Gehalt und Leistung: 2 Welten prallen aufeinander

Morrien‘s Schlussgong
Der Börsenrück- und Ausblick von Deutschlands Depot-Optimierer Nr. 1: Rolf Morrien. Der kostenlose E-Mail-Newsletter „Morriens Schlussgong“ berichtet täglich von den jüngsten Entwicklungen der Börsen - mit Handlungsempfehlung für den nächsten Tag.
Tragen Sie sich hier kostenlos ein:
Die Investoren bleiben nervös.
Der DAX schwankte heute zwischen Plus und Minus und gewann in der Endabrechnung kaum messbare 4 Punkte.
Zumindest wurde der Abwärtstrend gestoppt.
Für „Katerstimmung“ an der Börse sorgt noch immer der kommende EU-Krisengipfel.
EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy wird zwar einen 4-Punkte-Plan vorlegen, aber die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits intern angekündigt, alle Punkte abzulehnen, die eine stärkere deutsche Haftung beinhalten (zum Beispiel die Euro-Bonds).
Da der Markt einfache Lösungen liebt (die Notenbanken drucken Geld, Deutschland haftet für spanische Banken), ist die Stimmung eingetrübt, da jetzt lange und harte Verhandlungen zu erwarten sind.
Das dürfte sich aber spätestens dann ändern, wenn die Umfragen stimmen und im Herbst 2013 auch in Deutschland ein Regierungswechsel ansteht.
Banken haben keine Zeit mehr
Bis Herbst 2013 können die europäischen Banken nicht warten. Wie gestern hier im Schlussgong beschrieben, nimmt der Druck zu. Die Branchen-Schlagzeilen aus dem Juni:
Die Banken aus Zypern brauchen EU-Hilfe, die Banken aus Spanien brauchen ebenfalls EU-Hilfe (rund 100 Mrd. Euro), ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank hat nach eigenen Angaben Bestechungsgelder in Höhe von 44 Mio. USD kassiert und der Deutschland-Chef der US-Bank Morgan Stanley hat sich in Baden-Württemberg wie der allmächtige Finanz-Gott aufgeführt und Landesvermögen vernichtet.
12,8 Mio. USD Durchschnitts-Gehalt
Zur Krönung wird zeitlich passend eine Studie des Marktforschers Equilar veröffentlicht, die besagt, dass die Gehälter der Spitzenmanager in der internationalen Banken-Branche im Jahr 2011 um durchschnittlich 11,9% gestiegen sind. Das Durchschnittsgehalt der 15 untersuchten Banken-Chefs lag bei 12,8 Mio. USD.
Wir reden immer noch von der Krisen-Branche und wir reden nicht von Unternehmern, die in der Krise mit ihrem Vermögen haften, sondern von Angestellten.
Es geht hier auch nicht um eine Neiddebatte. Es geht um die Frage: Was für ein Selbstverständnis herrscht in einer Branche, wenn der oberste Boss rund 500 Mal so viel verdient wie ein Durchschnittsmitarbeiter?
Natürlich wird und muss es immer ein Gehaltsunterschied in einem Unternehmen geben. In den alten BWL-Lehrbüchern finden Sie oft einen Wert um den Faktor 50 (wenn der Durchschnittsmitarbeiter 30.000 Euro verdient, „darf“ der oberste Boss 1,5 Mio. Euro verdienen).
Wenn man berücksichtigt, dass es viele Entscheidungsebenen gibt, ist das ein halbwegs angemessener Wert.
Aber der Faktor 500 in der Banken-Branche zeigt, dass sich die Spitzenmanager entweder für gottähnliche Wesen halten, oder völlig den Bezug zu realen Größen verloren haben und nur noch Monopoly-Geld kennen.
Der Spitzenreiter hat jämmerlich versagt
Die Gehaltsauswertung zeigt, dass Jamie Dimon, der Chef-Banker von JP Morgan Chase, 2011 der Spitzenreiter war. Das geschätzte Jahreseinkommen lag 2011 bei 23,1 Mio. USD.
Das war auch kein einmaliger Ausrutscher nach oben. Die Gehaltserhöhung lag im Vorjahr bei 11%. Auch im Jahr 2010 hatte Dimon die 20-Mio.USD-Marke geknackt.
Etwas unangenehm ist jetzt für Dimon, dass „seine“ Bank (er ist Angestellter, nicht der Besitzer), vor einigen Wochen einen hohen Milliardenverlust verkünden musste. Eine extrem riskante Derivate-Wette ist geplatzt.
Die Bank wird das verkraften und wahrscheinlich 2012 dennoch einen Gewinn erzielen. Peinlich ist aber, dass Dimon selbst nach mehreren Wochen keine Angaben über die weiteren finanziellen Risiken der Derivate-Positionen machen kann. Das Geschäft sei zu komplex.
Fehler können überall passieren. Wenn ein Fehler passiert ist, muss er aber aufgearbeitet und analysiert werden, damit der Fehler nicht wiederholt wird.
Das ist hier nicht der Fall, weil die Computerprogramme falsch gerechnet haben (bzw. die Berechnungsmodelle falsch waren). Die Strategie lautet jetzt: Wir warten ab, wie hoch der Gesamtverlust der Derivate-Position wird; dann können wir den Schaden benennen.
Die „Vorzeige-Bank“ JP Morgan, die die höchsten Gehälter zahlt, hat keine Ahnung, was in einzelnen Abteilungen läuft.
Auch für die Risiko-Kontrolle verantwortlich
Ich möchte Sie an die Aussagen von Warren Buffett und Charlie Munger auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway erinnern:
Der Unternehmens-Boss sollte nicht nur für das operative Geschäft verantwortlich sein, sondern auch für die Risiko-Kontrolle!
Hier hat JP Morgan, hier hat Jamie Dimon, jämmerlich versagt. Für diese Leistung hat er keine 20 Mio. USD Gehalt pro Jahr verdient.



