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Kreditversicherungen (CDS) sind im Fall Griechenland wertlos

Am letzten Handelstag des Monats kam es zu größeren Gewinnmitnahmen. Dennoch wird der Oktober 2011 als guter Börsenmonat in Erinnerung bleiben. Ein noch besseres Ergebnis verhinderten heute die Bank-Aktien.

Im DAX und auch im EuroStoxx verloren die Bank-Aktien 5 bis 10%. Die Erleichterung, dass es in der Vorwoche nicht zu einem offiziellen Staatsbankrott in Griechenland gekommen ist, weicht langsam der Erkenntnis, dass einige Banken erhebliche Probleme haben werden, die geforderten Sicherheitskriterien bis zum 30. Juni 2012 zu erfüllen.

Griechische Staatsanleihen: Freiwilliger Verzicht oder Zwang?

Die Ergebnisse des EU-Gipfels setzen jedoch nicht nur die Banken unter Druck. Auch für Staatsanleihen könnte ein neues Zeitalter angebrochen sein. Ein scheinbar kleines Detail wird den Markt aufmischen.

Es geht um die Detailfrage, ob die privaten Besitzer der griechischen Staatsanleihen freiwillig auf 50% der Rückzahlungssumme verzichtet haben. Im Prinzip wissen alle Marktteilnehmer, dass den Banken die Pistole auf die Brust gesetzt wurde. Offiziell wird das Wort Zwang aber nicht genannt.

Das ist keine sprachliche Feinheit. Es geht um hohe Milliardenbeträge und um eine Systemfrage. Wenn der Verzicht freiwillig erfolgt ist, ist das kein Kreditereignis. Wenn dagegen Zwang vorliegt, handelt es sich um ein Kreditereignis.

Der feine Unterschied: Tritt ein Kreditereignis ein, werden die berühmt-berüchtigten CDS-Kreditversicherungen (CDS = Credit Default Swaps) fällig. Dann erhalten die Anleihen-Besitzer, die auf Geld verzichten müssen, einen finanziellen Ausgleich.


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Vorbild für weitere Länder

Der Verband International Swaps and Derivatives Association (ISDA) entscheidet für alle CDS-Besitzer, ob ein Kreditereignis eingetreten ist oder nicht. Die endgültige Stellungnahme steht noch aus, aber im Vorfeld haben Regierungsvertreter bereits angefragt und inoffiziell die Antwort erhalten, dass der Verband die Griechenland-Lösung als freiwilligen Verzicht bewerten wird.

Das heißt: Die Versicherungsprämien, die eine Kettenreaktion ausgelöst hätten, werden nicht fällig. Es geht zwar im Fall Griechenland um weniger als 5 Mrd. Euro, aber die Grundsatzentscheidung ist wichtig.

Denn: Realistisch betrachtet werden in den nächsten Jahren weitere Schulden-Krisen gelöst werden müssen. Der Fall Griechenland war nur der Eisbrecher. Die Grundsatzentscheidungen, die jetzt getroffen werden, gelten wahrscheinlich auch, wenn Portugal, Irland, Spanien oder Italien die Schulden nicht mehr zu 100% zurückzahlen können. Und dann geht es plötzlich um riesige Versicherungssummen im CDS-Markt.

Entscheidung umstritten

Wenn der Derivate-Verband tatsächlich offiziell verkündet, dass der Fall Griechenland kein Kreditereignis ist, kommt es zu einer kuriosen Situation: Es werden keine Versicherungszahlungen fällig, obwohl die so mächtigen Rating-Agenturen den Fall als Kreditereignis bewerten.

Der Derivate-Verband sagt, es ist kein Kreditereignis, die Rating-Agentur bestehen darauf, dass es doch ein Kreditereignis ist. Für mehr Planungssicherheit und Ruhe sorgt diese Uneinigkeit nicht.

Das System der Kreditversicherung wird in Frage gestellt

Wenn die Besitzer der griechischen Staatsanleihen, die ihren Anleihenbestand mit CDS abgesichert haben, keine Versicherungsprämie erhalten, kann das gesamte Kreditversicherungs-System zusammenbrechen.

Was bringt den Investoren eine Versicherung, wenn selbst ein Schuldenschnitt in Höhe von 50% nicht als Kreditereignis gewertet wird? Genau um solche Risiken zu vermeiden, wurden die Versicherungen abgeschlossen.

Einige Marktteilnehmer gehen daher davon aus, dass der CDS-Markt zusammenbricht. Da jetzt ein Musterfall vorliegt, können spätere Fälle auch immer freiwillig gelöst werden. Dann besteht nie eine Zahlungspflicht. Wenn das passiert, werden die CDS aussterben.

Die Experten streiten sich

Die Kapitalmarkt-Experten streiten sich über den Sinn und Unsinn von Kreditversicherungen. Die Befürworter weisen darauf hin, dass vorsichtige Großinvestoren nur in Staatsanleihen investieren, wenn es auch einen funktionierenden Versicherungsschutz gibt.

Entfällt die Absicherungs-Option, werden die Investoren die betroffenen Staatsanleihen meiden. Und das, obwohl die angeschlagenen Länder in den nächsten Jahren sehr viel Kapital benötigen. Das könnte die Schuldenkrise dramatisch verschlimmern.

Die Kritiker wären dagegen froh, wenn die CDS vom Markt verschwinden. Der Vorwurf: Die meisten CDS dienten nicht der Absicherung bestehender Depot-Positionen, sondern waren reine Zocker-Instrumente. Mit den CDS konnte wunderbar auf Staatspleiten gewettet werden.

Einige Experten gehen sogar so weit, dass sie die These aufstellen, dass die CDS ein Auslöser der aktuellen Krise waren. Das Argument: Zuerst sind die Preise der CDS in die Höhe getrieben worden, dann erst sind die Kurse der betroffenen Staatsanleihen gefallen.

Fazit: Ein Kompromiss wäre, wenn nur die Besitzer von Staatsanleihen Kreditversicherungen abschließen und halten dürfen. So könnte verhindert werden, dass die CDS von Spekulanten missbraucht werden, um Staatsanleihen unter Druck zu setzen.

31. Oktober 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.