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Glückspilz oder Insider? – SAP und der 5567%-Gewinn

Der Milliarden-Deal zwischen SAP und dem amerikanischen Cloud-Spezialisten SuccessFactors hat den Aktionären des Übernahme-Kandidaten ordentlich die Taschen gefüllt.

Ein Investor brauchte jedoch mehr als nur seine Hosentaschen, um den Gewinn mitzunehmen.

Während die SuccessFactors-Aktionäre nämlich „nur“ 52% Gewinn einstrichen, war die Performance eines Optionen-Käufers bei sagenhaften 5567%.

800.000 Dollar Gewinn übers Wochenende

Es ist fast schon unglaublich und mit Sicherheit eine seltene Ausnahme. Mit nur einem Übernahme-Deal hat ein Optionen-Käufer übers Wochenende aus 14.970 Dollar satte 848.300 Dollar gemacht.


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Noch am vergangenen Freitag notierte die bis zum 16. Dezember  laufende Kauf-Option bei 0,15 Euro. Als am Wochenende das SAP-Übernahme-Angebot bei SuccessFactors einging, explodierte der Kurs. Gestern Morgen kostete die gleiche Option 8,50 Dollar.

Hoher Gewinn wirft Fragen auf

Angesichts des hohen Gewinns und der sehr kurzen Zeit, hat der Deal einen faden Beigeschmack. Der Investor hat für 15.000 Dollar ein Kontrakt gekauft, das mit sehr hoher Sicherheit in zwei Wochen wertlos gewesen wäre.

Entweder es handelt sich also um einer der größten Glückspilze überhaupt – oder der Trader konnte ein Informationsleck ausnutzen. Ich kann mich nicht erinnern, dass in den vergangenen 10 Jahren in so kurzer Zeit ein ähnlicher Gewinn erzielt wurde.

Handelsvolumen 30-Mal höher

Auffällig ist auch das Handelsvolumen. Laut des Datenanbieters Bloomberg wurden 998 Kontrakte gehandelt. Das tägliche Durchschnittsvolumen der Kauf-Option lag in den Vorwochen jedoch nur bei 29 Kontrakten.

Wenn kurz vor einer Übernahme das Volumen eines praktisch wertlosen Papiers 30-Mal höher ist als an einem normalen Börsentag, dann regt sich der Verdacht, dass Informationen nach außen gedrungen sind.

Es gibt zwar immer wieder Zocker, die kurz vor Laufzeitende noch mit wertlosen Papieren hantieren, aber das steht dann häufig im Zusammenhang mit noch kommenden Unternehmens-News (bspw. Geschäftszahlen). Bei SuccessFactors war jedoch keine Unternehmensmeldung zu erwarten.

Haftstrafe für Insider-Handel

Ich gehe davon aus, dass sich die Börsenaufsicht den Deal genauer anschauen wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass Insider versuchen, sich mit illegalen Geschäften die Taschen zu füllen.

Wenn sich herausstellt, dass auch diesmal nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, kann sich der Betrüger warm anziehen. In Deutschland warten auf Börsenbetrüger Haftstrafen von bis zu fünf Jahren – in Amerika gilt ähnliches.

6. Dezember 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.