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Geschäftsübernahme: Wenn Firmen sich selbst verkaufen

Der Bereich Geschäftsübernahme ist vielseitig. Feindliche Übernahmen mit Verteidigungsstrategien, Bieterkämpfe mit teilweise absurden Preisen. Heute lernen Sie Übernahmen kennen, bei denen sich die Firmen selbst zum Verkauf anbieten.

Denn es kommt immer wieder vor, dass Unternehmen einsehen müssen, dass der eingeschlagene Weg sich nicht nachhaltig durchsetzen wird.

Wenn Manager einen zu aggressiven Expansionskurs fahren oder falsche Investitionen tätigen, kann es passieren, dass wichtige Reserven in einer darauf folgenden Krise fehlen. Als letzter Rettungshalm bleibt dann nur noch die Übernahme durch einen finanzstarken Investor oder der Konkurrenz.

Finanzkrise kurbelt die Geschäftsübernahme an

Ein Firmenverkauf ist besonders in und kurz nach der zurückliegenden Finanzkrise ein großes Thema gewesen. Die Anzahl der „distressed Mergers“ (krisenbedingte Fusion) erreichte einen traurigen Höhepunkt.

Durch diese Art von Fusion konnte wenigstens ein Teil der angeschlagenen Unternehmen gerettet werden. Andere Unternehmen, bei denen nicht einmal mehr Finanzinvestoren aufgrund des angehäuften Schuldenberg und der schwachen Geschäftslage eine Zukunftsperspektive sahen, mussten ganz dicht gemacht werden.

Finanzinvestoren als Übernehmer wittern die Chance

Finanzinvestoren als Übernehmer haben einen besonders schlechten Ruf. Gerade wenn ein lange Jahre erfolgreiches Familienunternehmen gegen die Wand gefahren wurde, sind Belegschaft und Aktionäre bei dem Einstieg einer Private Equity-Gesellschaft sehr skeptisch.

Dass aber genau diese Gesellschaften die einzigen sind, die noch die Bereitschaft haben der Firma Geld zu geben, wird gerne nicht gesehen.

Dass Missmanagement überhaupt erst für die drohende Pleite verantwortlich ist und die Banken bereits den Geldhahn zugedreht haben, scheint auch nur zweitrangig zu sein.

Finanzinvestoren sind deswegen aber auch keine barmherzigen Samariter. Sie entscheiden betriebswirtschaftlich und riskieren die Millionenbeträge, um Profit zu machen. Es ist immer schmerzhaft wenn ein Traditionsunternehmen seine Zukunft in die Hand von Finanzinvestoren legen muss.

Wenn aber die Alternative das Aus bedeutet, ist der Verkauf des Unternehmens wenigstens ein Versuch den Schaden zu begrenzen.


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Geschäftsübernahme: Solar-Unternehmen auf Käufer-Suche

Aktuell ist der Druck auf die Solar-Unternehmen sehr groß. Wachsende Konkurrenz aus China sorgt für eine Margen-Erosion, die kleine Anbieter aus dem Markt drängen könnte. Daher suchen einige Unternehmen bereits nach Partnern in der Branche und bieten sich zur Übernahme an.

Übernahme-Spekulanten sollten jedoch vorsichtig sein, wenn sich das Management eines Unternehmens der Konkurrenz zum Verkauf stellt.

Das ist häufig ein Hilferuf, weil die Geschäfte schlecht laufen und die Gewinne schwinden. Findet sich dann kein Käufer, kann der Aktienkurs schnell Richtung Süden wandern.

Ungewollte Geschäftsübernahmen nehmen zu

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu verdeutlichen, dass auch die Zahl der feindlichen (ungewollten)  Übernahmen  im vergangenen Jahr stark angestiegen ist.

Sprudelnde Unternehmensgewinne auf der einen Seite und unterdurchschnittliche Kurssteigerungen auf der anderen Seite, haben zu verstärkter Aktivität geführt. Allein im vergangenen Jahr waren 16% aller Übernahme-Angebote unaufgefordert.

Die Europäische Union will daher die bestehenden Gesetze ändern. Gesetzeslücken sollen gestopft werden und die Verteidigungsmöglichkeit der Unternehmen gestärkt werden.

Grundsätzlich ist das Vorgehen zu begrüßen, doch  eine Gesetzesänderung muss wohl durchdacht sein.

Geschäftsübernahme: Billig-Offerte bringt Hochtief zu Fall

Der Fall Hochtief hat gezeigt, dass die bestehenden Gesetze nicht ausreichen, um Unternehmen und Aktionäre vor einer feindlichen Offerte zu schützen. Da schon ein Großteil der Aktien beim spanischen Konkurrenten ACS lagen, war es dem Management nicht möglich, die Unabhängigkeit von Deutschlands größtem  Baukonzern zu verteidigen.

In der ersten Angebotsrunde konnte ACS mit einem sehr günstigen Preis die notwendige Mehrheit erlangen und  kann jetzt Stück für Stück den Baukonzern integrieren.

Von den gut 70% ausstehenden Aktien brauchte ACS dafür nur 3%, sodass bewußt ein Angebot gewählt wurde, der nur für wenige Aktionäre attraktiv war. Die sonst übliche Übernahme-Prämie wurde beim Erstangebot gespart.

Southeastern mit Doppel-Engagement

Hochtief-Aktionäre waren gegen die Übernahme machtlos. Denn die Bereitschaft des Großaktionärs Southeastern Management reichte aus, um Hochtief zu Fall zu bringen.

Anders als für die meisten anderen Aktionäre, war der Preis für Southeastern attraktiv. Southeastern hielt neben den 2,6% der Hochtief-Aktien auch 6,5% der ACS Aktien.

Damit war das Unternehmen in einer völlig anderen Situation. Durch den günstigen Übernahme-Preis wurde die größere Beteiligung mehr wert und der Einfluss gleichzeitig größer. ACS wusste das.

Die Spanier mussten nur einen Preis finden, der gerade hoch genug war, um Southeastern zu überzeugen.

„Normale“ Hochtief-Aktionäre hatten das Nachsehen, da in ihrem Depot „nur“ die Hochtief-Aktie lag. Sie mussten zusehen, wie ACS mit einem Billig-Angebot den Übernahme-Kampf gewann. Wer aufgrund der Übernahme seine Hochtief-Aktien verkaufte, hat die Chance auf einen fairen Preis verspielt.

Geschäftsübernahme: Gesetzesänderung ohne Wettbewerbsbehinderung

Der Übernahme-Sensor begrüßt grundsätzlich eine Gesetzesänderung, wenn dadurch die Position der Aktionäre gestärkt wird. Die Gesetzesänderung darf aber auf keinen Fall das Übernahme-Geschäft schädigen.

Es muss ein Weg gefunden werden, der es einem Unternehmen ermöglicht, sich gegen Billig-Offerten zu Wehr zu setzen.

Hochtief, MAN und Postbank haben gezeigt, dass eine Gesetzesänderung notwendig ist. Es kann nicht sein, dass eine Annahme-Quote von unter 10% ausreicht, um mit Billig-Offerten siegreich zu sein. In Amerika und Australien haben solche Offerten keine Chance – in Europa sollte das auch so sein.

Gleichzeitig dürfen attraktive Angebote  nicht behindert werden. Wenn am Ende sture Manager auch noch beim großzügigsten Preis die Macht bekommen, eine Übernahme-Offerte abzulehnen, ist das Markt-schädigend und die Klein-Aktionäre sind der Management-Willkür ausgeliefert.

Das Einzige, was noch schlechter wäre, ist ein Übernahme-Veto-Recht der Politik. Die geplatzten Börsen-Fusionen in Australien und Kanada haben gezeigt, welche Chancen durch populistische Fehlentscheidungen vertan werden.

7. Juli 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.