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IKB Deutsche Industriebank: Vorgehensweise der Ratingpraxis

Die IKB ist eine Spezialbank, die insbesondere für mittel- und langfristige Finanzierungen von mittelständischen Unternehmen bundesweit zur Verfügung steht.

Sie können sich mit den Angeboten der IKB etwas unabhängiger von Ihren Banken vor Ort machen, indem Sie bestimmte Investitionsfinanzierungen dort vornehmen.

Wie Sie die IKB erreichen, haben wir für Sie am Ende dieses Beitrags zusammengestellt. Via Internet erreichen Sie die Bank unter www.ikb.de.

Nachdem wir in der vorigen Ausgabe mit der Darstellung von bankinternen Ratingsystemen begonnen und das Ratingsystem der Volksbanken/ Raiffeisenbanken vorgestellt haben, beschreiben wir im Folgenden das Ratingsystem der IKB, damit Sie sich auf ein Rating durch die IKB entsprechend vorbereiten können.

Ratingbereich 1: Bisherige Unternehmensentwicklung

Für die Erstellung des Ratings erfolgt die Analyse der drei letzten Jahresabschlüsse (Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung), aus denen die Bank über ein komplexes Berechnungsverfahren folgende Kennziffern ermittelt und bewertet:

Diese drei Kennziffern haben sich in der langjährigen Kreditpraxis der IKB in Bezug auf wesentliche Faktoren wie die Finanzpolitik und die Ertragskraft eines Unternehmens als besonders aussagekräftig bewährt.

Jede Kennziffer wird einzeln bewertet, alle drei Einzelbewertungen werden gewichtet und zu einer Vorbewertung für die Rubrik „bisherige wirtschaftliche Entwicklung“ zusammengefasst.

Die Ermittlung der Eigenmittelquote

Eigenmittelquote = Eigenmittel ÷ Bilanzsumme.

 Bei der Berechnung wird die Bilanzsumme um den Saldo aus erhaltenen Anzahlungen und (un)fertigen Erzeugnissen reduziert sowie um die Leasingverbindlichkeiten erhöht.

  • Wie ertragsstark ist das Unternehmen?

  • Wie dynamisch entwickelt sich das Unternehmen?

  • Wie solide ist das Unternehmen finanziert?

  • Eigenmittelquote

  • Gesamtkapitalrendite

  • Verschuldungsgrad


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Die Bank ermittelt die „bereinigten Eigenmittel“ wie folgt: Nominalkapital und Rücklagen werden um Gesellschafterdarlehen, Nachrangdarlehen und Genussrechte ergänzt, sowie um Forderungen gegenüber Gesellschaftern und passivierte Pensionsrückstellungen reduziert.

Gleichzeitig werden sie um 50% der stillen Beteiligungen, Nachrangdarlehen sowie Genussrechte reduziert.

Die auf diesem Weg errechnete Eigenmittelquote spielt beim Rating nach Angaben der Bank eine wichtige Rolle, da Eigenkapital das Fundament der betrieblichen Finanzierung darstellt.

Die Berechnung der Gesamtkapitalrendite

Gesamtkapitalrendite = Betriebs- und Finanzergebnis + Zinsaufwand ÷ durchschnittliche Bilanzsumme Die Gesamtkapitalrendite zeigt die Ertragskraft der insgesamt eingesetzten Finanzmittel (Eigen- und Fremdkapital). Bei der Berechnung werden das neutrale und das außerordentliche Ergebnis ausgeklammert.

Diese Kennzahl gleicht unterschiedliche Kapitalstrukturen aus und ist somit auch für einen überbetrieblichen Vergleich geeignet. Sinkt die Gesamtkapitalrendite unter den Zinssatz für aufgenommene Kredite, ist dies ein ernstes Warnsignal.

Da sich die Gesamtkapitalrendite mathematisch auch als Produkt aus Kapitalumschlag und erweiterter Umsatzrendite definieren lässt, stellt sie eine Verbindung her zwischen der Erfolgskomponente der Gewinn- und Verlustrechnung und dem eingesetzten Kapital, das aus der Bilanz sichtbar wird.

Für die IKB ist deshalb die Gesamtkapitalrendite ein wichtiges quantitatives Bewertungskriterium. Für die Berechnung wird die Bilanzsumme um den durchschnittlichen Saldo aus erhaltenen Anzahlungen und (un)fertigen Erzeugnissen reduziert.

Achten Sie darauf, dass die von Ihrem Unternehmen erwirtschaftete Gesamtkapitalrendite stets deutlich über dem Kapitalmarktzinssatz liegt.

Die Berechnung des Verschuldungsgrads

Verschuldungsgrad = Gesamtverbindlichkeiten – Betriebsmittel ÷ Cash-Flow

Zu den Gesamtverbindlichkeiten rechnet die Bank auch sämtliche Rückstellungen. Dieser Betrag wird noch um den Saldo aus erhaltenen Anzahlungen und (un)fertigen Erzeugnissen reduziert.

Betriebsmittel, die in Abzug gebracht werden: Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, sonstige Vermögensgegenstände, Wertpapiere des Umlaufvermögens und liquide Mittel. Vorräte bleiben unberücksichtigt, genau wie Forderungen innerhalb eines Konzernverbundes.

Den Cash-Flow ermitteln Sie folgendermaßen:

Betriebsergebnis + Abschreibungen + Zuführung langfristiger Rückstellungen.

Der Verschuldungsgrad zeigt an, wie viele Jahre – theoretisch betrachtet – ein Unternehmen aus heutiger Sicht benötigt, um seine derzeitigen Verbindlichkeiten zurückzuzahlen.

Die Bank gewinnt aus dem Ergebnis der Berechnung die Erkenntnis, ob der Kreditnehmer voraussichtlich in der Lage sein wird, aufgenommene Kredite planmäßig zu tilgen. Die Kennzahl „Verschuldungsgrad“ hat sich nach Ansicht der IKB als Frühwarnindikator bewährt.

Ratingbereich 2: Mittelfristige Unternehmensplanung

Da bei jedem Rating die Beurteilung der Zunkunftsfähigkeit des Unternehmens ein wesentlicher Faktor ist, spielt dieser Bereich auch beim IKB-Rating eine entscheidende Rolle.

Es ist also für jeden Kreditnehmer unabdingbar, eine Unternehmensplanung zu erstellen, um die voraussichtliche Entwicklung für einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren aufzuzeigen.

Die zukunftsbezogene Bewertung erfolgt bei der IKB über die gleichen 3 Kennzahlen wie die vergangenheitsbezogene Bewertung, jedoch auf der Basis der Unternehmensplanzahlen. Dies bedeutet, dass Sie sowohl eine Planbilanz als auch eine Plan-Gewinn- und Verlustrechnung zu erstellen haben.

Wurden also in der Vergangenheit die Weichen für eine nachhaltige Verbesserung des Bilanzbildes gestellt, schlägt sich das auch in einer Anhebung der Bewertung nieder. Im umgekehrten Fall führt ein Abfall der Planzahlen gegenüber den Vergangenheitsdaten zur Abwertung.

Die eingereichten Planungen werden von der IKB unter Berücksichtigung der bisherigen Unternehmensentwicklung sowie der Markt- und Konkurrenzsituation auf Konsistenz und Plausibilität geprüft. Bei dem eingangs dargestellten Beispielfall kommt es zu folgenden Bewertungen:Position Wert Note 1. Bisherige wirtschaftliche Entwicklung 3,5 a) Eigenmittelquote 29,45% 1,0 b) Gesamtkapitalrentabilität 1,20% 4,5 c) Verschuldungsgrad 1,80 2,0 2. Mittelfristige Unternehmensplanung 2,5 a) Plan-Eigenmittelquote 29,11% 1,0 b) Plan-Gesamtkapitalrendite 5,89% 3,5 c) Plan-Verschuldungsgrad 1,60 2,0 Vergleichen Sie anhand Ihrer Zahlen die entsprechenden Werte. Sie sehen sofort, ob und in welchem Umfang es zu Veränderungen für die Zukunft gegenüber dem Ist-Zustand kommt.

Ratingbereich 3: Qualitative Erfolgsfaktoren

Die Erfahrungen der IKB aus der Vergangenheit haben ihr immer wieder gezeigt, dass man sich allein auf einer Kennzahlenbasis kein ausreichendes Bild von einem Unternehmen machen kann,

nicht zuletzt, weil sich häufig Erfolge aus Umstrukturierungsmaßnahmen erst mit gewisser Zeitverzögerung in den Kennzahlen widerspiegeln. Umgekehrt können Kennzahlen über latente Risiken in der Unternehmensstruktur, -organisation oder -ausstattung hinwegtäuschen.

An dieser Stelle sieht das IKB-Mittelstands-Rating einen umfangreichen Fragenkatalog vor, den der IKB-Kundenberater gemeinsam mit Ihnen bearbeitet.

Zu den folgenden 5 Themenbereichen fallen jeweils etwa 5 Fragen an, die in unterschiedlicher Gewichtung, die die Bank nicht mitteilt, Eingang in die Gesamtbewertung finden.

Im Einzelnen stellt die Bank Fragen zu den folgenden Bereichen:

Wenn Sie die folgenden Fragen für Ihr Unternehmen beantworten und die jeweilige Benotung, die Sie sich selbst geben, ankreuzen, können Sie ein Eigen-Rating durchführen und einen ersten Überblick über Ihre voraussichtlichen Einstufungen gewinnen.Bewertung Frage 1 2 3 4 5 Ist die fachliche/branchenmäßige Qualifikation des Managements in technischer wie auch in kaufmännischer Hinsicht nachhaltig erwiesen? Besteht innerhalb des Managements/ Gesellschafterkreises Interessenidentität? Existiert ein qualifizierter Beirat/ Aufsichtsrat mit Einflussmöglichkeiten? Ist aus der Altersstruktur des Managements oder der Gesellschafter eine geregelte Nachfolge erkennbar? Ist die (Organisations-)Struktur des Unternehmens in der Lage, sich kurzfristig auf Wettbewerbsveränderungen einzustellen?

  • Führungsstruktur

  • Controlling

  • Unternehmenskonzept/Strategie

  • Marktposition

  • Produktion.

Bewertung Frage 1 2 3 4 5 Ist im Unternehmen (bzw. in der Unternehmensgruppe) eine Controllingfunktion implementiert (abgestimmte Planungs- und Steuerungsprozesse, Soll-/Ist- Vergleiche inkl. Abweichungs- und Ursachenanalyse)? Verfügt das Unternehmen über eine zeitnahe Mehrjahresplanung (Investitions-, Finanz- und Ertragsplanung)? Existiert ein Debitorenmanagement (Bonitätsprüfung, Kontrolle der Zahlungsfristen, Kreditversicherung)? Werden verbundene Unternehmen mit wesentlichem Einfluss auf die Ertragslage zeitnah überwacht? Bestehen ungedeckte Fremdwährungsrisiken?Bewertung Frage 1 2 3 4 5 Unterzieht sich und entspricht das Unternehmen den Anforderungen des KonTraG (Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich)? Wie stellt sich die Unternehmensstrategie dar? Existiert eine fortlaufende/rollierende strategische Planung, in die die aktuelle konjunkturelle Lage und Veränderungen der Branchenkonjunktur einfließen? Sind die strategischen Ziele (z.B. Wachstumsziel) im Hinblick auf die aktuelle Unternehmens- und Marktsituation realistisch?Bewertung Frage 1 2 3 4 5 Wie definiert sich die Marktstellung des Unternehmens im Verhältnis zu seinen Wettbewerbern? Wie stellt sich der für den Kreditnehmer relevante Absatzmarkt dar? Ist das Produktportfolio hinsichtlich Produktlebenszyklen und Variantenvielfalt ausgewogen? Bestehen Abhängigkeiten von einzelnen Kunden oder Lieferanten?Bewertung Frage 1 2 3 4 5 In welchem Zustand befinden sich die Produktionsanlagen und -maschinen? Besteht bei der Verfügbarkeit und der Preisentwicklung von Rohstoffen und Rohprodukten hinreichend planerische Sicherheit und könnten diese ggf. über Substitutionsmöglichkeiten aufgefangen werden? Besteht ein Qualitätssicherungssystem zur Überwachung der eigenen Produktqualität (u.a. zur Vermeidung von Produkthaftungsrisiken)? Stehen die erforderlichen Patente und Lizenzen im Eigentum des Unternehmens bzw. hat das Unternehmen eine uneingeschränkte und „einredefreie“ Nutzungsmöglichkeit? Wird bestehenden Umweltrisiken durch Umweltschutz- und Sicherheits-Audits sowie Schutzeinrichtungen in ausreichendem Maße Rechnung getragen? Beantworten Sie diese Fragen möglichst realistisch für Ihr Unternehmen. Erstellen Sie quasi ein Eigen-Rating.

Ratingbereich 4: Liquiditätslage

Gerade die Beurteilung der Liquidität ist für die IKB ein ausschlaggebender Ratingpunkt.

Sie untergliedert in 3 Kategorien: A = beste Stufe B = mittlere Stufe C = schlechte Stufe

10. April 2002

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.