit deutlich unterproportionaler Kostenentwicklung Umsatz und Ergebnis weiter steigern kann.
Für Privatanleger bleibt Facebook deshalb in meinen Augen derzeit absolut unattraktiv.
Ohnehin sind die einzig wahren Gewinner des Börsengangs der Gründer Zuckerberg mit seinem Management-Team sowie institutionelle Investoren wie Goldman Sachs und diverse Hedgefonds.
Diese sind bereits sehr früh bei Facebook eingestiegen und werden aus der hohen Bewertung im Rahmen des Börsengangs ordentlich Profit schlagen.



