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Hexentanz nach der Zinsentscheidung

Heute ging es an der Börse rund. Gleich 2 Faktoren sorgten für große Kursschwankungen: Die verschobene Zinserhöhung in den USA und der „Hexensabbat“ an den Terminmärkten.

Die US-Notenbank FED hat gestern die Zinserhöhung verschoben. Für Chaos sorgten nach der Sitzung die einzelnen Stellungnahmen der FED-Mitglieder. So wurden gleich 3 neue Termine für die erste Zinserhöhung seit 2006 genannt: Oktober 2015, Dezember 2015 und März 2016. Genau das wollte die Börse nicht! Investoren hassen Unsicherheit. Daher die Kursabschläge an den Aktienmärkten nach der FED-Sitzung.

Bereits in der Schachjugend hat mir mein damaliger Trainer vor über 30 Jahren einen Satz immer wieder eingetrichtert: Die Drohung ist stärker als die Ausführung! Wenn die FED gestern die Zinsen erhöht hätte, dann hätte das den Markt einmal kurz durchgeschüttelt und das Thema wäre erledigt gewesen.

Nach der Verschiebung bleibt es dagegen bei der Zitterpartie (warum einige Investoren vor der Zinswende zittern, habe ich hier im „Schlussgong“ in dieser Woche ausführlich beschrieben).

Besonders ärgerlich ist, dass die gesamte Zinsdiskussion überflüssig ist. Im allgemeinen Trubel ist untergegangen, dass die FED die mögliche Zinswende gestern beschrieben hat:

Bis Ende 2016 wird ein Leitzins von rund 1,375% erwartet und längerfristig soll der Zins auf 3,5% steigen. Das bedeutet: Noch über Jahre plant die FED mit Mini-Zinsen. Das Geld bleibt in der größten Volkswirtschaft der Welt extrem günstig.


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Hexensabbat verstärkt die Kursschwankungen

Die Zinsentscheidung in den USA sorgte für die „Zocker“ an der Börse genau am richtigen Tag für Rückenwind, denn: zum dritten Mal im Börsenjahr 2015 schlug der „dreifache Hexensabbat“ zu.

Der dreifache Hexensabbat ist auch als großer Verfallstag bekannt, denn an diesem Tag verfallen weltweit drei gleiche Arten von Anlagen: die Optionen auf Einzelaktien, die Optionen auf Indizes und die Terminkontrakte auf Indizes. An diesen Tagen geht es an der Börse traditionell etwas hektischer zu.

Der große Verfallstag ist jeweils am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember. Der Hexensabbat ist der Tag der Abrechnung. Das war auch heute so.

Denn: Viele Fonds, Hedgefonds und Investmentbanken sind in Terminkontrakten investiert, die heute um 12 Uhr abgerechnet wurden. Im Vorfeld wird daher versucht, die Basisindizes (DAX, Dow Jones) durch Käufe und Verkäufe in die gewünschte Richtung zu schicken. Beim DAX: Kampf um die 10.000-Punkte-Marke.

Wenn sich sehr viele große Investoren oberhalb einer gewissen Verfallsmarke positioniert haben, dann kann der Markt auch ohne fundamentale Nachrichten oder charttechnische Signale durchstarten. Haben die großen Investoren auf fallende Kurse gewettet, ist Druck nach unten möglich.

Das Phänomen Hexensabbat im Detail

Am Hexensabbat entscheidet sich für viele große Marktteilnehmer, ob sie mit ihren Investition in Derivate einen Gewinn oder einen Verlust machen. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei den Investitionen um Wetten auf bestimmte Kurse. Die beteiligten Marktteilnehmer versuchen nun, die Kurse in die gewünschte Position zu bringen, damit die eingegangene Wette aufgeht.

Ein Beispiel: Mit einer Option wird das Recht erstanden, eine Aktie zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Liegt der Kurs der Aktie mittlerweile über dem festgelegten Basispreis, macht man als Besitzer der Option einen Gewinn.

Der Verkäufer hingegen macht einen Verlust, weil er die Aktie nicht zu dem inzwischen höheren Preis an der Börse verkaufen kann. Da also die Interessen der verschiedenen Marktteilnehmer sehr unterschiedlich sind, versuchen diese, die Kurse in die jeweils gewünschte Position zu bringen.

Während der Verkäufer aus dem genannten Beispiel versucht, den Kurs durch massive Verkäufe unter den Basispreis zu drücken, versucht der Käufer der Option, das Gegenteil zu erreichen. Auf diese Weise kann es innerhalb kürzester Zeit zu einem sehr großen Handelsvolumen mit heftigen Kursschwankungen kommen.

Die Bedeutung des Hexensabbats für Privatanleger

In der Regel können Privatanleger keinen nennenswerten Einfluss auf die Geschehnisse am Hexensabbat nehmen. Die großen und bestimmenden Akteure sind beispielsweise Banken, Versicherungen oder Fondsmanager.

Für gewöhnlich haben die am Hexensabbat oftmals zu beobachtenden heftigen Kursschwankungen keinen nachhaltigen Einfluss auf die Kursentwicklung. Innerhalb kurzer Zeit ist der Spuk vorbei und die Kurse pendeln sich zumeist wieder auf dem vorherigen Niveau ein. Sie können sich also beruhigt zurücklehnen und das Schauspiel betrachten.

Die Zinsdiskussion wird uns dagegen in den nächsten Tagen und Wochen weiter begleiten – obwohl die realwirtschaftlichen Auswirkungen aufgrund der Mini-Zinsschritte zu vernachlässigen sind.

Daher meine Empfehlung: Machen Sie Ihre Anlageentscheidungen nicht von der Zinsdebatte abhängig, sondern achten Sie verstärkt auf die Unternehmensmeldungen.

18. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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