Gold-Paradoxon: Alle lieben es, keiner kauft es

Alle Welt spricht in dieser Woche von der Griechenland-Krise, die sich immer weiter zuspitzt und einmal mehr auf einen Showdown hinausläuft. Können sich die Athener Regierung und die Geldgeber in Brüssel bis kommenden Dienstag nicht auf eine Lösung verständigen, drohen unabsehbare Folgen.

Ein klassisches Krisenszenario, das die Märkte seit Wochen in Schach hält und zunehmend beunruhigt. Beste Zeiten also, um sein Geld in Gold anzulegen, sollte man meinen.

Seit jeher gilt das Edelmetall als sicherer Hafen, wenn wirtschaftliche Turbulenzen, Bankencrashs, Immobilienblasen oder Währungsbrüche drohen. Doch die Realität ist derzeit eine andere.


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Goldpreis müsste steigen – tut es aber nicht

Obwohl die Rahmenbedingungen dafür sprechen, dass der Goldpreis kräftig anziehen müsste, ging die Nachfrage zuletzt spürbar zurück. Selbst Kleinanleger, die sonst in Goldmünzen investieren, griffen seltener zu. Die Nachfrage im Mai erreichte den tiefsten Stand der letzten acht Jahre. Das Phänomen betrifft den deutschen ebenso wie den internationalen Goldmarkt, wie der Goldhändler Pro Aurum berichtet.

Die Entwicklung überrascht – denn grundsätzlich halten Anleger das gelbe Edelmetall immer noch für ein solides und gutes Investment. Einer Umfrage im Auftrag von Pro Aurum zufolge traut fast jeder dritte Deutsche einer Geldanlage in Gold die höchsten Gewinnchancen zu. Auf einen Anlagezeitraum von drei Jahren angesetzt steht Gold damit deutlich höher im Kurs als Aktien, Fonds oder Anleihen.

Deutsche Anleger schätzen das Edelmetall

Beliebt ist Gold demnach vor allem als Depotbeimischung und Absicherung des eigenen Portfolios. 77 Prozent der Befragten sehen in Gold eine gute Ergänzung zu anderen Anlagen und 71 Prozent schätzen Gold als sichere Anlageform ein.

Doch trotz der hohen Meinung greift kaum jemand zu, der Goldpreis verharrt deutlich unter seinem Rekordniveau von 2011. Damals kostete die Feinunze 1.800 Dollar, inzwischen ist sie für rund 1.200 Dollar zu haben.

Eine mögliche Erklärung für dieses scheinbar paradoxe Anlageverhalten ist mangelndes Krisenbewusstsein, oder positiv formuliert: steigendes Vertrauen in Papierwährungen, inklusive Euro.

Grexit halb so schlimm?

„Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ hat die Kanzlerin auf dem Höhepunkt der Krise vor wenigen Jahren gesagt. Inzwischen hat sich die Lage geändert und ihr Tonfall entschärft. Ein etwaiges Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion wurde zuletzt öffentlich immer wieder als verschmerzbar und halb so schlimm dargestellt.

Ob es wirklich so glimpflich ablaufen würde, ist fraglich, immerhin wäre dies eine völlig neue Situation ohne historische Erfahrungswerte. Ökonomische, politische und soziale Dynamiken für den Fall eines „Grexit“ sind auch wenige Tage vor Ablauf der Zahlungsdeadline schwer vorherzusagen.

Doch die Anleger scheinen sich in Besonnenheit zu üben. Gold als sicheren Hafen steuern sie bislang jedenfalls nicht an. Stattdessen setzen eher risikoscheue Kleinanleger weiterhin eher auf Lebensversicherungen, Immobilien oder Tagesgeldkonten, trotz geringerer Rendite. Goldbestände besitzt in Deutschland dagegen nur etwa jeder Zehnte.

28. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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