KFW-Studie: Deutschland profitiert vom Euro
Am Wochenende wurde in Deutschland ein Tabu gebrochen.
Was sich lange kein Politiker auszusprechen traute, wurde vom Wirtschaftsminister Philipp Rösler am Wochenende ausgesprochen: Griechenlands Insolvenz scheint ein mögliches Szenario zu sein.
Diese Aussage, mitten in der neu aufgeflammten Finanzkrise, wirkt natürlich sehr explosiv. Denn ein Insolvenzszenario Griechenlands würde in erster Linie das ohnehin geschwächte europäische Finanzsystem weiter belasten und ein Schuldenschnitt Griechenlands müsste einerseits von der EZB und im weiteren Schritt von den Privatbanken verkraftet werden.
Insolvenz Griechenlands könnte das Euro-Land erschüttern
In der weiteren Folge würde die Insolvenz eines Euro-Landes das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung erheblich erschüttern. Weitere, ebenfalls von der Schuldenkrise stark betroffene Länder, wie etwa Spanien oder Italien, wären dann den Angriffen der Märkte ausgesetzt. Denn wenn schon Griechenland nicht durch die gemeinschaftlichen Bemühungen gerettet wurde, würde das Vertrauen in die Rettung anderer Länder vollends verschwinden.
Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die in letzter Zeit immer lauter den Austritt Deutschlands aus der Gemeinschaftswährung fordern. Mit dem Argument, dass Deutschland die Probleme der schwächeren Länder importiert habe, kann man dieser Forderung ja auch kaum etwas entgegensetzen.
Außer – und das hat jüngst die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) in einer Studie vorgestellt –, dass die deutsche Wirtschaft stärker vom Euro profitieren konnte, als sie es im Vergleich dazu mit der Deutschen Mark getan hätte.
Bei einer eigenen, stärkeren Währung und damit gleichzeitig auch einem höheren Zinsniveau wäre das deutsche Wirtschaftswachstum erheblich niedriger ausgefallen.
Der Euro-Vorteil beläuft sich auf 50 Mrd. Euro
Weitere Vorteile wie etwa die geringen Transaktionskosten wurden in der KfW-Studie gar nicht erst beachtet. Insgesamt konnte Deutschland durch die Mitgliedschaft in der Eurozone in den letzten beiden Jahren einen Wachstumsvorteil gegenüber der Deutschen Mark von etwa
2 bis 2,5 % erzielen. Dies entspricht etwa 50 bis 60 Mrd. Euro.
Dieser Berechnung, deren Szenario zum dritten Quartal 2009 beginnt, wurde dabei eine Aufwertung der Deutschen Mark in Höhe von etwa 10 bis 20 % unterstellt. Aufgrund der unterschiedlichen Wirtschaftsentwicklung und auch der unterschiedlichen Stabilität der Euro-Länder wäre eine Aufwertung der Deutschen Mark sogar höher ausgefallen.
Zinsniveaus bei Deutscher Mark wären um 100 Basispunkte höher
Aber auch die Zinsniveaus, die den wesentlichen Effekt auf das Investitionsniveau eines Landes ausüben, lägen bei der DM-Annahme um mindestens 100 Basispunkte höher als derzeit. Wie stark das Wachstum durch eine Zinserhöhung in dieser Größenordnung gedämpft wird, konnte man bereits in der Vergangenheit beobachten. Etwa ein Jahr nach einem solchen Zinsschritt wird das BIP um etwa einen halben Prozentpunkt belastet.
Natürlich ist dies nur eine modellhafte Betrachtung, die auf nur wenigen Faktoren fußt. Zwar werden die grundsätzlichen Einflussfaktoren beachtet, nichts ist jedoch so schwierig wie die Prognose der Entwicklung einer Volkswirtschaft.
Grundsätzlich lässt es sich festhalten, dass der Euro zumindest in den letzten Jahren einen Vorteil gebracht hatte. Ob dieser Vorteil nicht durch die aktuell ausufernde Schuldenkrise wieder zunichtegemacht wird, lässt sich noch nicht abschätzen.



