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K+S: Russen schocken die Kali-Konkurrenz

Der DAX legte heute erneut einen Ruhetag ein und schloss mit 8.275 Punkten nur leicht über dem Vortagesniveau.

Die Investoren wollen erst abwarten, was Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank Fed, heute in der Pressekonferenz sagt. Theoretisch könnte Bernanke schon heute erklären, wie und wann die Fed den Geldhahn ein wenig zudrehen will.

Ich rechne allerdings jetzt, direkt vor der Sommerpause, mit keiner großen Entscheidung. Im September dürfte die Fed dann mitteilen, wie die Geldflut ab Ende 2013 langsam reduziert werden soll.

Über etwas Ruhe würden sich die Aktionäre des DAX-Unternehmens K+S freuen. Doch seit 2 Tagen geht es mit dem Aktienkurs steil nach unten. K+S ist auch keine Ausnahme. Die gesamte Kali-Branche befindet sich im freien Fall.

Uralkali sorgt für einen Paukenschlag

Der russische Kali-Produzent Uralkali hat gestern für einen Paukenschlag gesorgt. Das Unternehmen hat sich mit einem Partner zerstritten und will daher aus dem Kali-Kartell aussteigen.

Mehrere Kali-Gruppen, die rund 60 bis 70% des Weltmarktes beherrschen, haben in der Vergangenheit Fördermengen und die Preispolitik festgelegt. Uralkali will sich an diese Vereinbarungen nicht mehr halten.

Als Reaktion erwartet Uralkali, dass der Preis für Kali von rund 400 auf 300 US-Dollar je Tonne fallen wird. Um den Umsatz- und Gewinnschwund auszugleichen, will Uralkali die Produktion im Jahr 2014 von 10,5 auf 13 Millionen Tonnen ausbauen.

Die Kombination aus fallenden Preisen und steigenden Fördermengen hat zu einer Schockreaktion am Aktienmarkt geführt.

Zweistellige Milliardenbeträge lösten sich innerhalb kurzer Zeit in Luft auf. Aktien aus der Kali-Branche verloren gestern schlagartig 15 bis 30%. Heute geht die Talfahrt weiter.

Die Analysten kalkulieren mit einem Preissturz am Kalimarkt und senken die Kursziele oft um rund 50%. Das scheint mir jedoch ein Stochern im Nebel zu sein. Niemand kann heute seriös sagen, ob die von Uralkali genannten 300 US-Dollar lange halten.

Kali-Aktien sind mit dem Wissen von heute schlicht und einfach nicht zu bewerten. Dafür müsste man die Motive von Uralkali kennen.


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Das Motiv ist ein Rätsel

Noch ist völlig unklar, was Uralkali mit dieser Überraschungsaktion erreichen will. Es gibt ein halbes Dutzend Theorien, warum Uralkali einen Preis- und Förderkriegkrieg begonnen hat.

Eine harmlose Erklärung lautet: Uralkali hat sich über seinen Partner Belaruskali in Weißrussland geärgert und will diesem eine Lektion erteilen.

Nach der Machtdemonstration sei Uralkali schon bald bereit, über eine Neuauflage des Kali-Kartells zu verhandeln. Dann würde sich die ganze Geschichte in Luft auflösen.

Eine andere Erklärung lautet, dass sich Uralkali als Preisführer sieht und daher einen Preiskrieg begonnen hat, um der Konkurrenz in den nächsten Jahren langsam aber sicher die Luft abzudrehen.

Nach der Pleitewelle bricht das Kali-Angebot ein und Uralkali kann als Marktführer drastische Preiserhöhungen durchsetzen. Viele Medien übernehmen diese Variante.

Das wäre allerdings gleich mehrfach ein Spiel mit dem Feuer. So ist auch der Kurs der Uralkali-Aktie drastisch eingebrochen. Die Aktionäre werden darüber nicht erbaut sein. Außerdem wäre der Plan relativ naiv.

So könnten die großen Kunden (China) in aller Ruhe den Preisverfall beobachten und dann zu Tiefstpreisen bei den geschwächten Kali-Produzenten langfristige Lieferverträge abschließen, oder große Kali-Hersteller sogar vollständig übernehmen.

Nach dem Kurssturz dürften aktuell bereits 10 Milliarden Euro reichen, um durch Übernahmen ein neues Kali-Imperium aufzubauen.

Für China wäre das leicht machbar. Auch Uralkali kann kein Interesse daran haben, dass China und Co. groß auf Einkaufstour gehen und zukünftig als Kunden wegfallen.

Eine dritte Variante: 2013 wollen einige Rohstoffkonzerne entscheiden, ob sie im großen Stil in neue Kali-Vorkommen investieren. Mit der gestrigen Meldung könnte Uralkali eine Warnung gesendet haben: Wenn ihr investiert, machen wir eure Gewinnmarge kaputt!

Verbotene Börsenspielchen

An der Börse halten sich aber auch Gerüchte, dass es Uralkali nicht um den Kali-Preis geht. Ziel sei es, die Unternehmenspreise in der Branche nach unten zu drücken.

So sollen mehrere russische Investoren großes Interesse daran haben, weltweit Kali-Unternehmen zu kaufen.

Da die Weltbevölkerung wächst und damit auch die langfristige Dünger-Nachfrage, gelten die Unternehmen als extrem wachstumsstark.

Dank Uralkali gibt es jetzt plötzlich eine ganze Branche mit 20 bis 40% Preisabschlag im Sonderangebot. Sollten im 2. Halbjahr 2013 einige Übernahmen in der Kali-Branche folgen, müsste man die Verbindungen zu Uralkali überprüfen.

Die Übernahme-Variante ist harmlos, wenn das zweite Börsengerücht stimmt: Datenbanken der Börsen zeigen, dass in jüngster Zeit riesige Short-Positionen bei den börsennotierten Kali-Herstellern aufgebaut wurden.

So wurden zum Beispiel über 8% der K+S-Aktien leer verkauft. Normal sind bei DAX-Aktien Short-Werte von 0,5 bis 3%. Gleich mehrere große Investoren haben mit riesigen Summen auf einen Kursverfall der K+S-Aktie gewettet.

Und das, obwohl K+S in einigen Tagen die Quartalszahlen veröffentlicht (die einen Kurssprung auslösen könnten) und obwohl K+S als Übernahme-Kandidat gilt.

Man kann den Eindruck gewinnen, dass einige Investoren wussten, dass Ende Juli eine Bombe platzt. Das wäre ein Börsenskandal.

Uralkali könnte über Strohmänner auf einen Kurssturz der Branche gewettet haben, oder aber Personen aus dem Umfeld von Uralkali, die wussten, dass die Russen das Kali-Kartell sprengen wollen.

Wenn solche Insider-Informationen genutzt werden, ist das strafbar.

Fazit: Die Lage in der Kali-Branche ist so unklar wie selten zuvor. Die Kali-Nachfrage wird steigen, aber die Preisentwicklung ist völlig offen.

K+S wurde an der Börse hart getroffen, kann sich die Situation allerdings relativ ruhig anschauen: Zum einen ist die eigene Bilanz stark, zum anderen verfügt der DAX-Konzern über das zweite Standbein Salz und ist dort sogar Weltmarktführer.

Auch K+S-Aktionäre sollten zunächst abwarten, was Uralkali im Detail plant.

31. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.