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K+S Aktie: Die Fortsetzung der Achterbahnfahrt

Die politische Unsicherheit hat in dieser Handelswoche die Stimmung am Aktienmarkt gedrückt. Von relativ geringer Bedeutung war dabei die Frage, welche Parteien zukünftig in Deutschland eine Regierungskoalition bilden.

Aus Sicht der Investoren ist der politische Streit in den USA wesentlich wichtiger. Erneut können sich Demokraten und Republikaner nicht über einen Haushaltsentwurf und über die Anhebung der Schuldenobergrenze einigen.

Der Dauerstreit lähmt alle paar Monate die größte Volkswirtschaft der Welt.

Von den Unternehmen kommen aktuell nur wenige Nachrichten. Die Halbjahreszahlen wurden an der Börse bereits verarbeitet.

Spannend sind einzelne Unternehmen, die direkt oder indirekt fast täglich für Schlagzeilen sorgen. Im deutschen Leitindex DAX ist das an sich grundsolide Unternehmen K+S betroffen.

Hier im Schlussgong lesen Sie heute eine Zusammenfassung des „Kali-Sommerdramas“ und die jüngsten Kali-Schlagzeilen aus dieser Woche.

So fing das Kali-Sommerdrama an

Der russische Kali-Produzent Uralkali hatte Ende Juli für einen Paukenschlag gesorgt. Das Unternehmen hatte sich mit einem Partner zerstritten und ist daher aus dem Kali-Kartell ausgestiegen.

Mehrere Kali-Gruppen, die rund 60 bis 70% des Weltmarktes beherrschen, haben in der Vergangenheit Fördermengen und die Preispolitik festgelegt. Uralkali will sich an diese Vereinbarungen nicht mehr halten.

Als Reaktion erwartet Uralkali, dass der Preis für Kali von rund 400 auf 300 US-Dollar je Tonne fallen wird. Um den Umsatz- und Gewinnschwund auszugleichen, will Uralkali die Produktion im Jahr 2014 von 10,5 auf 13 Millionen Tonnen ausbauen.

Die Kombination aus fallenden Preisen und steigenden Fördermengen hat zu einer Schockreaktion am Aktienmarkt geführt. Zweistellige Milliardenbeträge lösten sich innerhalb kurzer Zeit in Luft auf.

Aktien aus der Kali-Branche verloren seit Ende Juli 30 bis 50% an Wert. Einige Analysten kalkulieren mit einem Preissturz am Kalimarkt und senken die Kursziele oft um bis zu 50%.

Mein damaliges Schlussgong-Urteil zum Thema Kali-Markt lautete: Das scheint mir ein Stochern im Nebel zu sein. Niemand kann heute seriös sagen, ob die von Uralkali genannten 300 US-Dollar lange halten.

Kali-Aktien sind mit dem Wissen von heute schlicht und einfach nicht zu bewerten. Dafür müsste man die Motive von Uralkali kennen.

Das Motiv ist ein Rätsel

Noch ist völlig unklar, was Uralkali mit dieser Überraschungsaktion erreichen will. Es gibt ein halbes Dutzend Theorien, warum Uralkali einen Preis- und Förderkrieg begonnen hat.

Eine harmlose Erklärung lautet: Uralkali hat sich über seinen Partner Belaruskali in Weißrussland geärgert und will diesem eine Lektion erteilen.


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Nach der Machtdemonstration sei Uralkali schon bald bereit, über eine Neuauflage des Kali-Kartells zu verhandeln. Dann würde sich die ganze Geschichte in Luft auflösen.

Eine andere Erklärung lautet, dass sich Uralkali als Preisführer sieht und daher einen Preiskrieg begonnen hat, um der Konkurrenz in den nächsten Jahren langsam aber sicher die Luft abzudrehen.

Nach der Pleitewelle bricht das Kali-Angebot ein und Uralkali kann als Marktführer drastische Preiserhöhungen durchsetzen. Viele Medien übernehmen diese Variante.

Das wäre allerdings gleich mehrfach ein Spiel mit dem Feuer. So ist auch der Kurs der Uralkali-Aktie drastisch eingebrochen. Die Aktionäre werden darüber nicht erbaut sein. Außerdem wäre der Plan relativ naiv.

So könnten die großen Kunden (China) in aller Ruhe den Preisverfall beobachten und dann zu Tiefstpreisen bei den geschwächten Kali-Produzenten langfristige Lieferverträge abschließen, oder große Kali-Hersteller sogar vollständig übernehmen.

Nach dem Kurssturz dürften aktuell bereits 10 Milliarden Euro reichen, um durch Übernahmen ein neues Kali-Imperium aufzubauen.

Für China wäre das leicht machbar. Auch Uralkali kann kein Interesse daran haben, dass China und Co. groß auf Einkaufstour gehen und zukünftig als Kunden wegfallen.

Eine dritte Variante: 2013 wollen einige Rohstoffkonzerne entscheiden, ob sie im großen Stil in neue Kali-Vorkommen investieren. Mit der Juli-Meldung könnte Uralkali eine Warnung gesendet haben: Wenn ihr investiert, machen wir eure Gewinnmarge kaputt!

Verbotene Börsenspielchen

An der Börse halten sich aber auch Gerüchte, dass es Uralkali nicht um den Kali-Preis geht. Ziel sei es, die Unternehmenspreise in der Branche nach unten zu drücken.

So sollen mehrere russische Investoren großes Interesse daran haben, weltweit Kali-Unternehmen zu kaufen.

Da die Weltbevölkerung wächst und damit auch die langfristige Dünger-Nachfrage, gelten die Unternehmen als extrem wachstumsstark.

Dank Uralkali gibt es jetzt plötzlich eine ganze Branche mit 30 bis 50% Preisabschlag im Sonderangebot. Sollten im 2. Halbjahr 2013 einige Übernahmen in der Kali-Branche folgen, müsste man die Verbindungen zu Uralkali überprüfen.

Die Übernahme-Variante ist harmlos, wenn das zweite Börsengerücht stimmt: Datenbanken der Börsen zeigen, dass in jüngster Zeit riesige Short-Positionen bei den börsennotierten Kali-Herstellern aufgebaut wurden.

So wurden zum Beispiel (Stand Juli 2013) über 8% der K+S-Aktien leer verkauft. Normal sind bei DAX-Aktien Short-Werte von 0,5 bis 3%. Gleich mehrere große Investoren haben mit riesigen Summen auf einen Kursverfall der K+S-Aktie gewettet.

Und das, obwohl K+S als Übernahme-Kandidat gilt. Man kann den Eindruck gewinnen, dass einige Investoren wussten, dass Ende Juli eine Bombe platzt. Das wäre ein Börsenskandal.

Uralkali könnte über Strohmänner auf einen Kurssturz der Branche gewettet haben, oder aber Personen aus dem Umfeld von Uralkali, die wussten, dass die Russen das Kali-Kartell sprengen wollen. Wenn solche Insider-Informationen genutzt werden, ist das strafbar.

Insider-Verdacht und China-Einfluss

2 Thesen aus dem Juli-Schlussgong werden aktuell weiterhin heiß diskutiert: Gab es verbotene Insider-Deals? Und: Wird China die Gunst der Stunde nutzen und sich günstig mit Kali-Dünger eindecken?

Verbotene Insider-Geschäfte vermutet die Regierung in Weißrussland. Die Konsequenz: Als der Uralkali-Chef Wladislaw Baumgertner dienstlich in Weißrussland war, wurde er verhaftet.

Der Vorwurf: Baumgertner habe illegal Insiderwissen genutzt, den Kali-Preis nach unten gedrückt und damit dem Staat Weißrussland einen Schaden in Höhe von rund 100 Millionen US-Dollar zugefügt.

In dieser Woche wurden die Haftbedingungen gelockert. Baumgertner durfte das Gefängnis verlassen und steht jetzt unter Hausarrest.

Ob Baumgertner nur ein Opfer im Kali-Krieg ist, oder ob er sich tatsächlich persönlich bereichert hat, ist heute noch offen. Fakt ist aber, dass einige heute noch unbekannte Personen am Kali-Preissturz sehr gut verdient haben.

China wird Großaktionär bei Uralkali

Eine weitere Kali-Meldung aus dieser Woche: China ist neuer Großaktionär bei Uralkali. Eine Tochtergesellschaft des chinesischen Staatsfonds CIC hat 12,5% der Uralkali-Aktien erworben.

An der Börse hält sich auch das Gerücht, dass der russische Milliardär und Uralkali-Großaktionär Suleiman Kerimow aussteigen will. China könnte daher den Uralkali-Anteil relativ einfach auf über 30% ausbauen.

Diese Nachricht hat dazu geführt, dass die Aktien aus der Kali-Branche (auch K+S) unter Druck geraten sind.

Der Hintergrund: China hat als Großkunde starkes Interesse an einem niedrigen Kali-Preis und könnte die neue Machtposition beim Weltmarktführer Uralkali nutzen, um den Kali-Preis dauerhaft nach unten zu drücken.

Aber auch hier gibt es noch eine zweite Variante: China könnte den Einfluss auf Uralkali auch nutzen, um große Teile der Uralkali-Produktion direkt nach China umzuleiten.

Dann würden andere Märkte, die bisher von Uralkali beliefert wurden, plötzlich frei und könnten von der kleineren Konkurrenz beliefert werden. Das wäre dann sogar eine Wachstums-Chance für K+S und Co.

Fazit: Die Lage am Kali-Markt bleibt unklar. Seit dieser Woche stellt sich die Frage: Was will China? Will China das Preisniveau drücken, oder will China „nur“ den Zugriff auf die Uralkali-Produktion?

Das erste Szenario wäre schlecht für K+S-Aktionäre, das zweite Szenario wäre gut für K+S-Aktionäre.

Daher bleibt es dabei: K+S-Aktionäre sollten abwarten und die Lage in Russland und China weiterhin beobachten. Auch der Schlussgong wird weiterhin regelmäßig über den Kali-Krimi berichten.

27. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.