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In Norwegen sprudeln die Ölgewinne

Liebe Leser,

auch in dieser Ausgabe steht noch einmal Norwegen im Blickpunkt. Nachdem ich Ihnen schon die Ölindustrie des Landes vorgestellt habe, bei der deutsche Firmen auch eine wichtige Rolle spielen, geht es heute nun um die Verwendung der riesigen Einnahmen aus der Ölindustrie.

Der norwegische Staatsfonds hat immerhin eine Größe von mehr als 500 Mrd. Dollar und ist damit die Nummer eins in der Welt.

Die riesigen Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft führen erst einmal dazu, dass Norwegen ein Haushaltsüberschuss erzielt. Im vergangenen Jahr betrug der Überschuss 5,3 Mrd. NOK (Norwegische Kronen). Das sind umgerechnet rund 680 Mio. Euro.

Die Öl- und Gasumsätze betrugen 2010 insgesamt rund 300 Mrd. NOK. Nach Abzug der Kosten blieb hier eine Summe von 276 Mrd. NOK übrig. Nun hat der norwegische Staat grundsätzlich die gleichen Probleme wie die meisten entwickelten Länder.

Hohe Kosten für das Gesundheitswesen oder Sozialleistungen. Unterm Strich bleibt also auch in Norwegen ein Haushaltsminus ohne Öleinnahmen von 104 Mrd. NOK für 2010.

Doch an dieser Stelle reibt der norwegische Finanzminister an der Wunderlampe und wünscht sich ein Haushaltsüberschuss. Dieser Wunsch wird ihm erfüllt – durch die massiven Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft. So verwandelt Norwegen ein Haushaltsminus über Nacht in einen Überschuss.


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Und laut der aktuellen Haushaltsplanung wird dieser Überschuss in diesem Jahr noch kräftig wachsen. Bei den Öl- und Gaseinnahmen erwartet Norwegen einen Zuwachs von 13%.

Die großen Überschüsse fließen dann in den Staatsfonds. Bei den rieseigen Summen in dem Fonds kommt es ganz entscheidend auf das Management an. 2010 gelang dem Management eine Rendite von 9,6%. Das langfristige Ziel ist es, das Kapital des Staatsfonds bis zum Jahr 2020 vom aktuellen Niveau aus zu verdoppeln.

Nach Abzug aller Ausgleichszahlungen für den Haushalt wird dem Staatsfonds in diesem Jahr wohl ein Betrag von rund 195 Mrd. NOK überwiesen. Zudem wird der Fonds wohl Einnahmen aus Dividenden in Höhe von knapp 120 Mrd. NOK erzielen. Damit wird das Volumen des Fonds allein in diesem Jahr um mehr als 310 Mrd. NOK wachsen.

Aber was macht das Management genau mit dem Geld? Darüber gibt ein sehr detaillierter Bericht Auskunft, der einmal im Jahr dem norwegischen Parlament vorgelegt wird. Laut der geltenden Anlagerichtlinien liegt die Aktienquote bei 60%. Anleihen dürfen einen Anteil von 35% aufweisen und Immobilien steuern 5% bei.

Laut der aktuellen Statistik lag Ende vergangenen Jahres die Aktienquote bei 61,5% und die restlichen 38,5% waren in Anleihen angelegt.

Erst kürzlich hat mit Svein Gjedrem ein neuer Chief Adviser für den Fonds seine Arbeit begonnen. Einen größeren Anteil sollen nun verstärkt Sachwerte wie Immobilien ausmachen. Auch direkte Infrastrukturinvestments oder Private Equity Beteiligungen sollen dazukommen. Aber noch ist das nicht sicher.

So gibt Gjedrem zwar die Linie bei den Investmententscheidungen vor, aber dies muss dann noch vom norwegischen Finanzminister abgesegnet werden.

Wie breit die Risikostreuung des Fonds geht, zeigt ein Blick auf die deutschen Investments. Insgesamt sind es 141 Unternehmen mit einem Gesamtwert von 113 Mrd. NOK. Aber auch in den Euro-Krisenländern Griechenland und Portugal ist der Staatsfonds noch vertreten. Das gilt sowohl für Aktien als auch für Anleihen.

Interessant ist auch, dass bei dem Staatsfonds ethische Aspekte der Geldanlage berücksichtigt werden. Und dies umfasst eine breite Palette. So wurde im Mai 2006 die Aktie des US-Einzelhandelskonzerns Wal Mart aus dem Fonds wegen „systematischer Menschenrechtsverletzungen“ entfernt. In den beiden vergangenen Jahren kamen auch noch zahlreiche Tabakkonzerne mit dazu.

Das Beispiel Norwegen verdeutlicht auf jeden Fall, dass es durchaus möglich ist, den Rohstoffreichtum des eigenen Landes positiv für die eigenen Bevölkerung zu nutzen. Wir in Deutschland müssen uns wohl weiterhin an steigende Defizite und vor allem ausufernde Staatsschulden gewöhnen – außer in der deutschen Nordsee wird noch ein riesiges neues Ölvorkommen entdeckt.

Das ist aber mehr als unwahrscheinlich.

Bis morgen,

Heiko Böhmer

Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“

30. Juni 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.