Gold gehört wieder auf die Kauf-Liste


Morrien‘s Schlussgong

Der Börsenrück- und Ausblick von Deutschlands Depot-Optimierer Nr. 1: Rolf Morrien. Der kostenlose E-Mail-Newsletter „Morriens Schlussgong“ berichtet täglich von den jüngsten Entwicklungen der Börsen - mit Handlungsempfehlung für den nächsten Tag.

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Am heutigen Freitag erhalten Sie ein aktuelles Interview mit Rolf Morrien.

GeVestor-Redaktion: Herr Morrien, in dieser Woche ist der DAX wieder unter die 7.000-Punkte-Marke gefallen. Was sind die Gründe?

Rolf Morrien: In der Vorwoche wurde die runde Marke geknackt, aber dann fehlten die Anschlusskäufe für einen dynamischen Ausbruch nach oben. Jetzt muss der DAX einen neuen Anlauf nehmen. Runde Marken werden selten im ersten Anlauf überwunden.

GeVestor-Redaktion: Der Aktienmarkt ist wieder im Warte-Modus. Was können Anleger tun, die in diesen Tagen Geld investieren wollen?

Rolf Morrien: Zum einen ist es für Anleger, die noch nicht investiert sind, eine gute Nachricht, wenn der Aktienmarkt schwächelt. Obwohl keine neue, negative Nachricht vorliegt, bekommen die Anleger die Aktien günstiger als in der Vorwoche.

Da jetzt fast alle Halbjahreszahlen vorliegen, können sich Anleger mit günstigen Top-Unternehmen eindecken. Zum anderen gibt es gute Aktien-Alternativen. Wer ein starkes technisches Kauf-Signal sucht und in einen Aufwärtstrend hinein investieren möchte, wird aktuell am Edelmetall-Markt fündig. Von Gold bis Silber sind die Börsenampeln in dieser Woche fast überall auf Grün gesprungen.

GeVestor-Redaktion: Herr Morrien, welches Edelmetall bevorzugen Sie? Gold oder Silber?

Rolf Morrien: Gegenfrage: Warum sollte sich ein Anleger nur mit einem Edelmetall begnügen? Aus meiner Sicht gehören Gold und Silber ins Depot. Als strategische Langfristanlage, aber auch als kurzfristiges Trading-Investment. Mit einem Edelmetallanteil von 10 bis 20% kann man das Depot gut abrunden.

Wer es etwas konservativer mag, kauft 2/3 Gold und 1/3 Silber, da der Silberpreis stärker schwankt. Wer einen Mix aus Sicherheit und Rendite sucht, kann beide Edelmetalle gleich gewichten.

GeVestor-Redaktion: Wenn ein Anleger jetzt mit dem Kauf von Edelmetallen anfängt, wie sollte er starten?

Rolf Morrien: Einsteigern empfehle ich, zuerst eine Gold-Position aufzubauen. Die Schwankungen beim Goldpreis sind niedriger als beim Silber. Als Einsteiger kann man dann ein Gefühl für das Edelmetallgeschäft entwickeln.

Und außerdem passt es auch aus saisonalen Gründen. Im August beginnt traditionell die starke Gold-Phase des Jahres.

GeVestor-Redaktion: Wie sieht der saisonale Effekt aus?

Rolf Morrien: Der historische Rückblick zeigt, dass der Goldpreis im Frühjahr und Sommer oft eine Verschnaufpause einlegt. Die starke Gold-Phase fängt statistisch betrachtet im August an und dauert bis Februar. Wer kurzfristig in Gold investieren möchte, baut daher im Idealfall im August eine erste, günstige Trading-Position auf.

2012 kann wieder so ein klassisches Goldjahr werden. Seit Mitte August zeigt der Goldpreis Stärke und hat in dieser Handelswoche ein charttechnisches Kauf-Signal geliefert. In meinem Börsendienst Power-Depot habe ich daher in dieser Woche einen Optionsschein auf Gold empfohlen. Auf Sicht von 6 Monaten könnte das sehr interessant werden.

GeVestor-Redaktion: Aber ist der Goldpreis für Neueinsteiger nicht schon zu hoch? Einige Marktbeobachter sprechen von einer Blase am Goldmarkt.

Rolf Morrien: Auch hier möchte ich zunächst mit einer Gegenfrage antworten: Wieviele Freunde, Familienmitglieder oder Bekannte kennen Sie, die auf Gold als Vermögensbaustein setzen? Umfragen besagen, dass weniger als 10% der Deutschen in Gold investiert haben.

Dagegen besitzen statistisch betrachtet fast 100% der Deutschen eine Lebensversicherung. Auch in absoluten Zahlen kann ich keine Goldblase entdecken. Laut dem Goldverband World Gold Council wurde im Jahr 2011 in Deutschland Gold für rund 6,3 Mrd. Euro gekauft.

Am Immobilien-, Anleihen-, oder Aktienmarkt wird über solche Summen nur gelacht. Das entspricht umgerechnet einem zweistelligen Euro-Betrag pro Bundesbürger.

GeVestor-Reaktion: Aber wer kauft dann das Gold?

Rolf Morrien: Auch am Goldmarkt dominieren die Schwellen- und Wachstumsländer. Indien und China sind die beiden größten Goldkäufer. Insgesamt kommen die Schwellenländer auf einen Marktanteil von über 70%.

Die Bevölkerung in diesen Ländern will das eigene Vermögen sicher konservieren. Auch hier spielt natürlich die Angst vor Inflation eine große Rolle. Und interessant ist auch eine andere große Käufergruppe.

GeVestor-Redaktion: Wer ist das?

Rolf Morrien: Die Notenbanken, die über viele Jahre den Goldpreis mit ihren Verkäufen gedrückt haben, sind auf die Käuferseite gewechselt. Laut World Gold Council haben die Notenbanken im 1. Quartal 2012 knapp 97 Tonnen Gold gekauft und im 2. Quartal 157 Tonnen. Wenn die Notenbanken Gold kaufen, ist das für unser Papiergeld-System kein gutes Zeichen.

GeVestor-Redaktion: Denken Sie dabei an Inflationsgefahren?

Rolf Morrien: Auf jeden Fall! In der Schulden- und Finanzkrise ist die Politik handlungsunfähig geworden. Nur noch die Notenbanken können eingreifen. Und die einfachste Methode ist das Gelddrucken.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Europäische Zentralbank im großen Stil Staatsanleihen von Spanien und Italien kauft. Diese an sich verbotene Staatsfinanzierung ist pure Gelddruckerei.

Angesichts der schlechten Stimmung in der Wirtschaft wird das nicht sofort eine Inflations-Krise auslösen. Aber die Bevölkerung merkt doch, wenn immer mehr Liquidität in den Markt gepumpt wird. Und wer soll die Inflation bekämpfen? Die Verursacher, die Notenbanken? Schauen Sie sich doch nur die Bilanzen der Notenbanken an.

Seit Ausbruch der Finanzkrise ist die Bilanzsumme der EZB um rund 150% gestiegen. Die FED in den USA kommt sogar auf über 200%. Das sind keine Bankbilanzen, das sind Giftmüll-Deponien für die moderne Finanzindustrie. Wenn man als Anleger nicht nur auf Papiergeld sitzt, sondern auch auf Gold und Silber, kann man nachts ruhiger schlafen.

GeVestor-Redaktion: Herr Morrien, noch eine Frage zum richtigen Timing. Sie haben bereits den Tipp gegeben, dass aus saisonalen Gründen der August ein guter Kauf-Monat für Gold ist. Haben Sie noch einen Praxis-Tipp zum Abschluss?

Rolf Morrien: Was bei mir ganz oben auf der Beobachtungsliste steht, ist das Verhalten der US-Notenbank FED. Wann kommt das Rettungsprogramm QE3? Die Analysten der Ersten Bank aus Österreich haben die Wirkung der QE-Programme auf den Goldpreis untersucht.

Das Ergebnis: Nach der Ankündigung von QE1 ist der Goldpreis um 54% gestiegen, nach der Ankündigung von QE2 um 31%. Wenn also jetzt im Herbst von der FED das Programm QE3 angekündigt wird, dürfte das nicht der schlechteste Zeitpunkt sein, die Goldposition aufzustocken.

GeVestor-Redaktion: Herr Morrien, vielen Dank für die aktuelle Einschätzung zum Goldmarkt.

24. August 2012
von
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Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur des „Depot-Optimierers“, von „Rolf Morriens Power Depot“ und von „Rolf Morriens Premium Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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