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Joachim Starbatty: Die Helden der Wirtschaftsgeschichte

Anlässlich der Veröffentlichung des Buches „Klassiker des Ökonomischen Denkens“ von Joachim Starbatty führte GeVestor ein exklusives Interview mit dem Herausgeber:

GeVestor: In der Wirtschaftswissenschaft existieren gewiss noch andere Sammelbände über die historische Entwicklung dieser Disziplin. Was waren Ihre besonderen Zielsetzungen und was wollten Sie anders machen?

Joachim Starbatty: Sinn für Realität und Geschichte braucht ein guter Ökonom, sagt Joseph Schumpeter. Die versammelten Essays führen den Leser ohne formales Beiwerk in das Leben eines ökonomischen Klassikers und zugleich auch in ein wesentliches Gebiet wirtschaftswissenschaftlicher Forschung ein.

Sie sollen dem ökonomisch interessierten Laien die Tür zum Verstehen aufstoßen und zu weiteren Gängen in die faszinierende Welt der Ökonomie ermuntern; dem Kenner sollen sie seine Helden von der menschlichen Seite zeigen.

Die Essays zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch den Beziehungen zwischen Umwelt und Theorieentstehung nachspüren. Idealiter können dogmengeschichtliche Portraits dem Suchenden zu einer Art Koordinatenkreuz verhelfen, dem Erfahrenen Ideen und Anregungen für weitere Forschung vermitteln.

GeVestor: Nach welchen Kriterien fand die Auswahl der dargestellten Primärautoren statt und wie schwierig war sie?

Starbatty: Jede Sammlung von Essays über Klassiker einer Disziplin ist arbiträr. Der eine oder andere mag sich wundern, warum ausgerechnet der hier aufgenommen wurde, während er den schmerzlich vermisst.


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Entscheidendes Kriterium für die Auswahl der ökonomischen Klassiker war, dass sie unser Denken so bereichert haben, dass ohne sie unsere Auffassung von der Welt und ihrer Gestaltung eine andere wäre, und dass sie zeitlos gültige Antworten auf grundsätzliche Fragen gegeben und uns auf wesentliche Probleme aufmerksam gemacht haben oder ein wesentliches analytisches Werkzeug zum methodischen Rüstzeug der Ökonomen beigesteuert haben.

GeVestor: Wie gut verlief die Zusammenarbeit mit den anderen Autoren des Sammelbandes?

Starbatty: Bekannte Autoren sind manchmal wie Primadonnen, die Anregungen, Hinweise oder gar kritische Anmerkungen als Majestätsbeleidigung auffassen. Manche sind säumig, andere pünktlich.

So wird der Herausgeber einerseits getrieben, andererseits fällt er als Mahnender lästig. Insgesamt ist er aber glücklich, dass das Werk zustande gekommen ist und seine Erwartungen teilweise noch übertroffen hat.

GeVestor: In Ihrem Buch werden die ökonomischen Ansichten der ganz unterschiedlichen Zeiten und Epochen dargelegt. Gibt es eine vergangene wirtschaftliche Ära, in der Sie lieber geboren wären oder gelebt hätten als heutzutage?

Starbatty: Als Studierender sowie später als Lehrender und Forschender haben mich die Tulpenkrise und der Südseeschwindel fasziniert und zugleich belustigt.

Mir schien einmalig und für alle Zeiten vorbei zu sein, dass Tulpenzwiebeln ein Vermögen wert sein konnten, das über Nacht zu einem Nichts geschrumpft ist, und dass Menschen geglaubt haben, über die Südseegeschäfte ließen sich märchenhafte Renditen erwirtschaften und somit höchste Dividenden ausschütten, bis schließlich diese Blasen platzten.

Dass Menschen sich so haben verführen und blenden lassen, das würde nicht wiederkommen, so dachte ich. Wir leben jetzt in einer Zeit, die mindestens so einzigartig ist:

Politiker glauben, mit Gelddrucken Probleme lösen zu können und Wasser bergauf fließen zu lassen, wenn sie es nur ernsthaft wollen.

Man wird noch in Jahrhunderten davon sprechen, dass ein so kleines Land wie Griechenland den europäischen Kontinent bis in die Grundfesten erschütterte und die Welt zum Beben brachte. Das fasziniert mich als Ökonom, zugleich bin ich um das Schicksal vieler Menschen besorgt.

GeVestor: Welcher der beschriebenen Primärautoren hat Sie in ihren persönlichen Arbeiten am stärksten beeinflusst?

Starbatty: Mein Respekt gilt Adam Smith, dem lebensklugen Beobachter und Forscher; meine Liebe gilt David Ricardo, der mit sicherem analytischen Blick das Wichtige von Unwichtigem unterscheiden konnte. Wer seinen ökonomischen Verstand an Ricardos Werken geschult hat, der stößt rasch und sicher zum Kern eines Problems und zu dessen Lösung vor.

GeVestor: Befassen Sie sich auch heute noch verstärkt mit wirtschaftlichen Themen oder sind privat andere Interessensbereiche in den Vordergrund gerückt?

Starbatty: Die derzeitige, aktuelle, wirtschaftliche und politische Entwicklung hält mich stärker in Atem und in Bewegung als alles, was ich vorher erlebt habe.

Joachim Starbatty gilt als einer der wichtigsten deutschen Wirtschaftswissenschaftler der Nachkriegszeit. Er hatte bis zu seiner Emeritierung 2006 verschiedene Lehrstühle inne, darunter an den Universitäten Bochum, Tübingen und Washington. Lesen Sie hier mehr über den Herausgeber.

Das Buch ist im Nikol Verlag erschienen und kostet 9,99€.

25. Juni 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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